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Friedrichs Duell mit einer Bob-Legende

Fünffacher Weltmeister im Zweier ist er schon. Nun wartet der Vierer  - und damit die nächste Rekord-Chance.

Das Lächeln des Dominators: Francesco Friedrich kann bei der WM neue Rekorde aufstellen. © Robert Michael

Schon wieder kann Francesco Friedrich einen Rekord knacken. Erst einmal in der fast 90-jährigen WM-Historie hat ein Bobpilot das Double, also den Sieg im Zweier und Vierer bei einer Weltmeisterschaft, wiederholen können. Gelungen ist das jedoch nicht etwa einem der früheren deutschen Überfahrer, keinem Meinhard Nehmer oder Wolfgang Hoppe, nicht Christoph Langen oder  André Lange. Geschafft hat das der in der Bobszene als Legende verehrte Italiener Eugenio Monti - und zwar 1961 in Lake Placid, nachdem er im Jahr zuvor auf der anspruchsvollen Bahn in Cortina d'Ampezzo gewann. 

Im kanadischen Whistler kann Friedrich nun am Samstagabend (Ortszeit) dieses Kunststück wiederholen und damit erneut mit Monti gleichziehen. Mit seinem Erfolg am vergangenen Wochenende im Zweier hat das der 28-jährige Pirnaer schon einmal vollbracht - durch den fünften WM-Sieg hintereinander. Monti gewann zwischen 1957 und 1961 den Titel in Serie, Friedrich ist seit seiner WM-Premiere 2013 noch immer ungeschlagen.

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Francesco Friedrich ist derzeit das, was Eugenio Monti in den 1960er-Jahren war: das Maß der Dinge im Eiskanal. ©  dpa

Er fühle sich soweit ganz gut, sagte er vor dem ersten Lauf am Freitag um 17 Uhr Ortszeit, also 2 Uhr nachts in Deutschland. Die Verteidigung des WM-Titels von 2017 in Königssee, wo er sich den Sieg mit dem zeitgleichen Johannes Lochner teilen musste, sei aber keine Selbstverständlichkeit. "Auch wenn wir hier Weltmeister mit dem Zweier geworden sind, müssen wir voll konzentriert jeden Lauf angehen", sagt Friedrich.

Er verweist auf die Hochgeschwindigkeitsstrecke von Whistler mit Tempospitzen von bis zu 155 km/h sowie der Fifty-Fifty-Kurve: "Das ist auf jeden Fall die schnellste Bahn der Welt, und die hat es in sich. Die Bahn steht zwar gut und verzeiht auch mal einen Fehler. Doch wenn man vor der Kurve 13 eine Bande kriegt, wird es einfach eng."

Trotzdem gilt Friedrich, der sich in dieser Saison erstmals den Gesamtweltcup in beiden Disziplinen sicherte, als einer der großen Favoriten. Widersprechen mag er nicht wirklich. "Die Liste der Favoriten ist deutlich länger als im Zweier. Aber wenn wir viermal gut starten und viermal gut fahren, ist alles möglich", sagt er.

In einem Besetzungsdetail besser als Monti

Selbst wenn der Kanadier Justin Kripps auf seiner Heimbahn in den Trainingseinheiten auch einige Bestzeiten hinlegte - Friedrichs Schlitten vom österreichischen Bobbauer Hannes Wallner gilt als schnellster des Feldes. "Es wird nicht am Material liegen, nicht am Start, es wird daran liegen, wie Franz in der Bahn mit dem Gerät klarkommt. Ich bin mir sicher, dass er das gut hinkriegt", sagt Anschieber Thorsten Margis und meint seinen Piloten, Spitzname Franz.

Sollte es mit dem WM-Sieg tatsächlich klappen, wäre er Monti in einem kleinen Detail sogar voraus. Denn Friedrich hat anders als der Italiener exakt die gleiche Besatzung an Bord, also Thorsten Margis im Zweier und im großen Schlitten außer dem Hallenser noch Candy Bauer und Martin Grothkopp. Die Weltmeister-Crew von 2017, die vor einem Jahr auch zum Olympiasieg gefahren ist, strahlt mittlerweile eine unglaubliche Sicherheit aus. "Wir sind Perfektion gewohnt, das haben wir uns über die Jahre antrainiert", sagt Grothkopp. Doch auf eine Kampfansage verzichten sie, wie Margis betont: "Das ist nicht unser Stil." (mit dpa)