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A 4: Problemfall Burkauer Berg

Lkw stehen quer, der Winterdienst kommt nicht durch. Jeden Winter sorgt der Anstieg auf der Autobahn für Probleme. Immerhin: Eine Lösung ist in Sicht.

Wenn - wie am Dienstagmorgen - mehrere Brummis auf der A 4 am Burkauer Berg nebeneinander stehen, kommt kein Winterdienst mehr durch.
Wenn - wie am Dienstagmorgen - mehrere Brummis auf der A 4 am Burkauer Berg nebeneinander stehen, kommt kein Winterdienst mehr durch. © Rocci Klein

Bautzen. Am späten Mittwochabend war es wieder soweit: Ein heftiger Schneesturm brachte den Verkehr auf der Autobahn am Burkauer Berg zum Erliegen. Auf allen Fahrspuren standen Lkws, die Räder drehten durch. Und wieder einmal musste sich der Winterdienst erst einen Weg durch den Stau bahnen, denn eine Rettungsgasse gab es wie so oft nicht. Viele Liegengebliebene zogen Schneeketten auf und streuten selbst Salz. Als dann auch die Räum- und Streufahrzeuge ihren Dienst getan hatten, löste sich der Stau langsam auf. Den Letzten davor hatte es erst am Dienstagvormittag gegeben.

Immer wieder der Burkauer Berg. Wobei der Name eigentlich gar nicht stimmt, wie der Burkauer Heimatkundler und Lehrer Matthias Hüsni zu bedenken gibt. Der wahre Burkauer Berg liegt etwas südlich der Gemeinde. Die Erhebung auf der Autobahn heißt richtigerweise Rammenauer Steinberg. Aber weil diese Erhebung nahe der Autobahn-Auffahrt Burkau liegt, sagt alle Welt dazu eben Burkauer Berg.

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Der Berg ist schon ein Stück Gebirge

Der höchste Hügel auf der Autobahn zwischen Dresden und der Neißegrenze gehört jedes Jahr zu den problematischsten Stellen im Bereich der Polizeidirektion Görlitz, besonders im Winter. Aber warum?

Liegt hier eine Wetterscheide? Nein, sagt ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes in Leipzig. "Der Burkauer Berg ist einfach schon Gebirge, die höchste Erhebung zwischen der Ostsee und den Tafelbergen in der Sächsischen Schweiz."

Bautzen, zum Beispiel, liegt rund 200 Meter über dem Meeresspiegel. Die Bergkuppe an der Autobahn-Auffahrt Burkau aber fast doppelt so hoch, fast 400 Meter über Normalnull. "Ein halbes Grad Celsius mehr oder weniger entscheidet hier schon über Schnee oder Regen", sagt der Sprecher des Deutschen Wetterdienstes. "Das sollten Autofahrer wissen, wenn sie bei niedrigen Temperaturen da entlang wollen."

Geplanter Autobahn-Ausbau macht Hoffnung

Aber Hügel auf der Autobahn gibt es auch anderswo, ohne dass dort nach ein paar Schneeflocken immer gleich der Verkehr zusammenbricht. Ist vielleicht die Anfahrt zum Burkauer Berg zu steil? Indirekt bestätigt das Lutz Günther, Sprecher der bundes- und ländereigenen Planungsgesellschaft Deges.

Die Deges bereitet derzeit den sechsspurigen Ausbau der Autobahn zwischen Dresden und Bautzen vor - und damit auch die künftige Trassierung über den Burkauer Berg. "Die besondere Problematik am Burkauer Berg hinsichtlich der Verkehrssicherheit und der Anfälligkeit bei winterlicher Witterung ist uns bekannt. Dies wird bei der Planung des sechsstreifigen Ausbaus der A 4 berücksichtigt", sagt Günther. "Noch läuft allerdings die Grundlagenermittlung für den Ausbau; die konkreten planerischen Ansätze für den Burkauer Berg stehen also noch nicht fest."

Polizei-Appell: Rettungsgasse freilassen

Wenn sich hier im Winter oft nichts mehr dreht, liegt das nach Einschätzung der Polizei auch oft an den Autofahrern selbst. Als Beispiel nennt die Görlitzer Direktion den Dienstagmorgen, als es rund um den Burkauer Berg zu stundenlangen Staus kam: "Sehr viele Fahrzeugführer waren vom Winter überrascht und überhaupt nicht vorbereitet. Um sich für das Wetter zu rüsten, sollte das Auto vollgetankt, von Eis und Schnee befreit und die Winterreifen aufgezogen sein. Schneeketten, warme Getränke, Decken und ein Klappspaten dabei zu haben, kann ebenfalls nicht schaden. Im Falle eines Staus ist eine Rettungsgasse zu bilden."

Gibt es diese Rettungsgasse nicht, "beißt sich die Katze in den Schwanz", so ein Polizeisprecher. Der Winterdienst würde gern schneller räumen und streuen, aber: "Die Lkw-Fahrer kommen nicht vom Fleck, weil nicht geschoben und gestreut ist. Und die Winterdienstfahrzeuge können nicht schieben und salzen, weil die Verkehrsteilnehmer alles zustellen."

Gleich zwei Autobahnmeistereien rücken aus

Auch die neue Autobahn Gesellschaft des Bundes betrachtet den Burkauer Berg als "sensiblen Bereich", sagt Pressesprecher Tino Möhring. Eigentlich ist für diese Passage die Autobahnmeisterei Weißenberg zuständig, die mit 40 Beschäftigten und 15 Fahrzeugen ausgestattet ist. Bei Bedarf rückt aber zusätzlich auch die Autobahnmeisterei Dresden-Hellerau bis zum Burkauer Berg aus. Dieser werde dann "doppelt präpariert".

"Erfahrungsgemäß sind vor allem schlechte Bereifung und eine nicht angepasste Geschwindigkeit oft Auslöser für Verkehrsbehinderungen im Winter", sagt der Sprecher der Autobahn Gesellschaft. "Der Betriebsdienst präpariert die Autobahnen bestmöglich und im Dauereinsatz, was die Autofahrer jedoch nicht von der allgemeinen Vorsicht entbindet." Dazu gehöre auch, für die Einsatzfahrzeuge eine Rettungsgasse zu bilden.

Auch in den Einsatzbüchern des Technischen Hilfswerks (THW) hat der Burkauer Berg einen Stammplatz. Ihren Einsatz am Dienstagvormittag ab 7 Uhr fasst der THW-Ortsverband Bautzen so zusammen: 15 ehrenamtliche Einsatzkräfte konnten mobilisiert werden, um dafür zu sorgen, dass während des Schneechaos auf der Autobahn der Verkehr bis zum Mittag wieder flüssig rollen konnte.

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