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Fairer Chef, weniger Fehlzeiten

Eine neue Studie belegt: Wenn sich Mitarbeiter gerecht behandelt fühlen, profitiert auch das Unternehmen.

© Symbolfoto: dpa

Berlin. Beschäftigte, die sich von ihrer Führungskraft gerecht behandelt fühlen, weisen weniger krankheitsbedingte Fehlzeiten auf. Das bestätigt eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), die jetzt in Berlin vorgestellt wurde. 

Diejenigen Arbeitnehmer, die ihren Vorgesetzten die besten Noten für Fairness geben, kommen durchschnittlich auf nur 12,7 Arbeitsunfähigkeitstage pro Jahr. Dagegen weist die Gruppe der Berufstätigen, die ihren Chef als eher ungerecht wahrnehmen, im Durchschnitt 15,0 Fehltage auf.

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„Die Mitarbeiter erwarten im Tausch für ihre Anstrengung einen angemessenen Gegenwert“, sagte Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO und Mitherausgeber des Reports. „Gefühlte Ungerechtigkeit bringt insbesondere emotionale Irritationen und psychosomatische Beschwerden mit sich.“ 

Nahezu ein Viertel der Beschäftigten, die sich von ihrem Vorgesetzten ungerecht behandelt fühlen, berichtete über Gefühle der Gereiztheit wie Wut und Ärger, rund jeder Fünfte über Lustlosigkeit, Erschöpfung oder Schlafstörungen, unter denen sie in den letzten vier Wochen (nahezu) ständig gelitten haben.

Wertschätzung im Job vermisst

Sogar körperliche Beschwerden wie Rücken- und Gelenkschmerzen (25,8 Prozent) oder Kopfschmerzen (10,2 Prozent) kommen häufiger vor. Demgegenüber treten diese Beschwerden in der Gruppe, die ihre Führungskraft als fair bewerten, deutlich seltener auf (3,4 Prozent). Schröder: „Die gesundheitlichen Belastungen bei Beschäftigten mit einer als fair empfundenen Führungskraft sind damit nur ein Viertel so hoch wie bei den Beschäftigten mit einer als unfair empfundenen Führungskraft.“

Für die Studie wurden 2.500 Arbeitnehmer im Alter von 18 bis 65 Jahren befragt. Die Antworten zeigten auch, dass empfundene Fairness des Unternehmens und der Führungskraft mit einer hohen Bindung des Beschäftigten an das Unternehmen einhergeht. Sie fühlen sich im Unternehmen gut aufgehoben, stark verbunden und würden ihr Unternehmen als Arbeitgeber auch weiterempfehlen – „in Zeiten des Fachkräftemangels ein wichtiges Ergebnis“, sagte Schröder.

In der Praxis hätten viele Unternehmen noch Nachholbedarf. Jedem zweiten Beschäftigten (46,4 Prozent) fehle es derzeit an gerechten Konfliktlösungen, heißt es in der Studie. Wertschätzung im Job vermissen 40,8 Prozent. Und auch die Rückendeckung kommt zu kurz: Rund ein Drittel (32,9 Prozent) der Befragten bemängelt, dass das Unternehmen nicht hinter dem Personal steht.

Krankenkassen unterstützen Firmen im Rahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung. Die AOK gab dafür im Jahr 2018 rund 62,5 Millionen Euro aus, sagte Bundeschef Martin Litsch. Das entspreche 2,36 Euro pro Versichertem. Das Gesetz fordert zwei Euro pro Versichertem. (rnw/sk)

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