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3.000 Schäden pro Tag an Wasserleitungen

Wohngebäudeversicherer mussten 2019 einen Rekordbetrag ausgeben. Sachsen kommt in der Schadensstatistik gut weg. Das Ost-West-Gefälle ist enorm.

Das Beheben von Leitungswasserschäden in Privatwohnungen kostet die Versicherer Milliarden.
Das Beheben von Leitungswasserschäden in Privatwohnungen kostet die Versicherer Milliarden. © 123rf

Wenn es durch die Decke tröpfelt statt aus dem Wasserhahn, dann deutet alles auf einen Defekt an der Leitung hin. Im Schnitt werden den Versicherern in Deutschland pro Tag rund 3.000 Havarien gemeldet. Die Wohngebäudeversicherer mussten vergangenes Jahr 3,1 Milliarden Euro ausgeben, um Schäden durch geplatzte Rohre, auslaufende Heizboiler oder undichte Armaturen beheben zu lassen. Laut einer Statistik des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft (GDV) ist diese Summe so hoch wie nie.

In Sachsen war die Stadt Leipzig am stärksten betroffen. Hier lag der sogenannte Indexwert mit 93 am höchsten. Dresden kommt auf 80, Chemnitz auf 67, der Landkreis Meißen auf 60. Als schadenärmste Gebiete nennt der Fachverband den Erzgebirgskreis (48), den Landkreis Bautzen (50) und den Vogtlandkreis (52). Der Indexwert ist eine Prozentangabe, die sich auf den Bundesschnitt von 100 bezieht. Viel mehr Schäden gibt es in den alten Bundesländern. Köln gilt als „Hauptstadt der Rohrbrüche“. Für vier Postleitzahlgebiete der Rhein-Metropole verzeichnet der GDV Rekordwerte von 204 beziehungsweise 197. Das Ost-West-Gefälle habe seine Ursache darin, dass nach der Wiedervereinigung in Osten Deutschlands viele Häuser und Wohnblocks saniert worden seien, sagt Oliver Hauner, Leiter der Abteilung Sach- und Technische Versicherung beim GDV.

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Mangelhafte Rohrverbindungen

Pro Leitungswasserschaden haben die Wohngebäudeversicherer im vergangenen Jahr 2.881 Euro ausgegeben – nach Angaben der Statistiker ist das ein Plus von knapp sieben Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Als Hauptursache nennt der Verband „Installations- und Montagefehler“. Mangelhafte Rohrverbindungen und kaputte oder falsche Dichtungen sind Auslöser für jeden vierten aktenkundigen Schaden. Die verschiedenen Ursachen für Schadensfälle werden vom Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer (IFS) in einer Datenbank gesammelt

Wichtig sei eine penible, regelmäßige Wartung der Heizungs- und Sanitäranlage. Eine unverzichtbare Vorkehrung sei zudem, Absperrventile deutlich zu kennzeichnen und leicht zugänglich zu machen. „Vor allem muss das Ventil im Notfall auch funktionieren“, so Oliver Hauner.

Vergleichsweise hoher Kostenaufwand

Laut Stiftung Warentest verursachen Leitungswasserschäden einen vergleichsweise hohen Kostenaufwand, mehr als Feuer, Sturm oder Überschwemmungen zusammen. Manche Versicherer versuchen deshalb, Besitzern älterer Häuser die Verträge zu kündigen oder deren Prämien drastisch zu erhöhen. Zu einem erzwungenen Vertragsende sollten es Betroffene besser nicht kommen lassen, sagen die Spezialisten der Zeitschrift Finanztest: „Wer aus dem Vertrag geworfen wird, muss dies angeben, wenn er bei einem anderen Versicherer einen Neuvertrag sucht. Es ist besser, die Preiserhöhung zu akzeptieren, in Ruhe nach einem günstigeren Vertrag zu suchen und erst dann zu kündigen, wenn der neue Vertrag unter Dach und Fach ist.“

Landet eine Kündigung im Briefkasten, sollten die Betroffenen versuchen, den Versicherer zu einer Rücknahme derselben zu verhandeln. Die Finanztester raten in dem Zusammenhang, eine Selbstbeteiligung – zum Beispiel in Höhe von 250 Euro im Schadenfall – anzubieten.

Landkarte der Leitungswasserschäden

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