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Höhere Fahrradpreise und ein klarer Trend zum E

Der Weg zum Wunschrad ist 2021 holpriger, sagen Händler aus Sachsen – trotz vieler schöner Neuheiten.

Mountainbiken macht dank Elektroantrieb nicht mehr nur jungen Menschen Spaß, wie Entertainer Wigald Boning beweist. Sein Flyer Uproc 6 8.70 gehört zur Oberklasse. Kaufpreis: knapp 8.600 Euro.
Mountainbiken macht dank Elektroantrieb nicht mehr nur jungen Menschen Spaß, wie Entertainer Wigald Boning beweist. Sein Flyer Uproc 6 8.70 gehört zur Oberklasse. Kaufpreis: knapp 8.600 Euro. © Florian Schuh/pd-f.de

Der milde und sonnige Februar-Ausklang hat Sachsens Radfahrern einen verfrühten Saisonstart beschert. Doch die Läden sind nach wie vor geschlossen, nur die Werkstätten dürfen öffnen. Wer sich ein neues Rad kaufen und dabei im Geschäft beraten lassen will, muss auf den Start von „Click & Meet“ warten, womit Käufe nach Terminvergaben ermöglicht werden sollen. In Sachsen könnte dieses System am 8. März starten, hat Ministerpräsident Michael Kretschmer vor wenigen Tagen in Aussicht gestellt.

Wie groß der Bedarf ist, sehe man seit dem Wetterwechsel Mitte Februar, sagt Robert Peschke von Little John Bikes. „Unsere Werkstätten werden überrannt.“ Die sachsenweit mit zwölf Filialen vertretene Kette expandiert in mehreren Bundesländern, Ende März eröffnet ein neues Geschäft im Dresdner Stadtteil Johannstadt. Für den Fall einer positiven Allgemeinverfügung wappne man sich für einen Kundenansturm, sagt Peschke. „Notfalls helfen Mitarbeiter aus der Zentrale oder anderen Unternehmensteilen in den Läden aus.“

TOP Veranstaltungen
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Was ist los in Sachsen und Umland? Wo gibt es was zu erleben? Unsere Top-Veranstaltungen der Woche!

Neue Fahrradmodelle:

Dass Lastenräder wendig sein können, zeigt das Packster 70 von Riese & Müller (ab 5.700 Euro). Hilfreich fürs Handling sind der tief positionierte Motor und die in den Rahmen integrierten Akkus. Für die Transportbox gibt’s einen Wetterschutz.
Dass Lastenräder wendig sein können, zeigt das Packster 70 von Riese & Müller (ab 5.700 Euro). Hilfreich fürs Handling sind der tief positionierte Motor und die in den Rahmen integrierten Akkus. Für die Transportbox gibt’s einen Wetterschutz. © r-m.de/pd-f.de
Wer Strecken mag, die fürs Mountainbike langweilig und fürs Rennrad unfahrbar sind, steigt aufs Gravelbike. Das rund 1.800 Euro teure Steven Prestige bietet zudem diverse Befestigungspunkte für Gepäcktaschen und Flaschen.
Wer Strecken mag, die fürs Mountainbike langweilig und fürs Rennrad unfahrbar sind, steigt aufs Gravelbike. Das rund 1.800 Euro teure Steven Prestige bietet zudem diverse Befestigungspunkte für Gepäcktaschen und Flaschen. © Marc Autenrieth/Stevens/pd-f.de
Mit dem Free Radical Leap Kit des US-Herstellers Xtracycle verwandelt man seinen Drahtesel in ein Lastentier. Die Erweiterung wird in der Hinterachsaufnahme fixiert. Den Import des rund 750 teuren Teils übernimmt Voss Spezial-Rad.
Mit dem Free Radical Leap Kit des US-Herstellers Xtracycle verwandelt man seinen Drahtesel in ein Lastentier. Die Erweiterung wird in der Hinterachsaufnahme fixiert. Den Import des rund 750 teuren Teils übernimmt Voss Spezial-Rad. © Xtracycle/pd-f.de
Das Sinus R380 auto von Winora ist ein klassisches City-E-Bike mit tiefem Durchstieg, stufenloser Automatikschaltung und wartungsarmem Riemenantrieb. Ein zweiter Akku am Sattelrohr sorgt für mehr Reichweite. Preis: rund 4.600 Euro.
Das Sinus R380 auto von Winora ist ein klassisches City-E-Bike mit tiefem Durchstieg, stufenloser Automatikschaltung und wartungsarmem Riemenantrieb. Ein zweiter Akku am Sattelrohr sorgt für mehr Reichweite. Preis: rund 4.600 Euro. © winora.de/pd-f.de

Kaufinteressenten sollten in jedem Fall erst beim Händler ihres Vertrauens anrufen und nachfragen, ob das gesuchte Rad vorrätig sei oder wann es geliefert werde, sagt Thomas Geisler vom Pressedienst Fahrrad, einem Zusammenschluss aus 30 Vereinen, Institutionen, Firmen und Organisationen. „Sinnvoll ist auch, einen Helm für die Probefahrt mitzunehmen.“ Was jetzt schon klar ist: Der Weg zum Wunschfahrrad könnte 2021 für viele Kunden deutlich holpriger werden als in den Vorjahren.

