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Wie Dresdner ein Zementwerk grüner machen

Die Firma Sunfire hat schon Wasserstoff und Rohöl-Ersatz hergestellt. Nun hilft sie einem Großkunden, Kohlendioxid einzufangen.

Das ist eines der größten Zementwerke in Deutschland: in Rüdersdorf bei Berlin. Dort will Sunfire helfen, einen Teil des Abgases Kohlendioxid zu verwerten.
Das ist eines der größten Zementwerke in Deutschland: in Rüdersdorf bei Berlin. Dort will Sunfire helfen, einen Teil des Abgases Kohlendioxid zu verwerten. © Cemex

In Rüdersdorf bei Berlin arbeitet eines der größten Zementwerke in Deutschland – ein großer Energieverbraucher und zugleich ein großer Verursacher des Klimagases Kohlendioxid. Nun soll ein Dresdner Unternehmen helfen, dort die Zementproduktion umweltfreundlicher zu machen. Die Sunfire GmbH mit ihren Anlagen für Wasserstoff und künstliche Treibstoffe will sich an einem Großprojekt beteiligen. Das Dresdner Unternehmen Sunfire ist in den letzten Jahren stark gewachsen und hat nun mehr als 250 Beschäftige.

Wer die Dresdner Produktionsanlagen besucht, sieht eine Reihe Container und einen metallverkleideten Treppenturm in Blickweite der alten Gasometer im Stadtteil Reick. Technik-Geschäftsführer Christian von Olshausen hat bei Sunfire schon einige Minister empfangen, die sich für Umwelttechnik interessieren. Zum Vorzeigen hat er vor allem einige Bleche und schwarze Membranen. Erst zusammengesetzt zu Stapeln und großen Anlagen erlauben sie es, Elektrizität in gasförmige oder flüssige Energieträger umzuwandeln – oder umgekehrt wasserstoffhaltige Gase wieder zu Strom oder Wärme zu wandeln. Sunfire leistet einen Beitrag zu den Stromspeichern der Zukunft.

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Im Cemex-Zementwerk bei Rüdersdorf wollen die Dresdner bis 2025 zwei Anlagen errichten: einen alkalischen Druck-Elektrolyseur, der mit Ökostrom Wasserstoff erzeugt. Und einen Hochtemperatur-Elektrolyseur zur Erzeugung von Synthesegas – einer Mischung aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid. Nach Firmenangaben ist es das erste Mal, dass zwei verschiedene Elektrolyseverfahren in einem Prozess kombiniert werden. Die alkalische Elektrolyse ist ein Verfahren, das seit Jahrzehnten angewandt wird, aber laut von Olshausen nur 64 Prozent Effizienz schafft. Die Hochtemperatur-Elektrolyse dagegen steigere den Wirkungsgrad um etwa 20 Prozent, indem sie Wasserdampf nutzt – wo Abwärme aus Industrieanlagen zur Verfügung steht. Diese Technik ist grundsätzlich teurer, weil sie höhere Temperaturen braucht.

5.000 Tonnen „grüne“ Kohlenwasserstoffe pro Jahr

Sunfire hilft seinen Kunden, ihren Kohlendioxid-Ausstoß wenigstens zu verringern. Der Zementhersteller Cemex will „langfristig eine kohlenstoffarme Zementproduktion etablieren“. Das Projekt „Concrete Chemicals“ soll ausschließlich mit Ökostrom aus brandenburgischen Wind- und Solaranlagen des Energieerzeugers Enertrag laufen. Wie schon bei drei früheren Sunfire-Projekten soll am Anfang allerdings staatliche Förderung stehen. Nach deren Bewilligung soll im Zementwerk „eine Demonstrationsanlage in industriellem Maßstab“ gebaut werden. 20 Megawatt Leistung soll der Druckelektrolyseur haben. 5.000 Tonnen „grüne“ Kohlenwasserstoffe sollen pro Jahr erzeugt werden. Ausgangsstoffe dafür sind Wasserstoff und ein Teil des Kohlendioxids aus der Zementfabrik. In einem weiteren Schritt könnten die erzeugten Kohlenwasserstoffe in Kraftstoffe umgewandelt werden, teilten die Firmen mit.

Sunfire hat auf seinem Dresdner Firmengelände gezeigt, dass es mehr als drei Tonnen flüssigen Kraftstoff erzeugen konnte. Laut von Olshausen ist das Produkt „mit Erdöl vergleichbar“. Die Dresdner Versuchsanlage sei allerdings zu klein für einen profitablen Betrieb und stehe nur noch „als Anschauungsobjekt“ auf dem Gelände in Reick. Viele Menschen hätten vorher nicht geglaubt, dass das Unternehmen zu der Produktion in der Lage sei. Das Bundesforschungsministerium hatte 6,4 Millionen Euro Fördergeld beigesteuert. Der Erdölersatz von Sunfire soll künftig in Norwegen produziert werden. In Oslo wurde vor zwei Jahren die Projektgesellschaft Norsk e-Fuel gegründet.

Das ehemalige Grundstück der Gasversorgung Sachsen Ost (Gaso) in Dresden bietet dem Unternehmen Sunfire aber noch Möglichkeiten zur Erweiterung für die Elektrolyse-Technik – und die ist geplant. „Wir wollen wachsen“, sagt der Geschäftsführer und zeigt zum freien Nachbargrundstück. Ein dreistelliger Millionenbetrag werde in Sachsen investiert. Sunfire hat inzwischen drei Produktionsstätten, zuletzt wurde voriges Jahr das Schweizer Unternehmen IHT dazugekauft. Auf dem Dresdner Werksgelände montiert Sunfire „Stacks“, das sind Stapel aus Metallplatten und Membranen für die Hochtemperatur-Elektrolyseure. Die Platten kommen von sächsischen Lieferanten. Die Produktionskapazität in Dresden-Reick liegt bei sieben Megawatt pro Jahr. Gemeint ist damit die Gesamtleistung der hergestellten Elektrolyse-Anlagen.

40 Megawatt pro Jahr können die alkalischen Elektrolyseure liefern, die in Monthey in der Schweiz hergestellt werden. Und in Neubrandenburg produziert Sunfire Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung, bis zu 1.200 Stück pro Jahr beträgt die Werkskapazität. Die Dresdner haben viel vor: Sunfire will „dazu beitragen, dass mal eine große Firmenzentrale nicht im gesättigten Westen sitzt“. Ob Sunfire samt seinen externen Standorten einmal von jetzt 250 auf 500 oder gar 1.500 Beschäftigte wachsen wird, das ist laut von Olshausen möglich, aber von der Geschäftsentwicklung abhängig. „Wir haben die Strategie geändert“, sagt der Mitgründer. Firmen aus der Autoindustrie seien erfahren mit großen Stückzahlen, „das wird uns Jahre sparen“.

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Gerade hat von Olshausen einen Teil der Dresdner Anlagen automatisieren lassen. Ähnlich wie in Mikrochipfabriken fahren nun Transportkisten auf Rollen zur Bearbeitung. Der Geschäftsführer berichtet, er benötige neues Personal, um Genehmigungen einzuholen und Zertifikate zu beantragen. Behörden müssen überzeugt werden – und Kunden. Immer wieder hat von Olshausen erlebt, dass Industriebetriebe alles erst einmal ausprobieren möchten: „Sie wollen kein schwaches Glied in ihrer Produktionskette.“ Erst einmal müsse Vertrauen aufgebaut werden.

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