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Wirtschaft in Sachsen - Das Wochen-Briefing

Die Wunschliste des scheidenden IHK-Chefs + Warmwasser-Rationierung: Verband mit Gegenvorschlag + Komsa geht ins Leihgeschäft + Stahlwerk expandiert

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Der Dresdner IHK-Geschäftsführer Detlef Hamann geht in Ruhestand. Er fordert die Politik auf, wieder Lust aufs Unternehmersein zu machen - und hat auch konkrete Vorschläge.
Der Dresdner IHK-Geschäftsführer Detlef Hamann geht in Ruhestand. Er fordert die Politik auf, wieder Lust aufs Unternehmersein zu machen - und hat auch konkrete Vorschläge. © SAE Sächsische Zeitung

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Guten Morgen,

Falk Kühn-Meisegeier, der Chef der Wohnungsgenossenschaft in Dippoldiswalde, ist deutschlandweit bekannt geworden, weil er als erster seinen Mietern das warme Wasser am Nachmittag rationieren wollte. Kühn-Meisegeier ist abgetaucht, angesichts des Medienechos im ganzen Land und weil sein Plan offenbar auch nicht abgestimmt war. Schade, denn so kann ihn niemand fragen, welche konkrete Ersparnis das stundenweise Abdrehen des Warmwassers den Mietern und Mieterinnen denn gebracht hätte. Ihnen wollte er ja helfen und vielleicht hätten sie es ihm sogar gedankt?

Wenn die Gasversorger börsentäglich Gas kaufen müssen als Ersatz für das nicht gelieferte russische Gas, überfordert das die Unternehmen finanziell. Sie wollen sich nun unter den staatlichen Rettungsschirm stellen. Die Politik will eine Umlage einführen, mit der alle Gasverbraucher an den Zusatzkosten beteiligt werden. Gas wird also für alle teurer.

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Kurzfristig ist Gas kaum zu ersetzen – und mittelfristig vermutlich auch nicht, wenn man die Debatte um den Ausbau der erneuerbaren Energien verfolgt, insbesondere in Sachsen. Aber ein sparsamerer Einsatz ist möglich. Das zeigt die Statistik. Der Gasverbrauch in Deutschland lag in den ersten fünf Monaten – bereinigt um die Temperaturunterschiede – zehn Prozent unter dem des Vorjahres. Die hohen Preise entfachen eine ungeheure Kreativität beim Sparen.

So überlegt der Waschmittelkonzern Henkel, Beschäftigte nach dem Sommer verstärkt ins Homeoffice zu schicken, damit die Büros weniger geheizt werden müssen. Dieser Vorschlag ist wirklich dreist, will Henkel die Heizkosten doch einfach auf seine Mitarbeiter abwälzen. Sollen sie doch zahlen oder halt frieren im Homeoffice.

Wir werden auf der Suche nach dem Ausweg aus der Gasfalle noch so manche halbschlauen Vorschläge lesen und hören. Da ist das Abdrehen von Warmwasser für einige Stunden vielleicht gar nicht der unzumutbarste.

Mal sehen, was der heutige Tag an neuen Ideen bringt.

Bleiben Sie gesund und genießen Sie den warmen Sommer,

herzlichst,

Ihre Nora Miethke, Leiterin Wirtschaftsredaktion sächsische.de

Das Wichtigste aus Sachsens Wirtschaft

+++ IHK-Chef will Forschungs-Budget für Unternehmen +++

Der scheidende Hauptgeschäftsführer der IHK Dresden, Detlef Hamann, fordert die Landes- und Bundesregierung dazu auf, den Unternehmen stärker beim Wachsen zu helfen. "Wenn die Unternehmer ein Budget für Forschung und Entwicklung neuer Produkte zur Verfügung bekommen, dann fällt ihnen auch etwas ein, was sie damit machen können", sagt er im Interview mit Sächsische.de. Zugleich wünscht er sich, dass die Politik die Freude am Unternehmertum wieder fördert. Zum 1. Juli hat Lukas Rohleder Hamanns Nachfolge angetreten.

+++ Warmwasser-Rationierung: Verband mit Gegenvorschlag +++

Nachdem die Dippoldiswalder Wohnungsgenossenschaft beschlossen hat, Warmwasser zu rationieren, schaltet sich nun der Verband der Sächsischen Wohnungsgenossenschaften (VSWG) ein. Er schlägt stattdessen vor, dass der Staat per Verordnung die Rechnung für Heizung und Warmwasser begrenzt. Der Deutsche Mieterbund kritisiert derweil die Einschränkung der Warmwasserversorgung. "Die vertragliche Situation ist eindeutig: Der Vermieter muss rund um die Uhr warmes Wasser zur Verfügung stellen", sagt Verbandspräsident Lukas Siebenkotten. Auch andere Experten halten den Schritt für rechtswidrig und empfehlen Mietminderungen. Der MDR fasst zusammen, was andere sächsische Großvermieter planen.

Derweil bereitet sich auch die deutsche Industrie auf eine weitere Drosselung der Gaslieferung vor. Im ersten Halbjahr ist der Ökostromanteil in Deutschland zugleich gestiegen. Er liegt bei 49 Prozent. Angesichts der Gaskrise gibt es jedoch auch einen Ansturm auf Kohle und Holz. Ofenbauer sind derzeit besonders gefragt.

+++ Gastgewerbe ruft nach ausländischen Fachkräften +++

Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Sachsen fordert Planungssicherheit für den Herbst und Winter. Einen Lockdown werde die Branche nicht noch einmal überstehen, sagt Dehoga-Präsident Axel Hüpkes. Die Entscheidung der Landesregierung für eine Komplettschließung der Betriebe im Dezember 2021, anders als in allen anderen Bundesländern, habe die Abwanderung beschleunigt, sagt Hauptgeschäftsführer Axel Klein. Er will die Personallücke neben verstärkter Nachwuchswerbung in Schulen auch "mit Flüchtlingen aus der Ukraine sowie Arbeitskräften aus Vietnam, Mexiko, Uganda und anderen Drittstaaten" schließen.

+++ Komsa will ins Leihgeräte-Geschäft einsteigen +++

Mit Versandhandel und Reparaturwerkstatt ist der Handy-Großhändler Komsa zu einem der größten sächsischen Unternehmen geworden. Chef Jean-Pascal Urbon hat nun eine Idee, wie Corona-Folgen die Firma weiter wachsen lassen können. Komsa will groß ins Geschäft mit Leihgeräten einsteigen, für eine monatliche Pauschale pro Handy oder Laptop.

+++ Riesaer Stahlwerk expandiert +++

Die Elbe-Stahlwerke Feralpi in Riesa bauen ein neues Walzwerk und wollen ihre Stahlproduktion erhöhen. Am Mittwoch wurde der Bau mit einem symbolischen Spatenstich begonnen. Die Inbetriebnahme ist im zweiten Halbjahr 2024 geplant. 100 neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Sorgen bereitet Werksdirektor Uwe Reinecke allerdings die Energiekrise.


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