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Was Sachsens Wirtschaft nun braucht

Was muss die neue Bundesregierung tun, damit Sachsen wettbewerbsfähig bleibt? Für das Magazin "Wirtschaft in Sachsen" haben wir Experten befragt.

Sachsen hat gewählt - aber was braucht der Freistaat, um auch international konkurrenzfähig zu bleiben? Wir haben Wirtschafts-Profis befragt.
Sachsen hat gewählt - aber was braucht der Freistaat, um auch international konkurrenzfähig zu bleiben? Wir haben Wirtschafts-Profis befragt. © AdobeStock

Dresden. Energiewende, Klimaneutralität, Mobilität - drei Schlagworte, die den Bundestagswahlkampf geprägt haben. Wie sind Sachsens Unternehmen auf die Herausforderungen, die beim Verwirklichen politischer Konzepte für diese Themen lauern, vorbereitet? Und welche Signale erhoffen sie sich von einer neuen Bundesregierung?

Sächsische.de hat für das Magazin "Wirtschaft in Sachsen" mit sechs Experten aus Wirtschaft, Gewerkschaften und der Finanzwelt gesprochen.

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Volkswagen in Sachsen: "Wir brauchen lückenloses 5G"

Stephan Loth, Vorsitzender in der Geschäftsführung der Volkswagen Sachsen GmbH:

"Wir brauchen für den Bau von Batteriezellen oder den Betrieb von Elektrofahrzeugen, wie unsere Elektroautos aus Zwickau und Dresden, künftig mehr günstigen grünen Strom. Das hält uns wettbewerbsfähig. Wir benötigen daher mehr Zubau von Erneuerbaren Energien bei Wind On-shore, Off-shore sowie Photovoltaik. Hier brauchen wir auf jeden Fall eine deutlich höhere Geschwindigkeit. Gleichzeitig müssen die Stromnetze in Deutschland ausgebaut und die Abstandsgebote für Windkraft bundeseinheitlich geregelt werden.

Mit Blick auf das Wachstumsfeld automatisiertes und autonomes Fahren bedarf es neben der Weiterentwicklung des Rechtsrahmens aber natürlich auch der passenden Infrastruktur.

Die flächendeckende Mobilfunkanbindung mit 5G muss lückenlos gewährleistet werden. Verkehrsinformationen beispielsweise zu Baustellen, Staus oder Wechselbeschilderungen müssen in Echtzeit über entsprechende standardisierte Schnittstellen und Formate für alle Verkehrsteilnehmer verfügbar werden."

Stephan Loth, Vorsitzender in der Geschäftsführung der Volkswagen Sachsen GmbH.
Stephan Loth, Vorsitzender in der Geschäftsführung der Volkswagen Sachsen GmbH. © PR

Förderbank des Freistaates sieht Energiewende im Fokus

Katrin Leonhardt, Vorstandvorsitzende Sächsische Aufbaubank:

"Kein Tag vergeht, ohne dass uns die radikalen technologischen und wirtschaftlichen Umbrüche unserer Zeit vor Augen geführt werden. Der Klimawandel und globale Megatrends fordern uns heraus. Die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft ist eine der Voraussetzungen für die Sicherung des Wohlstandes.

Im Fokus für die Zukunft steht eine nachhaltige Entwicklung unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels haben die Schaffung verlässlicher Rahmenbedingungen und Bildung für die künftige Generation eine hohe Priorität. Deutschland muss seine Position als Technologiestandort sichern und ausbauen.

Dabei spielt Sachsen eine wichtige Rolle. Bereits jetzt sind Schwerpunkte der Förderpolitik der Landesregierung auf die großen Themen wie Energiewende, Strukturwandel, Forschung und Innovation sowie Digitalisierung gerichtet. Diese Ziele müssen mit Nachdruck verfolgt werden.

Als Förderbank des Freistaates verstehen wir uns als Ermöglicher und Umsetzer politischer Ziele für ein lebenswertes und zukunftsfähiges Land."

Katrin Leonhardt, Vorstandvorsitzende Sächsische Aufbaubank
Katrin Leonhardt, Vorstandvorsitzende Sächsische Aufbaubank © SAB

Familienunternehmer fordern: "Mittelstand stärken"

Christian Haase, Landesvorsitzender im Verband "Die Familienunternehmer":

"Die nächste Bundesregierung muss den Mittelstand wieder verstärkt im Blick haben. Das bedeutet auch, wirtschaftsfeindlichen Ideen wie der Besteuerung von Vermögen eine Absage zu erteilen.

