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Wo die Titanic anlegt und Drachen landen

Der Wittichenauer Rosenmontagsumzug zog wieder tausende Besucher an – Höhepunkt der 313. Saison.

„Serbski Airline“ der Crazy-Crew Saalau: „Eine Fluglizenz brauchen wir keine ...“ © Foto: Gernot Menzel

Von Silke Richter

Von wegen: Die Titanic ist untergegangen! Sie wurde am Rosenmontag zunächst zwischen Maukendorf und Wittichenau gesichtet. An Deck glänzend gelaunte Matrosen und ein Kapitän. Sie winken den Autofahrern fröhlich zu. Da kann einfach keine schlechte Laune aufkommen, auch wenn die Geschwindigkeit des Gefährts (es sitzt ja schließlich auf dem Trockenen, was meint, einem Umzugswagen) sehr zu wünschen übrig lässt. Dann erreicht die Titanic den Gasthafen von Wittichenau, und wenn irgendwo Ausnahmezustand herrscht, dann nicht auf der Titanic, sondern im Stadtzentrum. Überall Konfetti, Musik, Plastikbecher und Girlanden. Hier wird seit ein paar Tagen, so wie jedes Jahr, kräftig Karneval gefeiert. In der Hochburg unverzichtbar!

Mit allem, was dazu gehört. Der Weiberfaschingsumzug mit über 800 teilnehmenden Frauen und die Faschingsabende am Wochenende sind zu diesem Zeitpunkt bereits Geschichte. Die 313. Saison steuert in wenigen Minuten ihrem Höhepunkt entgegen. Es ist hier völlig normal, dass an (fast) jedem Wohnungsfenster lustige Bilder, Masken und bunte Luftballons hängen, Clowns in herrlich verrückten Kostümen mit Fahrrädern durch die Innenstadt sausen und Männer mit (heißen) Hotpants, weißen Socken und Badelatschen über den Marktplatz laufen.

Die letzten Vorbereitungen für den Rosenmontagsumzug laufen jetzt auf Hochtouren. Die ersten Wagen und Fußgruppen haben sich unweit des Kindergartens in der August-Bebel-Straße versammelt. Hier ist der Startpunkt für den Umzug, bei dem über 100 Bilder zu sehen sein werden.

Noch ist es relativ ruhig auf den Straßen. Heidemarie Bär aus Rachlau schlendert gemütlich über den Asphalt. Sie sei jedes Jahr dabei, weil sie den Umzug so gern anschaue und vor allem den Jubel und Trubel drumherum so mag, erklärt die Zuschauerin, bevor sie sich einen guten Platz in der ersten Reihe sichert. Peter Robel aus Keula fährt mit seiner Pferdekutsche über den Markt. Der Senior winkt. Seine gute Laune wirkt ansteckend auf die ersten wartenden Zuschauer. Langsam wird es enger hinter den Absperrungen. Eine Familie teilt sich deshalb auf. Die Männer gehen Bier holen, während die Frauen und Kinder die Stellung halten. Gudrun Wiens ist mit ihrem Mann zum ersten Mal dabei. Das Ehepaar ist sehr gespannt. „Früher hatten wir immer keine Zeit dazu. Jetzt sind wir Rentner und wollen uns überraschen lassen. Am Sonntag waren wir schon in Cottbus beim Fasching. Es wird ja immer erzählt, wie schön es hier in Wittichenau sein soll. Wir lassen uns heute überraschen“, gibt sich die Hoyerswerdaerin vorfreudig.

Dann geht es endlich los: Mit Blasmusik und „lebenden“ Musikinstrumenten, gefolgt von mannshohen Dickköpfen – und einem märchenhaften Auftritt hoch zu Pferde, angelehnt an „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel.“ Weiter, immer weiter geht das Defilee der Wagen und des Fußvolks; zweimal wird das Karree umrundet: Wer zählt die Gruppen, nennt die Namen ...

Dann folgen Rathaussturm und Machtübernahme, alles versinkt endgültig im Frohsinnsfeiertaumel. Na und? Das muss einfach so sein: Auch heute tobt noch das pralle Leben, und vorbei ist der Fasching in Wittichenau erst am morgigen Aschermittwoch. Aber dann beginnt ja eigentlich schon die Vorbereitung der 314. Saison ...