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Wo der Schnee liegenbleibt

An einigen Stellen will die Stadt die Straßen nicht mehr räumen – und dadurch nicht nur ihre Technik schonen.

© Grafik/SZ

Von Eric Weser

Strehla. Der städtische Winterdienst in Strehla wird umgebaut: Künftig sollen die Bauhof-Mitarbeiter, die bei Schneefall ausrücken, einige Straßen im Stadtgebiet (siehe Karte) nicht mehr räumen. Das kündigte die Stadtverwaltung im Technischen Ausschuss an. Der Stadtrat muss noch abschließend über die Pläne abstimmen.

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Für die geplanten Einschnitte gibt es der Stadt zufolge vor allem technische Gründe. So kämen die Winterdienstfahrzeuge – ein Unimog und ein Multicar – im Winter kaum in bestimmte Straßen hinein, so Bauhof-Chef Sven Pietsch. Besonders eng werde es zum Beispiel im Wohngebiet am Collmblick. Dort seien Hecken und Gebäude teils so nah an der Straße, dass unfallfreies Rangieren zum Glücksspiel werde. Im Winterdienst seien die ansonsten kompakten Kommunalfahrzeuge durch das Räumschild vorn und den Streuaufsatz hinten deutlich länger und breiter. Gerade in Stichstraßen könne dadurch schlecht gewendet werden.

Anderswo sind die Straßen breit genug, dafür macht die Straßenoberfläche Probleme. Etwa am Oppitzscher Weg mit seinem groben, huckeligen Pflaster. Mit heruntergelassenem Schiebeschild könne man dort nicht fahren, ohne die Technik „massiv zu beschädigen, so der Bauhof-Leiter. Wegen der miserablen Räumqualität hält man es im Rathaus für besser, den Schnee liegenzulassen, da auf einer festen Schneedecke mitunter sogar besser gefahren werden könne. Als erfolgreichen Testlauf dafür sieht Stadtchef Jörg Jeromin (FWG) den Ortsteil Görzig, wo im vorigen Winter wegen des Abwasserbaus teils nicht geräumt werden konnte. Jeromin unterstrich, die Stadt plane die Änderungen „nicht, weil wir faul sind“. Sondern weil das Räumen an den ausgesuchten Stellen keinen Sinn mache. Es helfe auch keinem, wenn die Räumtechnik beschädigt werde oder ausfalle.

Die Stadträte signalisierten im Ausschuss ihre grundsätzliche Zustimmung, einige machen sich aber auch Sorgen. Heiko Zscheile (FWG) erkundigte sich nach möglichen Problemen für Rettungsdienst oder Feuerwehr – und ob die Stadt im Fall des Falles juristisch angreifbar werde, wenn die Retter wegen ungeräumter Straßen nicht rechtzeitig zum Einsatzort gelangen. Stadtchef Jeromin verneinte das mit Verweis auf das Sächsische Straßengesetz.

Träger des Rettungsdienstes in der Region ist die Rettungsdienst Riesaer Elbland gGmbH. Deren Chef Reiko Pöschl sagt: Widrige Wetter- und Straßenverhältnisse, auch ungenügend geräumte Straßen, seien ein Problem für seine Mitarbeiter. Die gesetzliche Vorgabe, bei 95 Prozent der Einsätze binnen zwölf Minuten am Einsatzort zu sein, sei wegen der Standortverteilung der Rettungswachen mitunter schon bei guten Wetter- und Straßenverhältnissen schwierig umzusetzen. Um schnellstmöglich Hilfe leisten zu können, sei es notwendig, „so nah es geht zum Notfallort ranfahren zu können“. Dafür seien freie und gut befahrbare Straßen unerlässlich.

Andere Kommunen schränken nach eigenem Bekunden den Winterdienst nicht ein. „Die Stadt Gröditz hat entsprechende Technik und Hilfsmittel, um den Anforderungen gerecht zu werden“, sagt der dortige Stadtchef Jochen Reinicke (parteilos). Straßenbreite und -zustand spielten keine Rolle. Auch in Riesa gebe es keine Bereiche, die aus Prinzip nicht beräumt werden, so Stadtsprecher Uwe Päsler.