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Die neuen Regeln fürs Kinderkrankengeld

Seit Corona müssen Kinder mit Erkältungssymptomen daheim bleiben. Der Staat hilft Eltern – aber nur begrenzt.

Hoffentlich ist das nur ein Schnupfen! Denn dann darf das Mädchen in die Kita. Kommt Husten oder leichtes Fieber dazu, muss es mit Mama daheimbleiben.
Hoffentlich ist das nur ein Schnupfen! Denn dann darf das Mädchen in die Kita. Kommt Husten oder leichtes Fieber dazu, muss es mit Mama daheimbleiben. © Christin Klose/dpa

Eine Schnupfennase war für die meisten Eltern bis zum März 2020 kein Grund, ihr Kind nicht in Kita oder Schule gehen zu lassen. Das hat sich durch die Coronapandemie grundlegend verändert. Dazu kommt, dass schon jetzt viele Kinder in Quarantäne geschickt werden, weil es in ihrer Einrichtung einen Coronafall gegeben hat. Die Eltern müssen dann wieder für die Betreuung einspringen.

Welchen Anspruch haben Eltern?

Die Politik hat reagiert und 2021 die Anzahl der Kinderkrankentage von bisher 20 auf 30 Arbeitstage erhöht. Damit Eltern Kinderkrankengeld bei ihrer Krankenkasse beantragen können, müssen laut Bundesfamilienministerium ein Elternteil und das Kind gesetzlich versichert sein. Das Kind muss außerdem jünger als zwölf Jahre sein. Die Altersgrenze entfällt für Kinder mit Behinderung. Auch freiwillig gesetzlich Versicherte können das Geld bekommen, wenn sie mit Anspruch auf Krankengeld versichert sind. Wer mehrere Kinder hat, kann zusätzlich Kinderkrankengeld erhalten. Jeder Elternteil kann aber nicht mehr als 65 Arbeitstage in Anspruch nehmen. Das gilt rückwirkend zum 5. Januar 2021.

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Was gilt für Alleinerziehende?

Sind sie gesetzlich krankenversichert, können sie 60 statt bisher 40 Arbeitstage Krankengeld beantragen. Wer mehrere Kinder erzieht, erhält Krankengeld für insgesamt maximal 130 Arbeitstage im Jahr. Dieser Anspruch besteht nur, wenn man das alleinige Sorgerecht hat und mit dem Kind gemeinsam in einem Haushalt lebt.

Was gilt für Privatversicherte?

Sie haben keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld. Allerdings können sie Anspruch auf Entschädigung beantragen, also für den Ersatz des Verdienstausfalls, wenn Corona die Betreuung notwendig macht. Genaues regelt das Infektionsschutzgesetz. Privatversicherte erhalten als Entschädigung 67 Prozent ihres Nettoeinkommens, maximal 2.016 Euro pro Monat, zehn Wochen je Elternteil. Sie können die Zeit tageweise aufteilen. Für privat versicherte Alleinerziehende sind es 20 Wochen.

Wie hoch ist das Kinderkrankengeld, und wer zahlt es?

„Das hängt davon ab, ob es besondere tarifliche Regelungen gibt“, sagt Nathalie Oberthür, Vorsitzende des Ausschusses Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein. „Gesetzlich muss der Arbeitgeber Gehalt nur zahlen, wenn das Kind nur für einen kurzen Zeitraum erkrankt, also nicht länger als fünf Tage“, so die Fachanwältin für Sozialrecht. Dieser Anspruch könne vertraglich ausgeschlossen werden. Stellt der Arbeitgeber Angestellte aber frei, weil das Kind krank ist, muss er weiter das volle Gehalt zahlen. Falls er dies vertraglich ausschließt, springt die gesetzliche Krankenversicherung unter bestimmten Voraussetzungen ein. Das regelt das Sozialgesetzbuch. Eltern erhalten als Kinderkrankengeld 90 Prozent des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts.

Müssen Eltern ein Attest vorlegen, wenn ihr Kind krank ist?

Ja, dafür gibt es einen Vordruck, der vom Arzt auszufüllen ist und bei der Krankenkasse eingereicht wird. Eltern sollten sich auch beim Arbeitgeber melden, um das Fernbleiben zu entschuldigen. Dann kann die ärztliche Bescheinigung, aber auch die von der Krankenkasse ausgestellte Bescheinigung über die Dauer der Kinderkrankengeld-Gewährung, ausreichend sein.

Was, wenn das Kind nicht krank ist, aber elterliche Betreuung braucht?