Eine Vermögensteuer, wie sie Linke, Grüne und SPD fordern, würde die Betriebe in ihrem Kern treffen. Das Vermögen der Unternehmen liegt in ihren Maschinen, Liegenschaften oder bewirtschafteten Ländereien, also genau in der Substanz, die sie benötigen, um nachhaltig wirtschaften zu können. Deutschland ist ohnehin Hochsteuerland. Familienbetriebe sind bereits stark belastet durch Einkommensteuer bzw. Körperschaftsteuer, Gewerbe- und Umsatzsteuer.

Ein Prozent Vermögensteuer bedeutet bis zu 35 Prozentpunkte mehr Ertragssteuer. Das für die Vermögensteuer benötigte Geld müsste den laufenden Erträgen entnommen werden – und fehlt für Investitionen in Klimaschutz, Digitalisierung und innovative Produkte, die uns international wettbewerbsfähig machen, oder für den Erhalt von Arbeitsplätzen. Kurzum: Eine Vermögensteuer trifft uns alle."

Christian Haase, Landesvorsitzender im Verband "Die Familienunternehmer"
Christian Haase, Landesvorsitzender im Verband "Die Familienunternehmer" © PR

Start-up Novum: Praxis im Blick haben, Konzepte erproben

Mandy Schipke, Geschäftsführerin des Dresdner Start-ups Novum:

"Ich bin mir sicher, dass das Erreichen der Klimaziele weit oben auf der Prioritätenliste der neuen Regierung stehen wird. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass wir gerade in Sachsen inzwischen viele hervorragende Technologien für ein zukunftsträchtiges umweltfreundliches Energiesystem haben.

Es ist jetzt an der Zeit, diese aus den Laboren hinaus in die Praxis zu bringen, damit wir sehen, welche davon wirtschaftlich und gesellschaftlich tragfähig sind. Nur wenn wir dieses Risiko eingehen, wird klar, welche Wege in die Zukunft führen und welche nicht.

Ich wünsche mir deshalb entscheidungsfreudige, mutige und vernünftige Menschen an der Spitze unseres Landes, die wissen, dass sie jetzt Fehler riskieren und gegebenenfalls auffangen müssen, damit wir ökologisch wie ökonomisch vorwärtskommen.

Für parteipolitische Eitelkeiten, persönliche Inszenierungen oder auch gegenseitige Schuldzuweisungen haben wir dabei angesichts der Herausforderungen, vor denen wir alle gemeinsam stehen, einfach keine Zeit."

Mandy Schipke, Geschäftsführerin des Dresdner Start-ups Novum
Mandy Schipke, Geschäftsführerin des Dresdner Start-ups Novum © PR

Bundesagentur für Arbeit: Inklusion und Vielfalt ausbauen

"Der sächsische Arbeitsmarkt hat sich seit 2005 sehr gut entwickelt. Die Arbeitslosigkeit hat sich seitdem mehr als halbiert, und die Beschäftigung ist auf neue Rekordwerte gestiegen. Mit Blick in die Zukunft sehe ich die großen Herausforderungen in der Arbeits- und Fachkräftesicherung – ein Thema, das weiterhin im Fokus stehen muss.

Denn die demografische Entwicklung, die Digitalisierung und der Strukturwandel verändern die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt. Besonders Sachsen steht vor der großen Herausforderung des demografischen Wandels, denn die Bevölkerung wird immer älter, und die Anzahl der Erwerbsfähigen reduziert sich.

Die bestehenden Lösungsansätze wie lebensbegleitendes Lernen, Bildung und Teilhabe, Inklusion und Vielfalt müssen mit politischer Unterstützung ausgebaut und weiterentwickelt werden. Ich finde, Sachsen ist ein Land, in dem es sich gut leben und arbeiten lässt. Damit das so bleibt, werden wir weiter Miteinander und Füreinander künftige Herausforderungen meistern – denn große Dinge macht man zusammen."

