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Arbeit und Bildung

Weniger Geld und Urlaub für Azubis

Die DGB-Jugend hat gefragt, wie Auszubildende die Corona-Zeit erleben. Das Ergebnis rückt die Verantwortung der Unternehmen in den Fokus.

Ausbildung digital - das hat in vielen Branchen und Betrieben eher schlecht als recht geklappt. Viele Lehrlinge fühlen sich seit Beginn der Pandemie offenbar unzureichend auf ihren Abschluss vorbereitet.
Ausbildung digital - das hat in vielen Branchen und Betrieben eher schlecht als recht geklappt. Viele Lehrlinge fühlen sich seit Beginn der Pandemie offenbar unzureichend auf ihren Abschluss vorbereitet. © AdobeStock

Corona hat die Arbeitswelt durchgerüttelt. Die Pandemie hat Entwicklungen forciert, mit denen sich die Wirtschaft bis dato zumindest in Teilen schwertat. Manches - wie die Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten - hat sich auch unabhängig von Corona als richtiger Schritt erwiesen, Anderes hat Probleme sichtbar gemacht, die nun - ebenfalls unabhängig von der Pandemie - gelöst werden müssen.

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Dass dazu auch die Situation der Auszubildenden gehört, legt die aktuelle Ausbildungsstudie der DGB-Jugend nahe. Mehr als tausend junge Männer und Frauen in der dualen Berufsausbildung oder einem dualen Studium wurden dafür in diesem Jahr zur Einschätzung ihrer Situation befragt. Dabei gaben reichlich 24 Prozent der Studienteilnehmer an, dass ihnen krisenbedingt die Ausbildungsvergütung gekürzt wurde. In kleinen Betrieben mit bis zu zehn Beschäftigten betraf das sogar noch mehr Lehrlinge - knapp 38 Prozent der Befragten. Fast jeder fünfte Auszubildende berichtete zudem, dass ihr oder ihm seit Beginn der Pandemie mindestens einmal der Urlaub gekürzt wurde, obwohl das nicht erlaubt ist.

Kritik an digitaler Ausstattung

Ebenfalls kritisch: Mehr als ein Drittel der Befragten befürchtete zum Zeitpunkt der Befragung, die Ausbildung nicht erfolgreich abschließen zu können, weil Inhalte krisenbedingt gar nicht oder nur rudimentär vermittelt wurden. Fast alle der befragten Auszubildenden haben seit Pandemiebeginn Home-Schooling-Phasen beziehungsweise Distanzunterricht erlebt. Mehr als die Hälfte hat die Angebote als unzureichend oder qualitativ eher schlecht bewertet. Daran haben sicher die vielerorts unzureichenden technischen Voraussetzungen für digitale Lehrformate ihren Anteil. Die Tatsache, dass ein Drittel der befragten Auszubildenden angab, dass sich die fachliche Qualität des Berufsschulunterrichts im Zuge der Pandemie verschlechtert habe und über die Hälfte die digitale Ausstattung an den Berufsschulen moniert, legt das nahe. Immerhin etwa ein Drittel der Befragten ist der Ansicht, dass sich die Situation seit Beginn der Corona-Pandemie sukzessive verbessert hat.

Insgesamt seien die Ergebnisse der Studie allerdings alarmierend, so DGB-Jugendreferent Joscha Wagner. Die Arbeitgeber stünden auch in der Krise in der Pflicht, für eine gute Ausbildungsqualität zu sorgen und Gesetze einzuhalten. „Um das zu gewährleisten, brauchen wir mehr effektive und regelmäßige Kontrollen in den Ausbildungsbetrieben, sonst geht es immer stärker zulasten der Auszubildenden“, so Wagner weiter. Generell mahnen die Gewerkschafter, die Nachwuchs-Förderung gerade in Zeiten des Fachkräftemangels nicht aus dem Blick zu verlieren. Dass 2020 weniger als 500.000 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen worden sich – nach DGB-Angaben zum ersten Mal seit 40 Jahren – sei ein fatales Signal an die Jugend.

Frust durch Überforderung

„Wir brauchen eine gesetzliche Ausbildungsgarantie – sie ist ein Muss für die nächste Bundesregierung, denn die Wirtschaft allein regelt es offensichtlich nicht. Nach der Pandemie droht ein eklatanter Fachkräftemangel, wenn nicht mehr ausgebildet wird“, so die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. Jedem jungen Menschen, der eine Ausbildung sucht, müsse der „Weg in eine anerkannte vollqualifizierte Ausbildung garantiert“ werden. Dabei liegt der Fokus ganz klar auf der betrieblichen Ausbildung. Dass die wichtig ist, würde wohl auch kein Unternehmer bestreiten. Die Klagen über mangelnden Nachwuchs werden auch im zweiten Pandemiejahr lauter.

Umso schwerer fallen Aussagen wie diese ins Gewicht: Fast ein Viertel der Auszubildenden gab in der DGB-Studie an, „immer“ oder zumindest „häufig“ Tätigkeiten zu erledigen, die in der Ausbildung nicht vorgesehen sind. Der Anteil dieser sogenannten ausbildungsfremden Tätigkeiten habe sich mit der Pandemie sogar verdoppelt. Auch Überstunden in der Lehre sind offenbar keine Seltenheit.

Nicht zuletzt setzen viele Firmen Azubis als vollwertige Arbeitskräfte ein, teilweise bereits ab dem ersten Ausbildungsjahr. Das überfordert die jungen Leute oft und führt nicht selten früh zu Frust und im Ernstfall sogar zum Abbruch der Lehre.

Dass das von niemandem gewollt sein kann, dürfte als unstrittig gelten. Ebenfalls außer Frage steht, dass die Pandemie vor allem die kleineren Betriebe teils heftig gebeutelt hat. Als Entschuldigung für teilweise durchaus deutlich Abstriche bei der Lehrausbildung taugt das freilich nicht. Wer zukunftsfähig bleiben will, kommt um die Investition in den Nachwuchs nicht herum. Nicht zuletzt, weil junge Leute in vielen Branchen heute die Wahl haben, in welchem Unternehmen sie ihre Ausbildung starten wollen. Und auch bei der Suche nach dem idealen Ausbildungsplatz gilt letztlich: Qualität spricht sich herum, das Gegenteil ebenfalls.

Die Corona-Ausbildungsstudie kann via E-Mail bestellt werden.

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