Neu seit diesem Jahr ist, dass gesetzlich versicherte Eltern auch Kinderkrankentage nehmen können, wenn die Betreuung ausfällt – etwa, weil die Kita pandemiebedingt geschlossen ist, in der Schule Präsenzunterricht ausfällt, oder wenn Kindern der Besuch der Schule, des Horts oder der Kita wegen eines Schnelltest-Ergebnisses untersagt ist. Oder wenn eine Einrichtung aufgrund einer behördlichen Empfehlung geschlossen wird. Auch Eltern, die Zuhause arbeiten, können Kinderkrankengeld beantragen, wenn sie durch das Homeoffice einen Bedarf an Kinderbetreuung haben.

Was gilt, wenn beide Elternteile ihren Anspruch aufgebraucht haben?

Kann die Kinderbetreuung anders nicht gewährleistet werden, ist die Arbeitsleistung für Eltern unzumutbar – wegen ihrer Pflicht, für das Kind zu sorgen. In dieser Zeit seien Eltern unbezahlt freigestellt. Neben dem Anspruch auf Kinderkrankengeld besteht in bestimmten Fällen Anspruch auf Ersatz des Verdienstausfalls. Auch das regelt das Infektionsschutzgesetz. Die Entschädigung vom Staat erhalten Eltern, wenn sie wegen pandemiebedingten Schließungen auf Anordnung einer Behörde ihre Kinder selbst betreuen müssen oder ein Kind in Quarantäne geschickt wird. Auch diese Regelung gilt für Kinder bis zwölf Jahre oder Kinder mit Behinderung. Wie gehen Eltern bei der Antragstellung am besten vor?

Die Krankenkasse kann eine Bescheinigung der Einrichtung verlangen. Das Bundesfamilienministerium bietet dafür eine Musterbescheinigung, die von Schule oder Kita ausgefüllt und der Krankenversicherung geschickt werden muss.

Wie können Eltern die Kinderkrankentage nutzen?

Flexibel an einzelnen Tagen oder nur an zwei von fünf Arbeitstagen. Allerdings haben Eltern keinen Anspruch darauf, halbe Tage einzureichen. Übrigens darf der Chef nicht verlangen, dass Überstunden abgebaut oder Zeitguthaben aufgebraucht werden müssen, bevor Eltern die Kinderkrankentage beantragen. Eltern haben einen Anspruch auf Freistellung.

Was gilt für Eltern in Teilzeit?

„Dasselbe. Kinderkrankengeld wird für Arbeitstage gewährt, unabhängig von der täglichen Arbeitszeit“, sagt Nathalie Oberthür. Ob die Tage gekürzt werden, wenn jemand weniger als fünf Tage wöchentlich arbeitet, sei umstritten. „Aus dem Gesetzeswortlaut ergibt sich jedoch keine Einschränkung, sodass man von dem vollen Anspruch wird ausgehen können“, sagt sie. „Auch Personen, die in Teilzeit arbeiten und gesetzlich krankenversichert sind, können bei Erfüllung der übrigen Voraussetzungen einen Anspruch auf Kinderkrankengeld geltend machen“, heißt es auch beim Gesundheitsministerium.

Was gilt für die Elternzeit?

Seit 1. September 2021 gilt hier dauerhaft eine Corona-Sonderregelung: Wer Elterngeld bezieht und in Teilzeit arbeitet, kann Kinderkrankentage nehmen. Das Elterngeld reduziert sich dadurch nicht.

Was gilt für Eltern in Kurzarbeit, für Selbstständige oder Minijobber?

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Gesetzlich versicherte Eltern in Kurzarbeit können Kinderkrankengeld beantragen, aber nicht beide Leistungen gleichzeitig beziehen. Sind Selbstständige privat krankenversichert, gelten für sie dieselben Regeln, wie für alle privat Krankenversicherten. Wer hauptberuflich selbstständig ist und gegenüber der gesetzlichen Krankenkasse eine Wahlerklärung abgegeben hat, also erklärt hat, dass die Mitgliedschaft den Anspruch auf Krankengeld umfassen soll, hat Anspruch auf Krankengeld und kann das erweiterte Krankengeld beantragen. Das regelt das Sozialgesetzbuch. Minijobber haben meist keinen Anspruch auf Krankengeld. Sie erhalten auch kein Kinderkrankengeld, selbst wenn sie in der gesetzlichen Krankenversicherung sind. Aber sie haben Anspruch auf eine unbezahlte Freistellung von der Arbeit. (dpa)

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