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Kreuzfahrtschiffe im Umweltcheck

Die Anbieter suchen nach Wegen, ihr schlechtes Ökoimage abzustreifen. Doch gelingt das?

Aida betreibt mehrere Schiffe mit flüssigem Erdgas statt mit dreckigem Schweröl.
Aida betreibt mehrere Schiffe mit flüssigem Erdgas statt mit dreckigem Schweröl. © Sven Hoppe/dpa

Von Hanna Gersmann

Der Naturschutzbund NABU hat sich die 18 größten Redereien auf dem europäischen Markt angeschaut. Die Frage: Bauen sie ihre Flotte so um, dass die Schiffe künftig emissionsfrei unterwegs sind? Die Antwort: Das Gros ist noch zu tun. „Allenfalls einzelne Unternehmen setzen auf moderne Antriebe“, erklärte Daniel Rieger vom NABU am Donnerstag. 

So betreibt die Rostocker Firma Aida mehrere ihrer Schiffe mit flüssigem Erdgas statt mit dreckigem Schweröl – und landet in der Umweltrangliste auf Platz 2. Sieger ist die französische Reederei Ponant, die neben einem Segler auch Schiffe mit Elektro-Hybridantrieb oder Flüssiggas fährt und auf Schweröl ganz verzichtet. „Hapag-Lloyd Cruises und Tui Cruises packen den Klimaschutz noch nicht im nötigen Maße an“, so Rieger. Die beiden deutschen Anbieter schnitten aber zusammen mit MSC Cruises aus der Schweiz und den norwegischen Hurtigruten noch „deutlich besser ab als der Branchenschnitt“. Auf den letzten Plätzen: Die Reedereien Phönix-Reisen aus Bonn, zu der auch das ZDF-Traumschiff „Amadea“ gehört, Norwegian Cruise Lines mit Sitz in Miami und Viking Ocean Cruises aus Basel.

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Zurzeit fahren aber die meisten der weltweit 400 Kreuzfahrtschiffe gar nicht. 2019 checkten erstmals rund 2,5 Millionen deutsche Passagiere ein.

Ausgerechnet jetzt noch Klimaschutz?

Die Meyer-Werft im niedersächsischen Papenburg zählt zu den weltweit größten Herstellern von Kreuzfahrtschiffen. Dort läuft die Produktion zwar langsam wieder an. Und Ende August hat sie ein neues Schiff auf ihre erste Fahrt durch die Ems Richtung Nordsee geschickt – die „Spirit of Adventure“ für 999 Passagiere. Doch auch die Meyer-Werft kämpft mit den Folgen der Corona-Pandemie. Und ausgerechnet jetzt noch Klimaschutz?

Ja, meint der NABU. Nicht nur müssten Klimaschutzauflagen Voraussetzung für eventuelle staatliche Hilfen sein. Sondern auch die Branche selbst solle „die Zwangspause nutzen, um sich ernsthaft mit der Frage zu beschäftigen, unter welchen Vorzeichen die Kreuzfahrt eine Zukunft haben kann.“ Der Druck auf die Anbieter steige ohnehin. So verhandele die EU derzeit, die Steuerbefreiung mariner Kraftstoffe zu beenden und die Schifffahrt in den Emissionshandel mit einzubeziehen. Die Reedereien müssten dann ihren Treibhausgasausstoß melden und dafür zahlen. Obendrein gehe es darum, dass alle Schiffe ab 2030 während ihrer Liegezeit im Hafen entweder über Landstrom versorgt werden oder die benötigte Energie an Bord klimaneutral erzeugen müssen. Bis 2050 müssten dann alle Schiffe emissionsfrei werden, erklärt Rieger – vorausgesetzt die weltweiten Klimaziele werden ernst genommen.

Kreuzfahrtschiffe sollen 2070 emissionsfrei sein

Die maritime Organisation der Vereinten Nationen, die IMO, hat nur das Ziel gesetzt, den Klimagasausstoß der Schifffahrt bis 2050 im Vergleich zu 2008 zu halbieren und 2070 emissionsfrei zu sein. Das geht dem NABU zu langsam. Stattdessen hat er einen dreistufigen „Kreuzfahrt-Zeitplan“ aufgestellt. 

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Bis 2023 müsse auf Schweröl zugunsten des schwefelärmeren Marinediesels verzichtet, Stickoxidkatalysatoren, Rußpartikelfilter eingebaut und Landstrom in Häfen genutzt werden. 2030 sollten die „ersten emissionsfrei betriebenen Schiffe“ auf den Ozeanen schippern, von da an jedes neue Schiff den Null-Emissionsstandard einhalten. 2050 wären dann Schiffe unterwegs, die mit grünem Wasserstoff betrieben werden. Denkbar seien auch Ammoniak oder Methanol – oder Segeln.

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