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Arbeit und Bildung

Zwischen Stress und Glücksgefühl

Wie ist es um die Work-Life-Balance bestellt? Während man in vielen Ländern sogar der Pandemie Positives abgewinnen kann, bleibt man hierzulande skeptisch.

Nicht aus dem Gleichgewicht geraten! Wie es seit Pandemiebeginn um die Work-Life-Balance steht, hat das Kommunikationsunternehmen Avaya untersucht.
Nicht aus dem Gleichgewicht geraten! Wie es seit Pandemiebeginn um die Work-Life-Balance steht, hat das Kommunikationsunternehmen Avaya untersucht. © AdobeStock

Work-Life-Balance – also das Gleichgewicht zwischen Arbeit und dem Rest des Lebens – ist einer jener Begriffe, die immer herhalten müssen, wenn es darum geht, das Spannungsverhältnis von Leistungs- und Genussgesellschaft zu beschreiben.Dabei ist der entscheidende Part die Balance. Und mit der tun sich viele Menschen schwer. Wer zu viel arbeitet, landet im Burnout - der totalen Erschöpfung. Wer nichts oder nur Belangloses zu tun hat, bekommt das Gegenteil zu spüren – im Boreout, einer depressiven Grundstimmung, die sich aus dem Gefühl des Nichtgebrauchtwerdens speist. Und dann kam auch noch Corona. Wie sich die Pandemie auf das Work-Life-Balance-Gefühl entwickelt hat, wollte das Kommunikationsunternehmen Avaya wissen und hat dafür in Zusammenarbeit mit den Marktforschern von Davies Hickman Partners 10.000 Menschen in insgesamt elf Ländern befragt. Immerhin 43 Prozent von ihnen gaben an, sich seit dem Beginn der Pandemie insgesamt unglücklicher zu fühlen.

Die Deutschen sind konservativer

Das hat offenbar auch damit zu tun, dass sich die Grenzen von Arbeits- und Privatleben stärker vermischen. Wenn der Weg vom Homeoffice-Arbeitsplatz bis zum Sofa nur zwei Meter beträgt, ist das theoretisch sehr bequem, kann aber praktisch auch zu Problemen führen. Und wenn der Laptop immer eingeschaltet ist, schaut man eben auch spät abends noch einmal in den Posteingang. Die Folge: Komplett abzuschalten fällt schwer. Dazu kommt die Angst vor Kurzarbeit oder gar der pandemiebedingten Kündigung. Der Freizeitgewinn – etwa durch den Wegfall des Arbeitsweges – wird dadurch weniger positiv bewertet. Das gilt natürlich vor allem in den Lockdown-Zeiten, in denen viele Freizeitaktivitäten ohnehin verboten oder nur eingeschränkt möglich waren.

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Etwas überraschend mag da die Tatsache wirken, dass vor allem Menschen mit Familie vielfach glücklicher im Homeoffice sind - trotz der Doppelbelastung, die sich aus der Bereitschaft im Job, der Kinderbetreuung und dem Haushalt ergibt. Das Vertrauen ihrer Arbeitgeber nannten immerhin 57 Prozent der Befragten als spürbaren Glücksfaktor. Insgesamt fällt aber auch auf, dass man in Deutschland zurückhaltender auf flexible Arbeitszeitmodelle reagiert als anders wo. Während insgesamt 27 Prozent der Studienteilnehmer angab, sich im letzten Jahr glücklicher gefühlt zu haben als im Jahr davor, waren es in Deutschland nur 18 Prozent, bei den Nachbarn in der Schweiz aber immerhin 24 Prozent. Die Offenheit gegenüber Veränderungen in Bezug auf neue Technologien sei in anderen Kulturen offenbar stärker ausgeprägt als in der Bundesrepublik, so Ourania Odermatt, Managing Directorin für Avaya für die Schweiz und Österreich. „Als besonders engagierte Technologie-Enthusiasten“ stechen demnach die Länder des Mittleren Ostens hervor, sagt sie. Großbritannien und die USA bewegen sich im Mittelfeld, während man in Deutschland, Österreich und der Schweiz vergleichsweise konservativ ist, wenn es um die die Begeisterung für neue Arbeitsformen geht.

Dass moderne und ortsunabhängigere Arbeitsmodelle nur mit den entsprechenden technischen Voraussetzungen machbar sind, dürfte spätestens seit der Pandemie jedem klar sein. Den Produktivitätsverlust wegen technischer Probleme hat mehr als die Hälfte der Befragten als größte Hürde im Homeoffice erlebt. Andererseits sehen heute auch viel mehr Menschen die ganz konkreten Chancen der Digitalisierung. Waren die Hemmungen, in Videokonferenzen zu sprechen, anfangs teils hoch, ist diese Form der Kommunikation inzwischen in vielen Branchen Normalität.

Wechsel zum Hybrid-Modell

Der Kompromiss zwischen beiden Welten – das in den letzten Monaten etablierte Hybridformat – kommt derweil Digital-Natives und ihren konservativeren Kollegen gleichsam entgegen. Ein bisschen online, ein bisschen Präsenz im Büro - damit kann man dann auch hierzulande recht gut leben. Insgesamt 60 Prozent der Befragten ist so angetan von der Hybrid-Arbeitsweise, dass sich sogar vorstellen könnten, sich dafür politisch zu engagieren.

Auch hier sind die Deutschen allerdings verhaltener. Hier geben nur 40 Prozent an, dass sie ein hybrides Modell für die tägliche Arbeit favorisieren. Insgesamt wird aber einmal mehr deutlich: Glück macht produktiv. Fast 80 Prozent der Befragten ziehen eine ganz klare Verbindung zwischen dem persönlichen Glücksempfinden und dem Engagement im Beruf.

Die Studie „Leben und Arbeiten nach 2020: Die Wegbereiter der Veränderung“ ist kostenlos downloadbar.

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