Klaus-Peter Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführung Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit
Klaus-Peter Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführung Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit © PR

DGB Sachsen: Zusammenhalt festigen

Markus Schlimbach, Vorsitzender DGB Sachsen:

"Wir brauchen eine mutige Investitionsoffensive der künftigen Bundesregierung, um die tiefgreifenden Veränderungen in Industrie und Gesellschaft zu gestalten.

Strukturwandel, Digitalisierung, Transformation der Industrie, klimaneutrale Wirtschaft, demografischer Wandel und die Lebens- und Arbeitsbedingungen verbessern, sind einige Stichworte. Die Wirtschaft in Sachsen wird international nur wettbewerbsfähig sein, wenn sie mit guten Arbeitsbedingungen, Mitbestimmung und tariflicher Entlohnung punktet. Ohne motivierte, gut ausgebildete Fachkräfte helfen die besten Ideen und Produkte nichts.

Die duale Ausbildung muss verbessert und eine unbefristete Übernahmegarantie eingeführt werden, um junge Menschen in Sachsen zu halten. Es muss in Bildung, hochwertige öffentliche Dienstleistungen und den Zusammenhalt zwischen Stadt und Land investiert werden. Dafür muss die Schuldenbremse abgeschafft oder zumindest reformiert werden. Sparprogramme oder das Festhalten an der schwarzen Null gefährden die Zukunftsfähigkeit unseres Landes."

Markus Schlimbach, Vorsitzender DGB Sachsen
Markus Schlimbach, Vorsitzender DGB Sachsen © René Meinig

Handwerkskammer: Die Politik muss Zusagen einlösen

Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden:

"Von der künftigen Bundesregierung erwarten wir vor allem, dafür Sorge zu tragen, dass Unternehmertum gesellschaftlich wieder mehr Wertschätzung erfährt, dass berufliche Selbstständigkeit und duale berufliche Aus- und Fortbildung attraktiver werden.

Denn wir können künftigen Fachkräftebedarf nur dann decken, wenn es flächendeckend ordentliche Rahmenbedingungen gibt. Für vordringlich halten wir zugleich, dass sich Unternehmer und Beschäftigte im Handwerk auf Versprechen der Politik verlassen können. Denn noch zu oft werden wir mit Sonntagsreden konfrontiert, in denen Zusagen wie die zum Bürokratieabbau, zur Energiewende oder die zur Entlastung beim „Faktor Arbeit“ zu reinen Worthülsen verkommen.

Zwei Beispiele: Trotz mittlerweile dreier sogenannter Bürokratieentlastungsgesetze ersticken wir nach wie vor in einer Flut von Melde- und Dokumentationspflichten. Und auch die viele Jahre alte Zusage der Politik, die Einkommensteuer für Selbstständige mittelstandsfreundlicher zu reformieren, wurde nicht eingelöst."

Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden
Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden © PR

Silicon Saxony: Mehr in Bildung investieren

Yvonne Keil, Vorstand Silicon Saxony:

"Wir brauchen eine ambitionierte und zupackende Industriepolitik. Ein Fokus muss dabei darauf liegen, dass die sächsischen Hightech-Unternehmen im weltweiten Maßstab noch wettbewerbsfähiger werden.

Denn nur so können wir als Branche unseren Beitrag für mehr digitale Souveränität leisten. Dafür benötigen wir stabile Wertschöpfungs- und Lieferketten sowie verlässliche Rahmenbedingungen im Energiemarkt.

Gleichzeitig müssen wir Deutschland schneller digitalisieren. Das gilt für die Verwaltung genauso wie für den Gesundheitsbereich und vor allem für die Bildung. Gerade in diesem Bereich muss deutlich mehr investiert werden, denn Hightech Cluster wie zum Beispiel Silicon Saxony haben keine Zukunft ohne die entsprechenden qualifizierten Fachkräfte.

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Die SPD jubelt, die CDU gibt sich demütig - und geht auf Abstand zur Bundespartei. Die AfD hält sich nach der Bundestagswahl nicht mehr für eine Protestpartei.

Dazu gehört es auch, ein ansprechendes Umfeld der Vielfalt zu schaffen, um Menschen aus der ganzen Welt anzuziehen und vor allem auch Mädchen und junge Frauen schon frühzeitig für die vielen spannenden Berufe im „Silicon Saxony“ zu begeistern."

Yvonne Keil, Vorstand Silicon Saxony
Yvonne Keil, Vorstand Silicon Saxony © PR

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