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Wo Autofahrer nur Rot sehen

Am Güntzplatz steht Dresdens Sinnlos-Ampel. Sie schaltet nie auf Grün, aber kostet 5.500 Euro jährlich.

© Jörn Haufe

Von Jana Mundus

Die Ampel zeigt Rot, Gelb, Grün – erst dann dürfen Autos weiterfahren oder Fußgänger die Straße überqueren. Das lernen die Jüngsten schon im Kindergarten oder von ihren Eltern. An der Ziegelstraße in Dresden könnten Mamas und Papas allerdings in Erklärungsnot geraten. Denn die Ampel, die dort an der Ecke zum Güntzplatz steht, kennt nur eine Farbe: Rot.

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Wer mit dem Auto aus Richtung Landgericht an die Ampel rollt, dem sagt ein Schild, dass er an dieser Kreuzung nur rechts auf die Güntzstraße abbiegen darf. Die Ampel zeigt – wie immer – Rot. Doch gleich daneben ist ein schwarzes Schild mit grünem Pfeil nach rechts angebracht. Das bedeutet: Nach vorherigem Anhalten darf der Autofahrer abbiegen, auch wenn die Ampel noch auf Rot steht. „Deshalb kann auch auf die Grün-Schaltung verzichtet werden“, erklärt Reinhard Koettnitz, Leiter des Dresdner Straßen- und Tiefbauamts. Für diesen Signalgeber, der außer einer Farbe keine andere kennt, zahlt die Stadt allerdings pro Jahr ordentlicht Geld. Instandhaltung und Wartung der Ampel kosten insgesamt 4.700 Euro, für Energiekosten kommen noch einmal 750 Euro pro Jahr dazu.

Die Stadt könnte in Sachen Ampeln Geld sparen, sagt Norbert Brückner vom ADAC Sachsen. „Ich schätze, 100 davon sind in Dresden vollkommen überflüssig“, fügt der Verkehrsexperte hinzu. Würden sie entfernt werden, könnte der Verkehr deutlich flüssiger durch die Stadt rollen. Bereits vor einem Jahr konfrontierte er die Stadt Dresden damit. Nach einem Aufruf in der Sächsischen Zeitung hatten damals viele Leser die für sie ärgerlichsten Ampeln in der Stadt benannt, darunter Ampeln am Albertplatz oder an der Marienbrücke. Amtsleiter Koettnitz blieb damals trotzdem bei seinem Standpunkt: In Dresden gibt es keine sinnlosen Ampeln.

Das bezweifelt Brückner. „Laut Straßenverkehrsordnung müssen Ampeln regelmäßig bei einer Verkehrsschau überprüft werden.“ Auch auf ihre Sinnhaftigkeit hin. Das würde die Stadt Dresden auch tun. „Nur ist das aufwendig. Meist bleibt nicht die Zeit, Ampeln genauer zu prüfen.“ So verrichten viele sinnlose Anlagen immer noch ihre teure Arbeit.

Die Ampel an der Ziegelstraße tut das schon seit 1987. Unverändert zeigt sie seitdem das Dauerrot. Ein Stopp-Schild, das den Autos ebenfalls das Anhalten vor dem Abbiegen vorschreiben würde, ist für die Stadt keine Alternative. „Solange die Ziegelstraße als Zufahrt an den durch Ampeln geregelten Güntzplatz angebunden ist, kann auf den Signalgeber nicht verzichtet werden“, erklärt Koettnitz. Das wäre auch rechtlich so vorgeschrieben. In Zukunft solle die Zufahrt aus Richtung Ziegelstraße aber sowieso gekappt werden. Dann erledigt sich das Kostenproblem von selbst.

Ob es in Dresden weitere Ampeln gibt, die nur Rot zeigen, wollte das Straßen- und Tiefbauamt gestern nicht beantworten. Fest steht allerdings, dass alle 465 Ampeln in der Landeshauptstadt pro Jahr Kosten von fast 1,1 Millionen Euro verursachen. Mit Blick auf die ADAC-Schätzung gäbe es da vermutlich Sparpotenzial. „Eine Ampel zu installieren, ist mit Kosten und Zeit verbunden, sie wieder zu entfernen leider auch“, nennt ADAC-Experte Brückner einen möglichen Grund für das Zögern der Stadt. Die hat zumindest im vergangenen Jahr keine einzige Ampel außer Betrieb genommen.

Eine Lösung für die Ziegelstraße sieht Gunter Thiele vom Lehrstuhl für Verkehrsleitsysteme an der TU Dresden nicht. „Die Vorschriften in Deutschland sind nun einmal so, dass sie dort stehen muss, auch wenn der gesunde Menschenverstand etwas anderes sagt.“ Trotzdem sieht er in Sachen Ampeln in der Stadt Optimierungsbedarf. Gerade mit Eröffnung der Waldschlößchenbrücke müssten Ampelschaltungen genauer geprüft werden. Geld kosten würden allerdings vor allem größere Anlagen wie auf dem Pirnaischen Platz. „Auf die kann die Stadt nicht verzichten.“

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Jana Mundus über die Sinnlos-Ampeln in Dresden

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