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Wo es beim Tourismus klemmt

In der Oberlausitz stagnieren die Besucherzahlen, in der Sächsischen Schweiz klettern sie. Woran liegt das?

Wassersportler vergnügen sich auf dem Berzdorfer See. Im vergangenen Sommer waren hier an manchen Tagen mehr als 60 Windsurfer und eine Handvoll Kitesurfer auf dem Wasser zu beoachten. © SZ-Archiv / Danilo Dittrich

Der lange und heiße Sommer wirkte sich auch auf die Besucherzahlen in der Oberlausitz aus. Campingplätze und Quartiere in Wassernähe lockten mehr Besucher als die historischen Altstädte. So wurden allein auf Campingplätzen 248 438 Übernachtungen gezählt, ein Plus von mehr als zehn Prozent gegenüber 2017. In der Stadt Görlitz hingegen sagten Besucher 277 811 Mal „Gute Nacht“ – ein Minus von rund sechs Prozent gegenüber dem Jahr zuvor. Das Zahlenwerk des Statistischen Landesamtes Sachsen erfasst allerdings nur Beherbergungsbetriebe mit mindestens zehn Betten.

Die SZ fasst das Tourismusjahr 2018 in der Oberlausitz zusammen.

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Wie ist das vergangene Jahr aus touristischer Sicht gelaufen?

Die Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien mbH (MGO) bezeichnet das Tourismusjahr 2018 insgesamt als „solide“. Die Zahl der Touristen-Ankünfte in der Region sei gegenüber 2017 leicht um 1,1 Prozent auf 717 560 gestiegen. Die Angereisten blieben im Durchschnitt 2,6 Tage und übernachteten insgesamt 1 893 751 Mal – ein leichter Rückgang um 0,1 Prozent gegenüber dem Rekordjahr 2017.

Wie steht die Oberlausitz im Sachsen-Vergleich da?

Hier ist in mehrfacher Hinsicht noch „viel Luft nach oben“, sagt MGO-Geschäftsführer Olaf Franke.

Erstes Beispiel: die Auslastung der Betten. 15 134 Übernachtungsmöglichkeiten bieten Beherbergungsbetriebe insgesamt an. Statistisch gesehen, blieben zwei von drei Betten leer – die Auslastung lag bei genau 33 Prozent. Im Vogtland waren die Gästebetten zu 48 Prozent ausgelastet, in der Sächsischen Schweiz zu 43,6 Prozent.

Zweites Beispiel: die durchschnittliche Aufenthaltsdauer. Diese lag mit 2,6 Tagen zwar über dem Sachsen-Durchschnitt von 2,4 Tagen. Aber: In diese Zahl fließen auch die großen Städte Dresden, Leipzig und Chemnitz ein. Hier bleiben Wochenend- und Dienstreisende meistens eine Nacht, höchstens zwei Nächte. Zum Vergleichen eignen sich eher Zahlen aus anderen Tourismus-Regionen. So lag die Auslastung der Betten im Vogtland bei 4,1 Tagen, in der Sächsischen Schweiz bei 3,3 Tagen.

Drittes Beispiel: die stagnierenden Übernachtungszahlen mit minus 0,1 Prozent. Dagegen legten andere Regionen richtig zu. Der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH zufolge gab es die größte Steigerung in Leipzig – plus 6,5 Prozent. In der Sächsischen Schweiz wurden sechs Prozent mehr Übernachtungen registriert als 2017, im Vogtland drei Prozent.

Was macht die Oberlausitz falsch und die Sächsische Schweiz richtig?

So gestellt, vergleicht die Frage und jede Antwort darauf Äpfel mit Birnen. Werbung für die Sächsische Schweiz kann sich ganz auf die Felsenlandschaft konzentrieren. Die Marketing-Leute in der Oberlausitz müssen das Kunststück versuchen, von der Seenlandschaft über alte Städte bis zum Mittelgebirge alles unter einen Hut zu bekommen. In der Sächsischen Schweiz sind alle Kräfte in einem Tourismusverband gebündelt. In der Oberlausitz gibt es außerdem sechs Touristische Gebietsgemeinschaften und die Stadt Görlitz, die sich um ihre Mini-Regionen kümmern.

Treffender wäre die oben genannte Frage so formuliert:

Was kann die Oberlausitz von der Sächsischen Schweiz lernen?

Zum Beispiel, mehr Angebote außerhalb der Saison zu schaffen. Die Sächsische Schweiz schaffte mehr als die Hälfte ihres Gäste-Zuwachses in den ersten drei und den letzten zwei Monaten des Jahres. Die Angebote heißen zum Beispiel Wellness-Wochenende oder Winter-Auszeit. „Hier sind die Gastgeber vor Ort gefragt“, resümiert Olaf Franke.

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