Von Lieferschwierigkeiten werde kaum ein Hersteller verschont bleiben, prognostiziert Geisler. Dafür gebe es mehrere Gründe. Zum einen sind es fehlende Transportkapazitäten, um alle Räder und Teile rechtzeitig von Asien nach Europa bringen zu können. „Mir hat ein Hersteller davon berichtet, dass sich der Preis für einen Schiffscontainer binnen Monatsfrist um das Vierfache erhöht hat“, erzählt Geisler. Zum anderen könne es aber auch bei Herstellern mit einer Endmontage in Deutschland Probleme geben. „Beispielsweise, wenn deren Mitarbeiter aus dem Nachbarland aufgrund des Lockdowns nicht mehr über die Grenze kommen.“

Neues Fahrrad-Zubehör:

Der ab 35 Euro erhältliche Alu-Werkzeugsatz von Lezyne lässt sich im Lenkerrohr verstecken.
Der ab 35 Euro erhältliche Alu-Werkzeugsatz von Lezyne lässt sich im Lenkerrohr verstecken. © sportimport.de/pd-f.de
Der Pick-up (ca. 40 Euro) ist der erste Lastenradreifen von Schwalbe.
Der Pick-up (ca. 40 Euro) ist der erste Lastenradreifen von Schwalbe. © schwalbe.de/pd-f.de
Der E-Bike-Scheinwerfer IQ-XL leuchtet mit 250 Lux und hat integriertes Fernlicht. Preis: ca. 300 Euro.
Der E-Bike-Scheinwerfer IQ-XL leuchtet mit 250 Lux und hat integriertes Fernlicht. Preis: ca. 300 Euro. © bumm.de/pd-f.de
Dieses Abschleppseil (l., ca. 60 Euro) hilft bei Touren mit Kindern, denen bergauf die Puste ausgeht.
Dieses Abschleppseil (l., ca. 60 Euro) hilft bei Touren mit Kindern, denen bergauf die Puste ausgeht. © Shotgun
Auch clever: ein Schloss mit Symbolen statt Zahlen (50 Euro).
Auch clever: ein Schloss mit Symbolen statt Zahlen (50 Euro). © cosmicsports.de/abus.de/pd-f.de

Grundsätzlich variiert die Verfügbarkeit von Fahrrädern je nach Segment. Besonders gefragt seien momentan sämtliche Arten von Pedelecs, vor allem Mountainbikes mit Elektroantrieb, aber auch Gravelbikes, sagt André Hans von der in Dresden und Chemnitz vertretenen Handelskette Fahrrad XXL. Der Reiz der „Schotterräder“ besteht darin, dass sie die Vorzüge eines Rennrads mit einer gewissen Geländetauglichkeit verbinden. Geduld ist laut Pressedienst Fahrrad vor allem beim Kauf von Fahrrädern mit Elektroantrieb gefragt. „Wartezeiten von bis zu einem halben Jahr sind nichts Ungewöhnliches“, hat Thomas Geisler beobachtet.

Welche Summen die Deutschen 2020 in ihre neuen E-Bikes investiert haben, vermeldet der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) Mitte nächster Woche. An der Tendenz zu immer teureren Modellen wird sich aber nichts ändern. „Haben die Leute vor drei, vier Jahren noch zwischen 1.800 und 2.500 Euro ausgegeben, sind es jetzt eher 3.000 bis 4.000 Euro“, schätzt Robert Peschke. Nach oben sind wie immer kaum Grenzen gesetzt. Er verkaufe mittlerweile Pedelecs für um die 10.000 Euro, sagt Thilo Scheibe vom Bikehouse in Kamenz. Die aktuelle Saison werde deshalb herausfordernd, weil man nicht zeitnah nachbestellen könne. „Jeder Händler muss also weise vorausgeschaut haben, mehr Räder als in den Vorjahren geordert haben und nun ein gutes Verkaufstalent besitzen.“

Kauf zur Not auf 2022 verschieben

Für die Kunden heißt das im Umkehrschluss, dass sie sich beim Fahrradkauf flexibler verhalten, also zum Beispiel Kompromisse bei der Rahmenfarbe oder der Komponentenwahl eingehen sollten. „Man kann beispielsweise statt Shimano-Bremsen welche von Magura nehmen, weil die nicht in Asien, sondern in Deutschland hergestellt werden“, erklärt Thomas Geisler. Für manch einen mag es sich sogar lohnen, den Fahrradkauf auf 2022 zu verschieben. „Wer keinen Kompromiss eingehen möchte und keinen akuten Bedarf hat, für den kann das sinnvoll sein“, sagt Mareike Jokusch vom Bikepoint Wiesner in Bautzen. Allerdings rechnet Thilo Scheibe damit, dass wegen der verlängerten Lieferfristen viele 2021er-Modelle auch 2022 noch so aussehen werden.

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Ohne Vorwissen ein Rad im Internet zu kaufen, sei trotz aller Bequemlichkeit keine gute Idee, sagt Geisler. „Dafür braucht man viel mehr Messdaten als nur die eigene Schrittlänge.“ Zudem sei die Rücksendung eines unpassenden Rades per Spedition nicht ganz billig. „Bei Preisen von 40 bis 60 Euro sollte man sich genau überlegen, ob das sinnvoll ist.“ Sein Tipp für Schnäppchenjäger ist ein anderer: „Schauen Sie nach Pedelecs, die derzeit als Leasingrückläufer in den Handel zurückkommen. Viele sind gut gewartet und technisch auf hohem Niveau.“

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