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Stillstand bei Herrnhuter Bahnstrecke?

Eigentlich sollte bis Jahresende die Zukunft geklärt sein. Doch es gibt Verzögerungen. Dabei wartet auch der Straßenbau auf ein Ende der Bahnnutzung.

Wenn die Bahn diese Brücke nicht mehr nutzen würde, könnte man die Engstelle an der B96 in Oderwitz entschärfen. Noch ist nichts entschieden.
Wenn die Bahn diese Brücke nicht mehr nutzen würde, könnte man die Engstelle an der B96 in Oderwitz entschärfen. Noch ist nichts entschieden. © Matthias Weber

Die Zukunft der Herrnhuter Bahn ist zum Jahresende nach wie vor ungewiss. Das sogenannte Planfeststellungsverfahren, das die Deutsche Bahn angestrengt hat, um die Schienen auf der rund 16 Kilometer langen Strecke zwischen Niedercunnersdorf und Oberoderwitz zurückbauen zu können, ist entgegen ursprünglicher Planungen noch nicht beendet. Das bestätigte die Landesdirektion auf SZ-Nachfrage.

Eigentlich sollte am 25. und 26. November im Ruppersdorfer Dorfgemeinschaftshaus „Mohr“ ein Erörterungstermin in dem Verfahren stattfinden, bei dem man mit all jenen, die gegen die Pläne Einwendungen eingereicht haben, zu einem Konsens kommen will. Doch Anfang November teilte die Stadt Herrnhut der Landesdirektion mit, dass wegen Corona aktuell keine Versammlungen dieser Art stattfinden können, schildert Landesdirektions-Sprecher Ingolf Ulrich. Einen neuen Termin gibt es bislang nicht. Zu Jahresbeginn waren 26 Einwendungen von Privatpersonen, Verbänden und Vereinigungen bei der Landesdirektion Sachsen eingegangen. Sie richten sich gegen die Pläne zum Rückbau der stillgelegten Herrnhuter Bahnstrecke.

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Deutsche Bahn hält an Verkauf fest

Ebenfalls keinen neuen Stand zu Herrnhut gibt es bei dem Plan der Deutschen Bahn, stillgelegte Bahnstrecken zu überprüfen und gegebenenfalls zu reaktivieren. Ein solches Vorgehen hatte die DB zu Jahresbeginn angekündigt. Eine Bahnsprecherin teilte auf SZ-Nachfrage nun mit, dass die Arbeiten am "Portfolios mit Strecken noch nicht abgeschlossen" seien. Abgesehen davon gebe es aber "in Bezug auf die stillgelegte Strecke der Herrnhuter Bahn keinen neuen Sachstand". Der Kreistag habe am 9. Mai 2019 die Freistellung der Eisenbahntrasse "von bahnbetrieblichen Zwecken und zur Umnutzung dieser als Radweg" beschlossen und dies habe Bestand. "Die DB hält - wie mit den beteiligten Parteien abgestimmt - am geplanten Verkauf, einschließlich der Plangenehmigung fest", betont die Sprecherin.

Diese Haltung der Bahn vor Augen hatte im Sommer auch der bisherige grüne Bundestagsabgeordnete und jetzige Dresdener Baubürgermeister Stephan Kühn dafür geworben, dass sich die Gemeinden an der Strecke selbst für einen Erhalt der Gleise und eine Wiederbelebung der Strecke bei der Bahn stark machen sollten. Dazu wäre es nötig, ein neues Gutachten zu erstellen, denn das bisherige, noch vom Kreistag in Auftrag gegebene, gehe von ganz anderen politischen Rahmenbedingungen aus, die inzwischen überholt seien. Die Neigung der Bürgermeister aus Oderwitz, Kottmar und Herrnhut, eine solche neue Studie zu finanzieren war mit Blick auf die generelle Finanzsituation jedoch wenig ausgeprägt, zumal damit noch nicht geklärt wäre, ob, wie und vom wem die Strecke betrieben werden könnte.

Bisherige Bahnbrücke behindert B-Straße

Die Nutzung als Radweg käme aber auch dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) gelegen, denn dann könnte die Engstelle der Bundesstraße 96 in Oberoderwitz an der Bahnbrücke entspannt werden. Bereits zwischen 2015 und 2016 versuchte das Landesamt mit der Bahn eine Vereinbarung zu schließen, die einen Brückenabriss und eine Übertragung des Bahngrundstückes zum Inhalt hatte. Somit hätte man die Fahrbahn regelgerecht aus- und neue Gehwege anbauen können. Damals war das nicht möglich, betont Lasuv-Sprecher Franz Grossmann.

Seit 2019 gibt es da aber neue Hoffnung durch das Planfeststellungsverfahren, denn das "beinhaltete den Rückbau der Gleise und einen Ersatzneubau der Eisenbahnüberführung über die B96 in Oberoderwitz". Das Landesamt hat daher eine Stellungnahme abgegeben: Es fordert eine Vergrößerung der Höhe auf 4,70 Meter und der Weite auf 13,50 Meter, sodass Gehwege an der Engstelle möglich werden.

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