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So fährt sich ein sportliches Reiserad

Randonneure taugen als Packesel und Kilometerfresser auf Asphalt. Im Test: ein deutsches Fabrikat.

Schneller reisen: Der deutsche Hersteller Tout Terrain nennt sein Modell Blueridge GT einen „Performance-Asphalt-Tourer“.
Schneller reisen: Der deutsche Hersteller Tout Terrain nennt sein Modell Blueridge GT einen „Performance-Asphalt-Tourer“. © dpa/Stefan Weißenborn

Grundsätzlich gibt es bei Reiserädern drei Varianten: vom Mountainbike abgeleitete Modelle, die dank breiter Profilreifen auch abseits asphaltierter Wege durchkommen, oder solche, die sich auf den ersten Blick kaum von einem Trekkingrad unterscheiden. Und es gibt die dem Rennrad ähnlichen Klassiker für möglichst glatten Untergrund. In der Tradition dieser „Randonneure“ steht auch das Modell Blueridge GT der deutschen Manufaktur Tout Terrain.

Einsatzzweck:

GT steht für Gran Turismo, also schnelles Reisen über lange Distanzen. Auf der eigenen Internetseite preist der Fahrradhersteller mit Sitz in Gundelfingen (bei Freiburg) das Blueridge GT als „Performance-Asphalt-Tourer“ an.

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Technik:

Schon der Rennlenker zeigt: Tempo ist Trumpf. Man kann in den Unterlenker greifen und die bessere Aerodynamik nutzen. Wichtiger dürften die verschiedenen Griffpositionen sein. „Sie können den Lenker mittig greifen, vorn und unten“, sagt Tout-Terrain-Chefin Stephanie Römer. Diese Abwechslung sei ergonomisch wichtig. Gleiches gilt für die leicht gebückte Sitzhaltung auf dem langen Rahmen. Diese ist nicht nur rückenschonend, sondern sorgt gegenüber einer aufrechten Position auch für bessere Kraftausbeute. Herzstück des Blueridge, benannt nach einer Panoramastraße in der USA, ist der Rahmen. Stahl sei nicht nur verwindungssteif, sondern auch komfortabel, so Römer. Das zahle sich auf langen Etappen aus. Hinzu komme, dass Stahl sich unkompliziert reparieren lasse: „In Ostasien oder Indien gibts in jeder Garage ein Schweißgerät.“

Fahreindruck:

Das Fahrrad ist die Ruhe selbst. Es rollt fast stoisch ab, beweist Spurtreue. Freihändig zu fahren, macht den Vorbau nicht nervös. Dabei fühlt es sich leichtfüßig, aufgrund der Länge aber auch etwas weniger wendig an. Schon ohne Gepäck liegt das Blueridge GT gut auf der Straße – obwohl es dank des leichten Rahmensets nur 15,5 Kilo wiegt. Das zulässige Gesamtgewicht, also Fahrer samt Zuladung, liegt übrigens bei 180 Kilo. Fahren lässt sich das edle Randonneur-Modell weicher, als man erwarten würde. Die glatten 37-Millimeter-Pneus rollen auf Asphalt widerstandsarm. Auf Schotter sorgen die seitlichen Stollen für Halt, vor allem in Kurven. Waldwege mit Wurzelwerk weisen es in seine Grenzen. Der Sattel ist hart und muss eingefahren werden.

Ausstattung, Zubehör, Peripherie:

Konzeptbedingt besitzt die Gabel keine Federung. Dass Packtaschen an der Vordergabel an sogenannten Lowridern fixiert werden können, zählt aber zu den Standards eines Reiserads. Immerhin müssen maximal 40 Kilo am Heck ausbalanciert werden. Damit dort die Taschen die Fahrstabilität nicht beeinträchtigen, ist der hintere Gepäckträger fest mit dem Rahmen verschweißt. Außerdem bietet der Rahmen Montagepunkte für vier Flaschenhalterungen und einen Anschraubpunkt fürs Rahmenschloss.

Für eine Getriebeschaltung ist der Rahmen zwar vorgerüstet, am Testrad jedoch hatte Tout Terrain Shimanos GRX-Schaltung montiert: Hier werden zwei Kettenblätter mit 46 und 30 Zähnen vorn mit einer Elfer-Kassette hinten (11er- bis 34er-Ritzel) kombiniert. Die Schaltung arbeitet sauber und fix, die Übersetzungsbandbreite ermöglicht leichte Berggänge sowie hoch übersetzte Stufen. Wartungsärmer wäre die Variante mit Zahnriemen und verkapselter Getriebeschaltung, die extra kostet.

Preis:

Das handgefertigte Testrad kostet 4.653 Euro. Es ist mit Extras wie einer High-end-Beleuchtung inklusive Nabendynamo (559 Euro) oder dem Allwettersattel von Brooks (99 Euro) bestückt. Der Basispreis des Blueridge GT liegt bei 3.090 Euro.

Fazit:

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Wer seine Radreisen entlang von gut ausgebauten Wegen plant und dabei Tempo und solides Dahingleiten liebt, ist mit dem Blueridge GT gut beraten. Die hohe Fertigungsqualität, die hochwertigen Komponenten und das durchdachte Gesamtkonzept versprechen Langlebigkeit. Doch das hat seinen Preis. (dpa)

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