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Wo gibt’s das billige Wildschwein?

Oft war jetzt von fallenden Preisen und einem Überangebot Fleisch die Rede. Aber so einfach ist das nicht.

© dpa

Von Reiner Hanke

Kamenz/Rödertal. Preisverfall beim Wildschweinfleisch: Das war jetzt immer wieder mal zu hören. Und Freunden eines deftigen Stückes Braten aus der Röhre klang das sehr gut in den Ohren. Beim Blick auf die Preise in Kühltruhen der Händler in der Region gefriert der Blick auf das eisige Fleisch schnell. Dabei sollte es doch anders sein. Hintergrund ist die Afrikanische Schweinepest, die sich aus Osteuropa Richtung Deutschland verbreitet. Deshalb sollen die Jäger das Schwarzwild verstärkt aufs Korn nehmen, die Population ausdünnen. Damit sollte sich das Risiko verringern, die Krankheit zu verbreiten.

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Zutritt nicht verboten, sondern erwünscht

Den Politikern über die Schultern schauen und die Zeitungsproduktion live erleben – das geht auch zusammen. 

Das Fachportal Top-Agar vermeldete sogar: Durch den Preisverfall wird Jagd auf Schwarzkittel für viele Jäger zum Zuschussgeschäft. Für ein einzelnes Tier, seien teilweise nur noch 60 Cent pro Kilogramm zu erzielen. Insbesondere im Raum Brandenburg und Mecklenburg. Das sollte sich auch an der Ladentheke auswirken. Denn 20 Euro oder mehr an der Kasse fürs Kilo, das macht einen solchen Braten schon zum Luxusgut für Feiertage. Was ist nun mit dem Braten für zwischendurch, der ja auch als mager und gesund beworben wird. Die Jagd nach dem günstigen Wild ist gar nicht so einfach. Dirk Synatzschke, Mitarbeiter für Gebietsentwicklung im Naturschutzgebiet Königsbrücker Heide, hat gerade zwei Wildschweine in der Kühlkammer hängen. Manchmal sind es auch sechs oder sieben – wie die Jäger sie bringen. Jetzt beginne aber die Frischlingszeit, da werde das Aufkommen geringer. Motiviert durch den Ruf der Politik, sei in der Tat mehr geschossen worden, sagt er.

Sogar Treibjagden habe es wieder gegeben, zum Beispiel in der Gohrischheide. In diesem Jahr – also in der Saison 17/18 – seien auch in der Königsbrücker Heide so viele Wildschweine wie noch nie geschossen worden. Über 60 Stück. In normalen Jahren eher um die 50. Das Kilo kostet knapp 2,70 Euro. Allerdings ist das nur etwas für Profis in der Fleischverarbeitung. Wer hier zuschlagen will, muss den Braten mit allem drum und dran, mit Knochen und Decke – also dem Fell – kaufen und verarbeiten. Aber die Wenigsten sind Fleischer. Ein Abnehmer ist der Fleischgroßhandel in Dresden. Der sei voll mit Wildschweinfleisch. Der Aufkaufpreis sei um einen Euro pro Kilo gesunken. Aber so weit wie in Brandenburg seien die Preise in Sachsen aus seiner Sicht nicht im Keller.

Preise eher für den Großhandel

Im Forstbezirk Oberlausitz kennt sich Martin Steinbrenner mit der Materie aus. Auch er bestätigt: Im Forstbezirk Oberlausitz sind deutlich mehr Schwarzkittel erlegt worden. Im Jahr 2017 waren es rund 3,8 Tonnen. Dies ist eine Steigerung um rund 35 Prozent gegenüber dem Jagdjahr zuvor mit 2,8 Tonnen. Und das Mehrangebot muss sich ja auch mal an der Ladentheke auswirken. Steinbrenner ist sich sicher, die Preise sind im Abwärtstrend. Er spricht von einem Minus von um die 20 Prozent. Das Fleisch müsse ja auch raus, sonst verderbe es. Absatzsorgen gebe es aber keine. Obwohl es sich schon eher um ein Luxuslebensmittel handele. Die Keule ohne Knochen kostet jetzt 18,73 Euro/kg, der Braten 14,45 Euro/kg, das Gulasch 12,84 Euro/kg. Dafür werde das Wildbret auch mit viel Liebe zerlegt und aufgeschnitten. Allerdings sind die Verkaufsstellen eher dünn gesät. Die nächste in Hoyerswerda.

Fachhändler in Sachen Fleisch ist die Tiefkühlkost Hauswalde. René Hertel ist hier der Verkaufsleiter. Es sei schon etwas mehr Schwarzwildbret auf dem Markt, schätzt er ein. Zumal die Jäger länger schießen würden als üblich. Zwischen fünf und zehn Prozent sei der Preis bei der Tiefkühlkost runtergegangen. Bei 9,35 Euro liegt die ausgelöste Keule derzeit netto. Aber das seien eben Großhandelspreise für Großpackungen, sagt der Verkaufsleiter. Da muss sich ein Kunde schon mit größeren Mengen eindecken. Nichts für Otto Normalverbraucher und nicht mit den Läden zu vergleichen. Davon hat der Fleischer Korch 25, winkt aber gleich ab. Das Unternehmen beziehe Wild nur von Zuchtfarmen. Damit wirke sich das Jagdgeschehen nicht auf die Preise aus. Das könnte eine Erklärung sein.

Mehr Aufwand

Kaufland als großer Einzelhändler kann zumindest kein „dauerhaftes Überangebot bestätigen“. Gegen Ende des Jahres seien mal größere Posten bei den Wildsammelstellen angekommen, das lasse jetzt aber wieder nach. Und auch die Preise sind für Wildschwein aus dem Frost eher die gewohnten: Das Kilo Wildschweingulasch für knapp 14 Euro oder ein Rollbraten für 16,90 Euro. Der Braten kann aber auch knapp 25 Euro das Pfund kosten.

Wildfleischer Mario Hornig aus Laußnitz bringt es auf den Punkt. Im Keller seien – zumindest teilweise – eben nur die Aufkaufpreise. 80 Cent pro Kilo komme schon vor – 2,50 bis 3 Euro sei normal. „Von so einem Wildschwein schmeißen Sie aber 50 Prozent oder noch mehr weg und die Arbeit, der hohe Aufwand beim Zerlegen ist immer dieselbe“, sagt er. Da würden 1 oder 2 Euro beim Aufkaufpreis pro Kilo weniger in der Kalkulation kaum ins Gewicht fallen. Braten aus der Keule kostet z. B. bei ihm immer um die 15 bis 18 Euro, vielleicht mal etwas weniger. Eine Schwemme könne er nicht ausmachen.

Also bleibt der Wildschweinbraten ein Luxusgut? Immerhin – ein paar kleine Unterschiede gibt es schon. Auf dem Markt in Kamenz verkauft Woche für Woche die Firma Marion Steinert Wildbret. Als offizielle Aufkaufstelle von den Jägern. Bei ihm liege die besagte Keule bei 15 Euro/kg. Die Preise seien stabil, schätzt er ein. Aber vielleicht komme der Preisrutsch ja noch.

Die Wildverkaufsstelle des Forstbezirkes Oberlausitz hat jeden Mittwoch von 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet und befindet sich in Hoyerswerda auf dem Kastanienweg 5b. Im Juni, Juli und August ist der Verkauf geschlossen.