Merken

Wirtschaftsfaktor Knast

Dank der JVA hat die Stadt Waldheim mehr Einwohner. Das bringt ihr Geld. Und auch auf Umwegen profitiert sie vom Gefängnis. Der Knast ist jetzt auch für die Waldheimer offen.

Teilen
Folgen
© Archiv/Dietmar Thomas

Von Tina Soltysiak

Waldheim. Seit über 300 Jahren prägt die Justizvollzugsanstalt (JVA) das Waldheimer Stadtbild. Am Wochenende öffnet sie ihre Türen für Besucher. Bei Rundgängen haben sie die Möglichkeit, einen Eindruck vom Gefängnis und dessen Aufgaben zu bekommen. So eine JVA ist für eine Stadt auch ein gewisser Wirtschaftsfaktor. Gut die Hälfte der Inhaftierten ist mit Hauptwohnsitz in Waldheim gemeldet. „Gefangene werden von Amts wegen hier angemeldet, wenn sie zum Zeitpunkt der Inhaftierung über keinen festen Wohnsitz verfügen oder bei der ehemaligen Adresse abgemeldet wurden“, erklärt Vollzugsabteilungsleiterin Ines Riegler auf Nachfrage des Döbelner Anzeigers. Stand Mittwoch sitzen 395 Gefangene in Waldheim ein.

Dass einige von ihnen in der Zschopaustadt registriert sind, hat für die Stadt Vorteile, wie Stephan Gößl, Sprecher des Sächsischen Finanzministeriums, sagt: „Kommunen bekommen vom Land eine Schlüsselzuweisung pro Einwohner. Die ist dementsprechend höher.“ Die Beamten und Beschäftigten sind Landesbedienstete und zahlen Lohnsteuer. Diese wird an die Finanzbehörden abgeführt und schließlich verteilt. Zu wie viel Prozent die Stadt Waldheim von diesen Steuerzahlungen profitiert, kann Gößl jedoch nicht beziffern.

Da die meisten Gefangenen kein Arbeitsverhältnis eingehen, müssen sie auch keine Lohnsteuer abgeben, ergänzt Vollzugsabteilungsleiterin Ines Riegler. Gefangene, die einer Arbeit in der Anstalt nachgehen, erhalten nur geringen Lohn, der keiner Versteuerung unterliegt. „Gefangene des offenen Vollzugs, die im freien Beschäftigungsverhältnis arbeiten, zahlen Lohnsteuer wie jeder normale Arbeitnehmer“, sagt sie. Von der Justizvollzugsanstalt an sich erhalte die Stadt kein Geld, so Ines Riegler. Allerdings würde die Kommune indirekt von der Ansiedlung profitieren. „Die JVA zahlt Gebühren für Abwasser, Müllentsorgung und dergleichen. Diese werden an die entsprechenden Unternehmen abgeführt und kommen somit über Umwege gegebenenfalls der Stadt wieder zugute“, erklärt sie. Oftmals würden auch ortsansässige Firmen mit Arbeits- und Lieferaufträgen in der Anstalt betraut. Auch davon profitiere die Stadt letzten Endes, so Riegler .

Und auch am Wochenende wird die Kommune ihren Nutzen ziehen. Denn zum Tag der offenen Tür – der natürlich nicht wörtlich zu nehmen ist – kommen traditionell Hunderte Besucher, um sich selbst ein Bild von der Haftanstalt zu machen. Im besten Fall entrichten sie Parkgebühren und geben den einen oder anderen Euro in den Cafés und Gaststätten aus.

Neben dem 2012 errichteten Hafthaus 2 können die Bildungs- und Freizeitmöglichkeiten der Inhaftierten besichtigt werden. „Darüber hinaus erleben die Besucher die Arbeit der Sicherheitsgruppe des Justizvollzugs hautnah und können einen Blick in einen Gefangenentransportbus werfen“, kündigt JVA-Sprecherin Michaela Tiepner an. Im Sächsischen Strafvollzugsmuseum erfahren die Gäste außerdem Wissenswertes zu der über 300-jährigen Geschichte des Waldheimer Gefängnisses. „Bei Kaffee, Eis und Gegrilltem können sie mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern der Anstalt ins Gespräch kommen“, ergänzt sie.

Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Der Personalausweis oder der Reisepass ist am Einlass vorzuzeigen. Kleine Handtaschen und Rücksäcke sind zugelassen. Allerdings müssen die Gäste damit rechnen, dass diese auf Inhalt kontrolliert werden. „Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass mit Mobiltelefonen, Fotoapparaten oder Waffen kein Zutritt gewährt wird“, so Michaela Tiepner. (mit DA/mf)