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Wo eine Taschenlampe Leben retten kann

Es gibt viele Tote, Krankheiten drohen, überall zerstörte Häuser: Der Mexikaner José Luis Galindo Burke startet eine Hilfsaktion für Erdbebenopfer in seiner Heimat.

Von Theresa Hellwig

In der Stimme von José Luis Galindo Burke klingt Herzblut mit. Er spricht schnell, die Stimme überschlägt sich fast. „Ich komme aus Puebla, in Mexiko. Die Gegend wurde vom Erdbeben hart getroffen“, erzählt er. Allein hier sollen am 19. September 50 Menschen ums Leben gekommen sein. In ganz Mexiko gab es 369 Todesopfer. Wie viele Menschen nun unter den Folgen der Naturkatastrophe leiden, ist unklar.

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Galindo Burke selbst war dort, als das erste Beben kam, in seiner Heimat. Viele seiner Freunde sind betroffen. „Das Ausmaß der Zerstörung ist kaum vorzustellen“, sagt der 52-jährige Dresdner. 1996 kam er nach Dresden, wegen der Liebe. „Geblieben bin ich dann wegen der Liebe, wegen des Berufs und der Liebe zur Stadt“, erklärt er und lacht. Dann ändert sich die Stimmung. Der Spanischlehrer an der Volkshochschule klingt niedergeschlagen, als er erzählt, wie es in seinem Heimatland gerade aussieht. „Der Aufbau wird Monate, wenn nicht sogar Jahre, dauern.“ Doch die Katastrophe reicht noch weiter: Leichen und Tierkadaver übertragen Krankheiten, und bald kommt der Winter – und mit ihm die Grippewelle. Besonders die ärmere Bevölkerung wird darunter leiden.

Galindo Burke möchte nicht einfach abwarten, die Bilder im Fernsehen sehen oder nur am Telefon von seinen Verwandten davon hören. Er möchte aktiv werden. Deshalb hat er eine Hilfsaktion ins Leben gerufen; gemeinsam mit der Asociación Cultural Iberoaméricana (ACI), einem Verein, der die spanische und portugiesische Sprache und Kultur pflegen möchte. Etwa 8 000 Mundschutze, Kleidung und Einweghandschuhe haben die Freiwilligen schon gesammelt. Eine Tonne Hilfsgüter möchten sie zusammenbekommen und dann in einem Container nach Mexiko schicken. Dort sollen die Güter in der Gegend um Puebla und Atlixco, süd-östlich von Mexiko-Stadt, verteilt werden. Schon bald, so ängstigt sich Galindo Burke, werden die Medien – und mit ihnen die Menschen überall auf der Welt – die Hilfsbedürftigen in den Dörfern und Kleinstädten vergessen haben. Anders sei es in den großen Städten, in denen Unternehmen und Banken sitzen.

Galindo Burkes Mutter betreibt eine Schule in Puebla. Über diese sollen die Hilfsgüter verteilt werden. Lehrer und Eltern wollen helfen, viele von ihnen hat es nicht ganz so schlimm getroffen. „Da ist dies für sie selbstverständlich“, sagt Galindo Burke. „Die Solidarität in Mexiko ist vorbildlich.“ Wer ein Auto hat, der wird die Güter zu den Betroffenen fahren. Naturkatastrophen sind für Mexikaner kein neues Übel. „Die Gegend hat bereits traurige Erfahrung mit Erdbeben“, erzählt Galindo Burke. Vor 32  Jahren starben hier bei einem Beben 10 000 Menschen.

Nun gibt es wieder Hilferufe. Wer helfen möchte, der kann Spenden im Vereinshaus im Bischofsweg 74 in der Neustadt abgeben. „Stellen Sie sich das vor. Sie haben kein Dach über dem Kopf und müssen nachts aufs Klo. Es gibt Skorpione und Spinnen. Ein Licht kann da Leben retten“, erklärt Galindo Burke. Deshalb freut sich der Verein über Taschenlampen, aber auch Betten und Desinfektionsmittel werden benötigt. Geldspenden, beispielsweise für die Finanzierung des Transports der Hilfsgüter, nimmt die ACI ebenso gerne entgegen. Noch bis zum 23. Oktober läuft die Aktion, dann soll der Container auf die Reise gehen. Möglichst randvoll.