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Arbeit und Bildung

Von Silicon Saxony in die Welt

Der Mikroelektronik-Standort Sachsen ist auch international in den Fokus gerückt. Welche Chancen der Boom bietet - und wo die Herausforderungen liegen.

Von Annett Kschieschan
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Begehrte Chips – wie wichtig die kleinen Bauteile sind, ist nicht erst seit der Knappheit der letzten Monate bekannt. In Sachsen will man die Expertise in Sachen Mikroelektronik weiter ausbauen
Begehrte Chips – wie wichtig die kleinen Bauteile sind, ist nicht erst seit der Knappheit der letzten Monate bekannt. In Sachsen will man die Expertise in Sachen Mikroelektronik weiter ausbauen © AdobeStock

Sachsen und Hightech – das gehört zusammen. Unternehmen und Initiativen aus dem Freistaat setzen sowohl deutschlandweit als auch international mit innovativen Ideen, neuen Produkten und kreativen Lösungsansätzen Akzente in einer rasant wachsenden Branche. Bestes Beispiel: das neue Bosch-Werk, das im Sommer im Dresdner Norden in Betrieb gegangen ist. Eine Milliarde Euro floss in die neue Chipfabrik. Es war die nach eigenen Angaben teuerste Investition in der Firmengeschichte des Technologiekonzerns. Sie soll mittelfristig 700 Menschen Arbeit geben. Das 100.000-Quadratmeter-Grundstück würde etwa 14 Fußballfeldern Platz bieten.

An Superlativen mangelt es also nicht. Vor allem aber zeigt die Großinvestition, dass man mit Sachsen rechnen kann, wenn es um Mikroelektronik – einen der unbestrittenen Zukunftsmärkte schlechthin – geht. Damit gibt sie auch der Marke Silicon Saxony noch mal gehörigen Schub. Die Halbleiterfabrik ist laut Bosch die erste vollständig digitalisierte Fabrik Europas und soll auf 300-Millimeter-Wafern Chips unter anderem für das sogenannte Internet der Dinge und die Automobilindustrie fertigen. Dabei hat die Fabrik einen digitalen Zwilling, also ein virtuelles Abbild, in dem rund eine halbe Million 3-D-Objekte erfasst sind.Klingt nach Science Fiction? Ist aber längst Realität und könnte den Standort Sachsen für weitere Großinvestitionen im Bereich Mikroelektronik attraktiv machen. Die Konzerne TSMC und Intel wollen Milliarden in Europa investieren und haben die Vorteile der Ballungsregionen im Südosten Deutschlands längst erkannt.

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Expertise bekannter machen

Zu verdanken ist der wachsende Bekanntheitsgrad Sachsens auch einer Initiative, die seit 20 Jahren für Silicon Saxony trommelt. Mit rund 350 Mitgliedern ist der gleichnamige Verein das größte Hightech-Netzwerk Sachsens und einer der größten Mikroelektronik- und IT-Cluster in Europa.Er vereint Hersteller, Zulieferer, Dienstleister, Hochschulen, öffentliche Einrichtungen und Start-ups. Ob Mikro- und Nanoelektronik, Organische Elektronik, Taktiles Internet, 5G oder Automatisierungstechnologie – nirgendwo sonst in Europa treffen so viele hochspezialisierte Akteure in einem Ballungsgebiet aufeinander wie in Sachsen. Ein Pfund, mit dem man auch mit Blick auf die Probleme des Freistaates in den Strukturwandel-Regionen nicht genug wuchern kann. Und will. Denn auch die Landesregierung möchte die heimische Expertise bekannter machen. Bis 2025 soll der Freistaat zu einem der führenden deutschen Forschungs- und Innovationsstandorte für Künstliche Intelligenz (KI) werden.

Einen Plan dafür gibt es. Er wurde mit Hilfe von Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft entwickelt. Die Strategie wurde im September vom Kabinett beschlossen und bei dem Kongress „KI in Sachsen 2021“ in Leipzig vorgestellt. Ministerpräsident Michael Kretschmer betonte dabei unter anderem, wie wichtig es für den Hochtechnologie-Standort Sachsen ist, die vorhandenen Stärken in Forschung und Wissenschaft in diesem Bereich zu bündeln und noch bekannter zu machen. Dabei soll der Fokus bei aller Freude über Global Player wie Bosch ausdrücklich nicht nur auf den Großkonzernen, sondern auch auf kleinen und mittelständischen Betrieben liegen. Von denen gibt es in Sachsen besonders viele und nicht wenige von ihnen wagen längst eigene, zaghafte Schritte auf dem Mikroelektronik- und IT-Parkett.Das erfordert aber auch Angebote, die allen potenziell Beteiligten helfen, die aktuellen Prozesse zu verstehen und im Idealfall mitzugestalten. Das ist auch deshalb wichtig, weil selbst die Boom-Branche Mikroelektronik trotz guter Jobs bei guter Bezahlung unter dem allgegenwärtigen Fachkräftemangel leidet.

Werbung um Studierende aus dem Ausland

Um Nachwuchs vor allem auch in diesem Bereich zu finden, hat das internationale Talenteprojekt Intap eine neue Videokampagne gestartet. Sie soll innovativen Arbeitgebern im Mittelstand eine Plattform bieten. Unter dem Motto „Innovation made in Dresden“ wird auf Social-Media-Kanälen, aber zum Beispiel auch im Fahrgastfernsehen der Dresdner Verkehrsbetriebe für Jobs in Sachsen geworben. Zielgruppe sind vor allem Studierende aus dem Ausland. Deswegen läuft die Werbung auch auf Englisch. Der Bedarf ist hoch. Der Verein Silicon Saxony geht davon aus, dass in den nächsten zehn Jahren in der Region Dresden bis zu 20.000 neue Arbeitsplätze in der Softwareindustrie entstehen könnten, dazu noch einmal 10.000 in der Mikroelektronik. Europas Anteil an der Welt-Chipproduktion soll von jetzt neun Prozent auf 20 Prozent im Jahr 2030 steigen. Und Sachsen will seinen Anteil an der Zukunftsbranche sichern. Die Chancen, so scheint es, stehen gut.

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