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Neue Nachtzugverbindung für Sachsen

Eine Genossenschaft aus Amsterdam plant, ab 2022 Züge zwischen Prag und Brüssel fahren zu lassen – mit Zwischenhalt in Dresden und Bad Schandau.

Eine niederländisch-tschechische Kooperation sorgt dafür, dass Dresden ab 2022 eine neue Nachtzugverbindung bekommt.
Eine niederländisch-tschechische Kooperation sorgt dafür, dass Dresden ab 2022 eine neue Nachtzugverbindung bekommt. © Regiojet

In Zeiten von Flugscham und nachhaltigerem Reisen werden Nachtzüge wieder populär. Es sind jedoch nicht nur große nationale Bahngesellschaften, die in "Nightjet"-Linien investieren. Am gestrigen Dienstag gab das niederländische Start-up European Sleeper bekannt, ab 2022 eine eigene Nachtzuglinie in Betrieb zu nehmen. Gefahren werden soll zwischen Brüssel und Prag – mit Zwischenstopps in Amsterdam, Hannover und Berlin. Für Sachsen seien Zwischenstopps in Dresden und Bad Schandau eingeplant, sagt Elmer van Buuren, einer der beiden Geschäftsführer. Sachsens Landeshauptstadt, viele Jahre ein wichtiger Knotenpunkt im europäischen Nachtzugnetz, war Ende 2017 komplett abgehängt worden. Damals hatte Ungarns Staatsbahn die letzte derartige Verbindung, den Euronight „Metropol“, eingestellt.

Nun soll es wieder vorwärts gehen. Zu welchen Zeiten gefahren wird, steht allerdings noch nicht fest, da erst noch die Trassenkapazität bestätigt werden muss. Dies geschehe voraussichtlich im August, sagt van Buuren. Die Planung sieht vor, dass der Nachtzug 19.30 Uhr in Brüssel startet und etwa 22.30 Uhr in Amsterdam ist, bevor er am nächsten Morgen gegen 7.45 Uhr Dresden und 8.15 Uhr Bad Schandau erreicht. Als Ankunftszeit in Prag ist 10 Uhr anvisiert. Retour geht es 19 Uhr – mit den bekannten Stationen: ca. 20.45 Uhr Bad Schandau, 21.15 Uhr Dresden, 6.00 Uhr Amsterdam und 9.30 Uhr Brüssel. Wenn es nach den Wünschen von European Sleeper geht, hält der Zug sowohl in Dresden-Neustadt als auch am Hauptbahnhof.

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So sieht es in den Schlafabteilen der Regiojet-Waggons aus. Wahlweise können Fahrgäste aber auch im Sitzplatzabteil reisen. Preise nennen die beteiligten Unternehmen noch nicht.
So sieht es in den Schlafabteilen der Regiojet-Waggons aus. Wahlweise können Fahrgäste aber auch im Sitzplatzabteil reisen. Preise nennen die beteiligten Unternehmen noch nicht. © Regiojet

Zunächst werde man dreimal pro Woche fahren, sagt Elmer van Buuren. "Wir hoffen aber, das Angebot schnell auf eine tägliche Verbindung ausweiten zu können." Die Waggons stellt RegioJet, ein tschechischer Anbieter von Fernzuglinien. Die neue Verbindung ziele nicht nur auf Touristen, sondern auch auf Geschäftsreisende und Menschen, die in den EU-Institutionen tätig sind, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Fahrgäste können wählen, ob sie im Sitzplatz- oder Schlafabteil reisen möchten. Auch kostenloses Internet soll es geben. Was die Ticketpreise betrifft, halten sich die Verantwortlichen noch bedeckt. Man orientiere sich an dem Niveau, das für Tagesverbindungen auf derartigen Fernstrecke kalkuliert werde, so van Buuren. Tatsächlich dürfte der Markt von Anfang an umkämpft sein. Ein Zug namens "Moonlight Express" soll ab April 2022 die Route Brüssel-Berlin befahren. Laut Betreiber soll das Bett in einem Gemeinschaftsabteil knapp 50 Euro kosten. Kein Wunder also, dass European Sleeper verspricht, man werde "attraktive Preise" machen.

Die Firma mit Sitz in Amsterdam ist dennoch etwas Besonderes, weil man augenscheinlich mehr sein will als nur ein Transportunternehmen. Als Gesellschaftsform hätten er und sein Mitstreiter Chris Engelsmann bewusst die Genossenschaft gewählt, sagt der 38-jährige van Buuren. "Wir suchen nach Investoren, aber auch nach kleinen Anteilseignern, die sich an dem Projekt beteiligen wollen." Ab Mai können erste Anteile gezeichnet werden. Interessenten, die mehr wissen wollen, können sich bereits jetzt auf der Webseite von European Sleeper für einen Newsletter anmelden.

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Die gewählte Route ist in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung. So braucht es beispielsweise eine spezielle Mehrsystemlok, die mit dem Stromsystem in drei Ländern zurechtkommt. "In den Niederlanden wird mit 1,5 Kilovolt Gleichstrom gefahren, in Deutschland mit 15 Kilovolt Wechselstrom, von der deutsch-tschechischen Grenze bis Prag mit drei Kilovolt Gleichstrom", erklärt van Buuren. Doch damit nicht genug: Die Person auf dem Führerstand muss stets auch die Sprache des Landes beherrschen, durch die der Zug fährt.

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