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Witterung bremst Arbeiten aus

Zu frostig, zu feucht, zu spät: Die Landwirtschaft befürchtet ein schlechtes Jahr. Auch Straßenbauvorhaben stocken.

© Kristin Richter

Von Catharina Karlshaus und Kathrin Krüger-Mlaouhia

Großenhain. Mit ein wenig Glück kommt der Frühling immer dann, wenn man ihn am dringendsten braucht. Doch in diesem Jahr? „Es ist wirklich ganz furchtbar! Von Woche zu Woche ist die Situation nur immer anders schlecht“, sagt Elizabeth Schöne. Wie die studierte Gartenbauerin betont, habe das Wetter auf den Feldern des Ponickauer Spargelhofs enorme Schäden angerichtet. Der Anblick der immer noch unbearbeiteten Flächen sei geradezu deprimierend. Denn abgesehen davon, dass der schützende Schnee gefehlt habe, sei der Januar viel zu mild gewesen und habe der Natur vorgemacht, dass sie sich jetzt entfalten könne.

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Doch so grün wie im Vorjahr ist es derzeit im Spargelhof Ponickau bei Elizabeth Schöne nicht.
Doch so grün wie im Vorjahr ist es derzeit im Spargelhof Ponickau bei Elizabeth Schöne nicht. © Anne Hübschmann

Die Erdbeeren auf dem fünf Hektar großen Feld, so Elizabeth Schöne, hätten das zumindest wortwörtlich genommen. Bis zur ersten Frostperiode hätten sie neue Triebe und Blätter ausgebildet. Der Frost habe das frühzeitige Wachstum natürlich zunichtegemacht. In der wärmeren Woche danach habe sich dann alles wiederholt und in der sich darauf anschließenden zweiten frostigen Welle hätten die Pflanzen endgültig den Rest bekommen. „Ihr Entwicklungsstadium ist jetzt gewissermaßen komplett auf null zurückgefahren. Wir müssen gucken, wie sie sich wieder erholen“, gibt Elizabeth Schöne zu bedenken. Und mit den Erdbeeren nicht genug. Auch beim Spargel schaue es zurzeit alles andere als gut aus. Das sechs Hektar große Feld habe bis jetzt nicht bearbeitet werden können. Zunächst sei der Frost in der Erde gewesen. Nun weiche der zwar zurück, mache aber die Böden feucht. „Laut Wettervorhersage soll es in den nächsten Tagen immer wieder mal regnen. Da wird es noch nasser und wir können nicht drauf.“ Gebraucht würden nun endlich warme Temperaturen, damit man Dämme ziehen und der Spargel wachsen könne.

Straßenbau wurde unterbrochen

Auf besseres Wetter warten auch die Straßenbauer. Auch sie konnten noch nicht so loslegen, wie sie eigentlich wollten. Beim Ausbau der S 100 in Tauscha konzentrieren sich die Arbeiten derzeit laut Plan eigentlich auf die Umverlegung von Medienleitungen. „Derartige Leistungen sind witterungs- bzw. temperaturabhängig und mussten daher unterbrochen werden“, sagt Nicole Wernicke vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr. „Die eng gesteckten Bautermine mit Bauende im Juni werden aus heutiger Sicht jedoch noch erfüllbar sein“, hofft die Mitarbeiterin.

Bei der Fahrbahnerneuerung auf der Staatsstraße nördlich Buschhäuser werden vordergründig Arbeiten am Fahrbahnoberbau ausgeführt. Auch das ist witterungsabhängig. „Derzeit gibt es hier jedoch noch keine Behinderung“, so Nicole Wernicke. Anders beim Ausbau der Staatsstraße nördlich Kalkreuth. Da wird derzeit vordringlich der konstruktive Ingenieurbau an der Brücke über die Große Röder vorangetrieben. Das ist vor allem für die Tierklinik Heigl von Bedeutung, die mitten in der Baustrecke liegt. „Wir haben jetzt erwirkt, dass eine Zufahrt zu uns vom Folberner Kreisel aus möglich ist“, sagt Brigitte Heigl.

In der anderen Richtung ist der TS-Bau Riesa mit der Straße beschäftigt. Noch sind kaum Mitarbeiter auf der Baustelle. Über die neue Röderbrücke soll die Straße gerade Richtung Ort geführt werden. Das dafür verantwortliche Landesamt für Straßenbau hofft auf baldigen Temperaturanstieg, denn die Erneuerung von zehn Kilometern Autobahn auf der A13 zwischen Schönborn und Marsdorf soll Mitte April starten.

Primeln waren chancenlos

Das Wetter fest im Blick hat auch Hans-Jörg Winkler. Der Inhaber der gleichnamigen Baumschule in Priestewitz wartet ebenso wie alle anderen auf mildere Temperaturen. Die Vegetation sei weit zurück und die Schäden, welche der Frost angerichtet haben könnte, noch nicht absehbar. Stiefmütterchen und Primeln hätten überhaupt keine Chance gehabt. Die Kunden hielten sich mit dem Kauf zurück – verständlicherweise. „So schlimm war es lange nicht! Wir können nicht in die Böden rein. Sie lassen sich weder bearbeiten, noch ist es möglich zu pflanzen“, sagt Hans-Jörg Winkler.