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Rettung für ein kleines Dorf

Urig-schmucke Häuser, idyllische Natur - aber kein sauberes, fließendes Wasser. Seit drei Jahren leiden die Schönbrunner darunter. Nun kommt der Millionen-Coup.

Wasser ist für Matthias Keyßner und seinen Sohn Malik in Schönbrunn etwas besonderes. Haus und Umgebung sind idyllisch - nur Trinkwasser gibt es nicht.
Wasser ist für Matthias Keyßner und seinen Sohn Malik in Schönbrunn etwas besonderes. Haus und Umgebung sind idyllisch - nur Trinkwasser gibt es nicht. © Matthias Weber/photoweber.de

Das Haus, in dem Matthias Keyßner mit seinem Sohn Malik wohnt, ist urig und preisgekrönt. Mit dem Umgebindehauspreis im Jahr 2009. Was zum Wohnglück am Waldrand in Schönbrunn noch fehlt, ist allerdings Wasser - und besonders Trinkwasser. Es jeden Tag, zu jeder Zeit und in ausreichender Menge zur Verfügung zu haben, wäre eine Wohltat. Seit Sommer 2018 leidet der Großhennersdorfer Ortsteil unter Wassermangel, die Brunnen vieler Grundstücke liefern kaum noch oder nicht mehr dauerhaft ausreichend Wasser, zudem oft nicht in guter Qualität. "So richtig normalisiert hat es sich seit 2018 nie wieder und das schärft den Blick dafür, wie kostbar Wasser ist", sagt Keyßner.

Sein Trinkwasser bringt er sich seither von seinem Hof im ehemaligen Volksgut in Großhennersdorf mit nach Schönbrunn hinauf. Dort steht auch die familiäre Waschmaschine und dort können Keyßner und sein Sohn duschen. In Schönbrunn geht das alles nicht. "Ich habe überlegt, ob es etwas nutzt, den Brunnen tiefer graben zu lassen", schildert er. Eine Wassergarantie brächte das nicht. Deshalb ist er froh, dass nun eine andere, "nachhaltige Variante" in greifbarer Nähe ist: Noch in diesem Jahr soll Schönbrunn ans Trinkwassernetz angeschlossen werden. Michael Kuba, Geschäftsführer des Wasserversorgers Sowag, rechnet im besten Fall mit einem Beginn der Arbeiten Ende Juni und einer fünfmonatigen Bauzeit.

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Beträchtlicher Eigenanteil

Der Wasseranschluss wäre eine echte Erleichterung - allerdings auch eine enorme Investition für die Schönbrunner und den Wasserversorger Sowag. Dass es nach langen Diskussionen tatsächlich zum Bau kommen kann, ist vor allem Sowag-Chef Kuba zu verdanken. Er hatte auch beim Freistaat intensiv dafür geworben, die Förderbedingungen für solche abgelegenen Siedlungen deutlich zu verbessern, damit sie wirklich eine Chance auf Wasseranschluss haben. Denn die Einwohner müssen einen beträchtlichen Eigenanteil zahlen.

Die Kosten für den Anschluss von 15 Grundstücken sind in der Tat stattlich: Mit einer Investition von 840.000 Euro netto - brutto also über eine Million Euro - rechnet Sowag-Geschäftsführer Kuba insgesamt. Dafür sollen 3.273 Meter Versorgungsleitung, eine Druckerhöhungsstation und 545 Meter Hausanschluss-Rohre gelegt werden. Verteilt werden die Kosten auf den Freistaat, der 545.000 Euro Fördergeld gibt, die Anwohner, die mit einem Grundbetrag von 8.000 Euro pro Grundstück zusammen 120.000 Euro für den Leitungsbau beisteuern und die Sowag, die selbst 175.000 Euro zahlt.

Es könne aber natürlich zu Verschiebungen kommen - bei Kostensteigerungen oder wenn sich nicht alle 15 Grundstückseigentümer anschließen lassen. "Dieses Risiko trägt die Sowag, die Anschlusskosten für die Anwohner bleiben konstant", erklärt Kuba. Die Bereitschaft der Schönbrunner sei aber da - 14 der 15 Eigentümer hatten ihren Vertrag zum Zeitpunkt der Nachfrage bereits unterschrieben. Allerdings sind die 8.000 Euro pro Grundstück lediglich die festen Gebühren. Je nachdem, wie weit Leitungen zum Haus gelegt werden müssen, können die Kosten für das saubere Wasser durchaus auf um die 10.000 Euro pro Grundstück ansteigen. Diese zusätzlichen, variablen Kosten schwanken je nach Lage im Ort zwischen 900 und 5.500 Euro, bestätigt Kuba. Zur Erleichterung sei es aber möglich, beispielsweise Erdarbeiten in Eigenleistung zu erbringen, um damit die finanzielle Belastung zu senken.

Wasseranschluss gibt Dorf Zukunftschance

Das will Matthias Keyßner tun. Um den Graben für die Rohre zu seinem Haus will er sich selbst kümmern, sagt er. Dass sich am Ende der langen Diskussion um die Wasserleitung die Schönbrunner so einig waren und sie auch auf die Solidarität der Sowag setzen können, freut Keyßner sehr. Denn das bringt dem kleinen, aber idyllischen Ortsteil nicht nur mehr Lebensqualität, es bewahrt ihm auch die nötigen Zukunftschancen - beispielsweise für den Tourismus. Denn Ferienwohnungen zu vermieten, ist ein wichtiges Thema in Schönbrunn, aber ohne fließendes Wasser schwierig.

Zum Thema Zukunftsaussichten passt daher auch, dass nicht nur die Wasserrohre bei den Bauarbeiten verlegt werden sollen - sondern auch Kabel fürs schnelle Internet. Herrnhuts Bürgermeister Willem Riecke (Herrnhuter Liste) betonte, dass dies in diesem Zusammenhang gleich mit erledigt werden solle. Mit dem Unternehmen "Sachsen Netze" - ehemals Enso - sei man derzeit in konkreteren Absprachen, bestätigt auch Michael Kuba.

Verpflichtet haben sich die Schönbrunner übrigens auch, das Wasser aus der Leitung tatsächlich zu nutzen und nicht in vielleicht besseren Zeiten wieder auf die eigenen Brunnen umzuschwenken. Denn aus hygienischen Gründen ist es nötig, dass eine bestimmte Menge Wasser durch die Rohre fließt. Klappt das nicht, ist eine zusätzliche Spülung der langen Leitung nötig, die Kosten werden den Schönbrunnern dann separat in Rechnung gestellt, erklärt Michael Kuba. Nur so könne man auch hier das Wasser zu den gleichen Preisen anbieten, wie im gesamten Versorgungsgebiet, erklärt er.

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