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Wo Camping-Träume wahr werden

Der Zeltplatz in Gohrisch gehört zu den besten Europas. Dabei haben die Chefs eigentlich nichts mit Camping am Hut.

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© Katja Frohberg

Von Carina Brestrich

Gohrisch. Das Telefon steht nicht still. Matthias Straßberger greift zum Hörer. Am anderen Ende meldet sich eine Frau, die doch noch eine zweiten Stellplatz für ihren Juni-Urlaub braucht. Auch dieses Jahr will sie den wieder auf dem Caravan- und Campingplatz in Gohrisch verbringen. Und sie hat Glück. „Wer für die Hauptsaison noch buchen will, muss sich ranhalten“, sagt Matthias Straßberger, als er wieder aufgelegt hat. Schließlich ist der Campingplatz, den er zusammen mit Regina Becker betreibt, gefragt. Und das nicht ohne Grund. Als einer von wenigen in der Sächsischen Schweiz trägt er nicht nur vier Sterne, sondern gehört auch zu Europas besten. Ermittelt hat dies die Internetplattform camping.info. Die Seite ist eine der meist besuchten Camping-Seiten Europas. Fans des Reisens mit Zelt, Wohnmobil oder Wohnwagen können dort Campingplätze nach verschiedenen Kriterien bewerten. So wurden 2015 etwa 95 000 Einschätzungen für rund 24 000 Campingplätze in ganz Europa abgegeben. Wie schon in den Vorjahren hat camping.info daraus die 100 Besten errechnet. Der Gohrischer Zeltplatz hat es dabei auf Platz 16 geschafft – und sich damit erneut gesteigert. In den beiden Vorjahren campierte der Platz auf den Rängen 18 und 30.

„Das Schöne ist, dass es ein Publikumspreis ist“, sagt Matthias Straßberger über das Ergebnis. Bei den Gästen punkten konnte der Platz vor allem bei der Sauberkeit seiner Sanitäranlagen. In dieser Kategorie hat der Campingplatz sogar die besten Ergebnisse von allen. „Es reicht eben nicht, nur alle paar Jahre die Wände zu streichen oder die Toilettenbürste zu wechseln“, sagt Straßberger. Der Geschäftsführer sieht neben Sauna, Pool, Fahrrad-Shuttle und der eigenen Panorama-Gaststätte noch einen weiteren Grund für die Beliebtheit seines Platzes: „Es ist der persönliche Kontakt“, sagt er. Bei 76 Stellflächen und sieben Angestellten in der Hauptsaison sei die Atmosphäre sehr familiär: „Unsere Gäste werden persönlich begrüßt und jeden Abend dreht einer von uns eine Runde, um auch mal das ein, oder andere Schwätzchen zu halten“, sagt er.

Ihre Zelte aufschlagen können die Gäste in Gohrisch seit 2008. Zuvor befand sich auf dem Areal das Gohrischer Freibad. Nach seiner Schließung im Jahr 2000 lag die Fläche brach – bis Regina Becker und ihr Mann die Idee hatten das Grundstück zu kaufen, das Schwimmbecken zuzuschütten und das Sanitärgebäude für Camper umzubauen. Und das, obwohl die Beckers und ihr Geschäftspartner bis dahin nichts mit Camping am Hut hatten, weder beruflich noch privat. Regina Becker etwa betreibt mit ihrem Mann ein Baugeschäft, Matthias Straßberger ist Prokurist bei der Schiffswerft Oberelbe. „Für uns ist der Campingplatz gewissermaßen Hobby und Altersvorsorge in einem“, sagt sie.

Kein Arme-Leute-Urlaub

Dass sie und ihr Team auch ohne eigene Erfahrung wissen, was das Camper-Herz begehrt, beweisen nicht nur die guten Bewertungen im Internet. Seit der Eröffnung des Platzes steigen auch stetig die Besucherzahlen. Insgesamt 31 000 Übernachtungen zählte der Gohrischer Campingplatz voriges Jahr. Gegenüber 2014 sind das zehn Prozent mehr. Tendenz: steigend. „Der Camping-Urlaub ist längst kein Arme-Leute-Urlaub mehr“, sagt Regina Becker. Schließlich komme man in Gohrisch mit rund 30 Euro pro Nacht den Preisen für eine Ferienwohnung nah, und auch Wohnwagen und Ausrüstung sind nicht ganz billig, sagt sie. So sind es neben älteren Paaren auch Familien, die nach Gohrisch kommen. Der Großteil seien Deutsche, darunter vor allem Sachsen, gefolgt von Niederländern und Schweizern. „Wir spüren bei den Gästezahlen deutlich den Trend zur Naturverbundenheit. Viele schätzen auch die Möglichkeiten, die das Reisen mit Wohnwagen und Wohnmobil bietet.“

Für dieses Jahr planen Regina Becker und Matthias Straßberger, ihr Hobby noch ein wenig auszuweiten. So sollen auf dem Campingplatz 15 weitere Stellflächen entstehen. „Wir werden dann auch das Sanitärgebäude entsprechend vergrößern, so wie es die Vier-Sterne-Richtlinie verlangt“, kündigt Matthias Straßberger an. Schließlich wolle man das Niveau halten: „Das ist unsere größte Herausforderung. Jedes Jahr aufs Neue.“