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Wo Dresdner einst Trainingshosen kauften

© René Meinig

Das markante Hochhaus an der Ecke zum Pirnaischen Platz ist fast fertig saniert. Viel Originales blieb erhalten.

Von Jana Mundus

Turnhosen, Gymnastikanzug, Sportschuhe. Viele Dresdner kauften sich zu DDR-Zeiten ihre Sportbekleidung im Haus auf der damaligen Ernst-Thälmann-Straße. Das Geschäft hatte zwei Etagen. Eine geschwungene Treppe führte ins erste Obergeschoss. Die sportlichen Zeiten sind vorbei. Zuletzt war ein Taschenladen in den Räumen zu Hause, bevor auch der vor ein paar Jahren auszog. Heute hat das markante Haus am Pirnaischen Platz eine neue Adresse: Wilsdruffer Straße 3. Das Immobilienunternehmen Deutsche Wohnen AG will ihm nun eine neue Geschichte geben.

Mit Schwung in die Geschichte: Die markante Treppe im Eckhaus am Pirnaischen Platz ist auch nach der Sanierung Blickfang im Gebäude. Architektin Delia Köhler und Projektleiter Oliver Koch haben hier einen modernen Gewerbestandort geschaffen. © Sven Ellger

Der raumhohe Wandfries im Erdgeschoss versprüht nostalgischen Charme. Verschiedene Sportler sind darauf zu sehen. Ein Gewichtheber oder auch ein Kanute im Kanadier. Die Darstellung ihrer Körper ist eher grob als filigran. Eher kantig als schwungvoll. „Das ist ganz typisch für seine Entstehungszeit“, sagt Architektin und Projektleiterin Delia Köhler. Zwischen 1959 und 1960 wurde das Haus gebaut. Aus dieser Zeit stammt auch die Gestaltung im großen Verkaufsraum in der untersten von acht Etagen. Seit November 2015 läuft die Sanierung des dankmalgeschützten Hochhauses. Dabei wurden auch der Wandfries und die dekorative Treppe wieder aus ihrem Dornröschenschlaf geholt. Schon bald sollen vor ihnen wieder Kunden stehen, wenn auch nicht unbedingt in einem Sportladen. „Wir suchen derzeit noch einen Mieter für die beiden Etagen“, erklärt Oliver Koch, kaufmännischer Projektleiter. In wenigen Wochen ist der Rohbau fertig. Mit dem potenziellen neuen Mieter soll danach die weitere Gestaltung der Verkaufsräume abgestimmt werden.

Bis Ende Juni 2015 hatte das Gebäude noch der Stadt gehört. Ein paar Verwaltungsbüros waren damals noch dort untergebracht, Künstler nutzten Flächen. Laut Stadtratsvorlage wurde es dann für 1,3 Millionen Euro an die Hirmer-Immobilien GmbH verkauft. Für 7,4 Millionen Euro plante diese damals die Sanierung des Wohn- und Geschäftshauses. Letztlich verkaufte sie das Objekt aber an die Deutsche Wohnen weiter, der bereits 3 000 Wohn- und 90 Gewerbeeinheiten in Dresden gehören. Wie viel nun in die Sanierung gesteckt wurde, verrät der neue Besitzer nicht. „Wir haben einen mittleren einstelligen Millionenbetrag investiert“, sagt Pressesprecher Julian Pinnig nur.

Die weiteren sechs Etagen werden in den nächsten Monaten ebenfalls vermietet. Vielleicht kommt sogar der Vertrag mit einem großen deutschen Kreditunternehmen zustande, mit dem gerade verhandelt wird. Das würde die restlichen Etagen gleich alle auf einmal nutzen. Bei der Gestaltung orientierte sich die Deutsche Wohnen an der ursprünglichen Bauweise. Ein für die Planungen zuständiges Berliner Büro recherchierte dafür aufwendig in alten Dokumenten und mittels historischer Fotografien. „Wir haben beispielsweise die Terrazzoböden im Treppenhaus wiederherstellen können“, erklärt Delia Köhler. Die alten Lampen wurden gesichert und werden derzeit zu Notleuchten umgebaut. Auf den einzelnen Etagen findet sich jeweils ein langer Flur, von dem es durch zahlreiche Türen in die Büros abgeht. Im zweiten Obergeschoss sind über den Türen noch die originalen Oberlichter vorhanden. „Das sieht fantastisch aus“, findet die Architektin. Leider seien sie an anderen Stellen nicht mehr vorhanden gewesen.

Durch das Treppenhaus mit seinem eng laufenden Geländer gelangen Besucher auch in die siebente Etage. Ein Highlight des Hauses. Etwas zurückgesetzt ist es rundherum komplett verglast. Von dort aus lässt sich wunderbar über die Dresdner Innenstadt blicken. Wer will, kann nach draußen treten und durch einen Säulengang das Gebäude umrunden. „Vielleicht findet der neue Mieter eine Möglichkeit, dass diesen Ausblick in Zukunft möglichst viele genießen dürfen“, hofft Oliver Koch. Das Gerüst am Gebäude ist bereits gefallen. Die Dresdner sehen das Hochhaus an der Ecke zum Pirnaischen Platz in neuem Gewand.