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Wirtschaftsministerium bereits seit Monaten mit Bombardier im Gespräch

Die Politik hält sich zum geplanten Verkauf des Werkes in Görlitz zurück.

© dpa

Von Ulrich Wolf

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Görlitz/Dresden. Nachdem die SZ am Mittwoch Verkaufspläne für das Görlitzer Werk des Schienenfahrzeugbauers Bombardier publik gemacht hat, hält sich die Landesregierung derzeit auffallend zurück.

„Wir befinden uns seit Monaten in intensiven und konstruktiven Gesprächen mit Bombardier“, sagte SPD-Wirtschaftsminister Martin Dulig. Seine Erwartungshaltung sei unverändert: „Konsolidierungspläne eines Konzerns dürfen nicht auf dem Rücken der Belegschaft ausgetragen werden.“ Bombardier habe eine sozialpolitische Verantwortung für die Mitarbeiter, ihre Familien und eine ganze Region. Die Qualität der Produkte und das Fachwissen der Beschäftigten seien eine gute Grundlage für eine Perspektive des Standortes.

Nach SZ-Informationen wollen sich Dulig und Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) Anfang Februar mit Bombardier-Chef Michael Fohrer treffen. Hintergrund ist der Abbau von Überkapazitäten in der europäischen Bahnindustrie. Bombardier will insgesamt 2 200 Stellen in Deutschland streichen, vor allem in Hennigsdorf in Brandenburg und in Görlitz. Es gibt dort bereits einen Sozialplan und ein Freiwilligenprogramm, das bislang vor allem Ingenieure nutzen. Gleichzeitig will der Konzern das Werk in Ostsachsen jedoch zu einem Kompetenzzentrum für den Bau von Wagenkästen aus Aluminium und Stahl entwickeln.

In Görlitz ist kostenseitig vor allem ein Großauftrag für die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) aus dem Jahr 2010 aus dem Ruder gelaufen. Hatten zunächst die Schweizer während des laufenden Projekts immer wieder Nachbesserungen gefordert, geriet dann auch Bombardier in Verzug, weil die in Görlitz gebauten Wagenkästen den vorgesehenen Höchstgeschwindigkeiten von 200 Stundenkilometern im Gotthardtunnel nicht standhielten.

Trotz voller Auftragsbücher soll das Werk in Görlitz 2017 ein Minus von rund 100 Millionen Euro eingefahren haben. Nach SZ-Informationen drängt deshalb die Bombardier-Konzernspitze auf einen Verkauf. Sogar eine Zuzahlung von mehreren Millionen Euro beim Kauf ist im Gespräch, um den vereinbarten Kündigungsschutz bis Ende 2019 zu finanzieren.