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Schub für den Hightechstandort Sachsen

Der Projektträger des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums ist einer der größten Innovationsmanager und Förderpolitik-Berater in Deutschland. Nun hat er Büro in Dresden eröffnet.

Von Nora Miethke
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In diesem Gebäude in der Könneritzstraße in Dresden hat der DLR Projektträger sein Büro.
In diesem Gebäude in der Könneritzstraße in Dresden hat der DLR Projektträger sein Büro. © DLR Projektträger

Seit gut einem Jahr ist der DLR Projektträger in Sachsens Landeshauptstadt Dresden ansässig. Hinter dem etwas sperrigen Namen verbirgt sich im Grund genommen die Innovationsagentur des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt e.V., die im Auftrag von Bundesministerien, Landesministerien und der Europäischen Kommission Strategien und Förderprogramme für Wissenschaft, Wirtschaft und Politik entwickelt und steuert. Inhaltlich geht es vor allem um Forschung, Bildung und Innovation. "Wir verstehen uns als Innovationsmanager, die Antragsteller von der Forschung bis zur Verwertung im Markt durch den Förderdschungel begleiten", erklärt Martin Wegner, Leiter des Fachbereichs Gesellschaft, Innovation, Technologie im DLR Projektträger.

Am Dienstag war die Geschäftsführung unter Leitung von Klaus Uckel nach Dresden gekommen, um gemeinsam mit der Stadt Dresden in einem Festakt auf Schloß Albrechtsberg die Eröffnung des Dresdner Standorts zu feiern. Die Feier musste Corona bedingt verschoben werden. Neben dem Hauptsitz in Bonn unterhält der DLR Projektträger Büros in Berlin, Brüssel, Düsseldorf und nun auch in Dresden. Im vergangenen Jahr betreute der global agierende Dienstleister mit 1.500 Beschäftigten insgesamt über 15.000 Fördervorhaben mit einem Gesamtvolumen von über zwei Milliarden Euro. Er gehört damit zu den größten Projektträgern in Deutschland.

Für Frank Bösenberg, Geschäftsführer von Branchennetzwerk Silicon Saxony e.V. wirft das ein "positives Schlaglicht" auf den Hightech- und Innovationsstandort Ostdeutschland. "Die Eröffnung zeigt, dass wir auf Bundes- und EU-Ebene relevant sind", so Bösenberg. Man habe sich bewusst für Dresden entschieden, "weil hier ein Geist herrscht, der das willkommen heißt, was wir hier tun", betonte Geschäftsleiter Uckel. In Sachsen will der DLR Projektträger vor allem zu den Zukunftsthemen Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Quantentechnologie und Wasserstoff passgenaue Konzepte entwickeln und umsetzen. Da im Freistaat die Sächsische Aufbaubank die Förderprogramme des Landes abwickelt, lag der Schwerpunkt im ersten Jahr in Sachsen auf der Erarbeitung von Gutachten.

Sächsische Potenziale in der Quantentechnologie

So hat die Wirtschaftsförderung Sachsen 2021 den DLR Projektträgter beauftragt, die Potenziale für Sachsen im Bereich Quantentechnologie zu identifizieren. Quantentechnologie ist ein neues Gebiet der Ingenieurswissenschaften, in dem spezifische Eigenschaften der Quantenmechanik ausgenutzt werden, um zum Beispiel die Rechenkapazität von Computer auf ganz neue Level zu heben oder empfindlicher reagierende Sensoren zu bauen. In der Analyse wird ein Überblick über die wichtigsten Akteure und Kompetenzen auf diesem Gebiet in Sachsen gegeben. Die Studie kann auch für das Standortmarketing für den Forschungs- und Innovationsstandort Sachsen genutzt werden.

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Für das Sächsische Wissenschaftsministerium wiederum haben die DLR-Experten und –Expertinnen ein Gutachten zur Überarbeitung der InfraPro-Richtlinie verfasst, in dem Vorschläge für die künftige Ausrichtung der anwendungsorientierten Forschung an Hochschulen und Forschungseinrichtungen gemacht werden. "Wissenschaft muss agil sein. Wir müssen beim Technologietransfer neue Wege gehen, damit Hochschulabsolventen und Forschende hierbleiben und hier ihre Ideen verwirklichen", betonte Andreas Handschuh, bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als Staatssekretär im Wissenschaftsministerium. Es werde schwieriger zu motivieren, so Handschuh.

Im Auftrag des Sächsischen Wirtschaftsministeriums konzipiert der DLR-Projektträger eine internationale Kongressreihe rund um Wasserstoff als Energieträger und Zukunftstechnologie. Ein anderes Zukunftsthema, dem sich die Innovationsmanager in Sachsen widmen, sind Smart Cities. Der Einsatz von intelligenten, digitalen Lösungen sollen Städte effizienter, nachhaltiger, gesünder und sauberer, kurzum lebenswerter, machen. Für die Bundesregierung betreut der DLR-Projektträger die Modellkommunen in Dresden, Brandis, Zwönitz und Leipzig.

Anlass für die Eröffnung des Dresdner Büros war allerdings die Einführung einer steuerlichen Forschungszulage im Jahr 2020. Geprüft und bewilligt werden die Anträge in der Bescheinigungsstelle Forschungszulage (BSFZ) in Dresden. Betrieben wird das BSFZ von einem Konsortium aus VDI Technologiezentrum GmbH, der AiF Projekt GmbH und dem DLR Projektträger.