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Wie Corona das sächsische Exportgeschäft verändert

Experten hatten schon das Globalisierungs-Ende ausgerufen. Dazu wird es nicht kommen, aber die Pandemie stellt Firmen vor neue Aufgaben. Ein Gastbeitrag.

Thomas Horn, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH Foto: © BLEND3 Frank Grätz
Thomas Horn, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH Foto: © BLEND3 Frank Grätz © © BLEND3 Frank Grätz

Von Thomas Horn

„Made in Saxony“ – dieses Gütesiegel hat international einen guten Ruf, sächsische Produkte und Dienstleistungen sind weltweit gefragt. Allein zwischen 2004 und 2019 sind die Ausfuhren von 16,2 Milliarden Euro auf 40,3 Milliarden Euro gestiegen und haben sich damit mehr als verdoppelt.

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Sächsische Unternehmen behaupten sich – trotz neuer Konkurrenz und schwieriger Rahmenbedingungen – erfolgreich im globalen Wettbewerb. Dadurch hat die Exportwirtschaft in den vergangenen Jahren wesentlich zum Wirtschaftswachstum beigetragen und für den Freistaat große Bedeutung. Mittlerweile wird mehr als jeder dritte Euro im Ausland verdient. Das sichert nicht nur Arbeitsplätze vor Ort, sondern schafft neue Jobs in den exportierenden Unternehmen. Welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf das Exportgeschäft hat und welche Herausforderungen auf die Unternehmen zukommen, ist deshalb von großer Relevanz.

Schon vor Corona belasteten protektionistische Tendenzen in wichtigen Märkten, internationale Handelskonflikte und eine globale Konjunkturschwäche die Exportfirmen. Und durch die Pandemie, geschlossene Grenzen und Störungen bei Lieferketten gab es im vorigen Jahr einen deutlichen Dämpfer. Um neun Prozent auf 36,8 Milliarden Euro gingen die sächsischen Ausfuhren gegenüber 2019 zurück. Schnell wurde von einigen Experten das Ende der Globalisierung vorhergesagt. So weit wird es aber nicht kommen, da sich die arbeitsteilige Wirtschaft grundsätzlich bewährt hat. Doch wir werden auf veränderte Bedingungen und neue Anforderungen reagieren müssen.

Veränderte Branchen und Märkte

Betroffen sind nicht nur unsere Exportmärkte, sondern auch die einheimischen Industriebranchen. Die wichtigste sächsische Exportbranche, die Automobil- und deren Zulieferindustrie, befindet sich in einem grundlegenden Strukturwandel, der durch die Pandemie noch einmal beschleunigt wurde. Bereits seit 2018 gibt es einen Rückgang der klassischen Automobilproduktion, während sich der Trend zu E-Autos verstärkt. Sachsen ist seit letztem Jahr eine der europäischen Top-Regionen für die Produktion batterieelektrischer Pkw. Etwa jedes vierte in Europa gebaute E-Auto wird in 2021 ‚Made in Saxony‘ sein, prognostiziert das Chemnitz Automotive Institute (CATI).

Klar ist, dass solche Entwicklungen auch zu einem Wandel bei Exportgütern und -märkten beitragen werden. So sind E-Autos jetzt besonders in europäischen Märkten, wie Norwegen, den Niederlanden, Großbritannien oder Schweden gefragt. Dagegen finden die derzeitigen Verbrennermodelle, die bislang auch stark nach China und die USA exportiert wurden, ihre neuen Kunden vor allem in Ländern, wo E-Autos in naher Zukunft – auch wegen der fehlenden Infrastruktur – noch keine Rolle spielen.

Neben einer wachsenden Nachfrage nach neuen Exportprodukten beobachten wir bei China, unserem Exportmarkt Nr. 1, dass infolge der Pandemie seit Anfang letzten Jahres die Grenzen für internationale Geschäftsreisende geschlossen sind. Damit fällt es deutlich schwerer, bestehende Kundenbeziehungen zu pflegen oder neue aufzubauen. Dadurch könnten Marktanteile für sächsische Unternehmen an chinesische Wettbewerber verloren gehen, die später nur schwer wieder zurück zu gewinnen sein werden. Gleichzeitig wachsen die chinesischen Anteile auf den Weltmärkten. Aktuelle Zahlen des Branchenverbands VDMA zeigen, dass China im letzten Jahr erstmals das wichtigste globale Lieferland für Maschinen und Anlagen war. Dies bestätigt eindrucksvoll, dass das Land längst nicht mehr nur Absatzmarkt, sondern auch ein starker Wettbewerber auf anderen Märkten ist.

Chancen für Nachbarmärkte

Märkte und Kundenwünsche entwickeln sich ständig weiter. Dies wird weiterhin das Geschäft sächsischer Exporteure bestimmen und bietet – trotz aller Herausforderungen – stets die Chance, neue Märkte zu erschließen, nicht nur traditionell in den Industriestaaten, sondern auch in aufstrebenden Schwellenländern. Hier sind die Möglichkeiten längst nicht ausgeschöpft. Zudem wird die Bedeutung unserer unmittelbaren Nachbarmärkte in Mittel- und Osteuropa aufgrund räumlicher Nähe und geringerer Unsicherheiten noch weiter wachsen. Tschechien und Polen haben sich längst zu interessanten Wirtschaftspartnern entwickelt, was sich in stetig wachsenden Exportzahlen widerspiegelt. Der Gesamtexport nach Polen mit 1,88 Mrd. Euro und Tschechien mit 2,05 Milliarden Euro war im letzten Jahr bereits deutlich größer als in die USA mit 3,05 Milliarden Euro. Zusammengenommen wären sie also der zweitgrößte Exportpartner nach China.

Ausbau der Cross-Cluster Arbeit

Damit sich sächsische Unternehmen im globalen Wettbewerb weiter erfolgreich behaupten können, müssen wir fortlaufend unser Know-how in zukunftsrelevanten Hoch- und Querschnittstechnologien, wie zum Beispiel Leichtbau, Sensorik, Robotik, KI und Wasserstoff weiterentwickeln. Ein großes Plus ist hierbei die Innovationskraft Sachsens – der Freistaat ist einer der „Innovationsführer“ in der EU. Eine weitere Stärke ist die intensive Cross-Cluster-Zusammenarbeit, d.h. die Vernetzung der relevanten Branchen untereinander sowie mit Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen. Dort steckt das Potenzial, um uns mit innovativen Ideen und Projekten den notwendigen Vorsprung im globalen Wettbewerb zu sichern. Die WFS wird dafür ihre eigene markt- und branchenübergreifende Expertise weiter vertiefen, um die sächsischen Unternehmen mit passgenauen Instrumenten und Konzepten zu unterstützen.

  • Der Autor: Thomas Horn ist Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (WFS). Die WFS sieht sich als Brückenbauer für Investoren, die sich im Freistaat ansiedeln, für Unternehmen, die den Schritt ins Ausland wagen und bringt die verschiedenen Branchen und Netzwerke in Sachsen zusammen. Das landeseigene Unternehmen feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Jubiläum.

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