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Handy warnt vor Gefahrenstellen

Eine neue App aus Dresden weiß, wo es kracht, und lernt mit ihren Besitzern.

Die App Carefuldrive von Casonex und der HTW Dresden warnt vor Gefahrensituationen
Die App Carefuldrive von Casonex und der HTW Dresden warnt vor Gefahrensituationen © Digital Product- and Servicedesign Andreas Cloß

Hier hat es schon oft gekracht. Die unübersichtliche Kreuzung ist ein Unfallschwerpunkt. Also aufpassen, konzentrieren. Das Handy hilft beim Erinnern. Rechtzeitig vor der Kreuzung warnt es. Kurze Zeit später ein Blitzer an der Straße. Wieder gibt das Smartphone ein Signal. Lieber auf die Bremse treten. Eine in Dresden entwickelte App macht all das möglich. Sie weiß, wo statistisch die meisten Unfälle passieren, wo Geschwindigkeitskontrollen lauern und auf welchen Straßen tiefe Schlaglöcher warten. Die Macher suchen nun nach Menschen, die die Anwendung in den nächsten Monaten testen wollen.

Als vor einigen Jahren die ersten smarten Armbanduhren, sogenannte Smartwatches, auf den Markt kommen, bringen sie Toralf Trautmann auf eine Idee. Die schlauen Uhren beherrschen nicht nur die Uhrzeit. Mit ihnen können Nutzer eingehende Nachrichten lesen, navigieren oder auch Gesundheitsdaten erheben. Wie viele Schritte gehen sie, wie gut schlafen sie oder wie ist die Herzfrequenz? Gerade letzterer Punkt ist für den Professor für Kraftfahrzeug-Mechatronik an der HTW Dresden interessant. „Die Idee war, dass wir mit solchen Daten auch sehen können, wie gestresst Autofahrer sind.“

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App ist mit statistischen Daten gefüttert

Gemeinsam mit der Dresdner Seniorenakademie testen die Wissenschaftler wenig später genau das. Ihr Ergebnis: Die Forscher erkennen klar die Situationen im Straßenverkehr, die gerade ältere Autofahrer beunruhigen: dichter Verkehr, große Kreuzungen, das Einparken oder auch Überholmanöver. Auf diesen Erfahrungen aufbauend wollen sie eine Handy-Anwendung programmieren, die Fahrern hilft, gelassen zu bleiben. „Wir schrieben Anträge, aber die Forschungsprojekte wurden leider nicht genehmigt.“

In anderen Projekten arbeitete sein Lehrstuhl bereits mit der Dresdner Firma Casonex zusammen, die sich auf das Programmieren von mobilen Anwendungen spezialisiert hat. „Irgendwann haben wir uns über die Idee der App unterhalten, die die Menschen beim Autofahren unterstützen soll“, erzählt Casonex-Geschäftsführer Christian Müller. Die App zieht ihr Wissen unter anderem aus den Daten des Statistischen Bundesamtes. „Punkte, an denen in den vergangenen Monaten mindestens vier Unfälle passiert sind, markiert sie als Gefahrenquelle“, erläutert Trautmann. Ein Punkt, der die Casonex-Verantwortlichen interessiert. Sie steigen ins Projekt ein.

Interessenten für Praxistest gesucht

Nun ist die App namens „Carefuldrive“ in einer Vorab-Version fertig – und soll jetzt ausgiebig getestet werden. Deshalb suchen die Entwickler Freiwillige, die sie beim Autofahren in den nächsten Monaten testen wollen. Einzige Voraussetzung: Die Probanden brauchen ein iPhone, mindestens Modell iPhone 8, denn vorerst ist die App nur fürs iOS-Betriebssystem zu haben.

Neben der Unfallstatistik nutzt die App aber auch individuelle Einstellungen seines Nutzers. Erkennt der einen neuen Blitzer, reicht ein kurzes Antippen des Bildschirms, und per Sprachaufnahme kann eine Warnung für den Ort hinzugefügt werden. „Vorsicht Blitzer“, hört sich der Fahrer dann beim nächsten Mal sagen, wenn er besagte Stelle wieder passiert. „Diese Lernfunktion ermöglicht aber auch noch andere Dinge“, sagt der Professor. Senioren könnten sich so ganz individuelle Warnungen setzen, um an schwierigen Stellen aufmerksam zu bleiben.

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Bis in den April hinein sollen die Tester rückkoppeln, was gut und was vielleicht noch nicht ideal ist. Dann soll die App für rund zwei Euro im App-Store zu haben sein. Die Ideen der Entwickler gehen weiter. „Wenn wir die App später mit einer Smartwatch kombinieren könnten, wäre das super“, erklärt Müller. Steigt der Puls zu hoch, könnte das System so frühzeitig warnen. Die Angst vor unerlaubtem Weitergeben der Daten entkräften die Macher. Alle Informationen werden nur lokal auf dem Handy gespeichert. Stück für Stück soll die App künftig erweitert werden, beispielsweise um ein Fahrtenbuch. Das große Ziel sei es aber, Unfälle zu vermeiden.

Interessierte Tester können sich ab sofort als Teilnehmer anmelden unter: [email protected]

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