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Wo in Döbeln der Biber wohnt

Die Tiere besiedeln die kleinen Bäche. Angst vor Menschen haben sie kaum. In Stockhausen leben sie mitten im Dorf.

© Jens Hoyer

Von Jens Hoyer

Döbeln. Sie sind mitten unter uns. Die Biber, vor 20 Jahren noch eine Seltenheit, haben sich ausgebreitet und nehmen mittlerweile auch kleine Gewässer in Beschlag. In Döbeln gibt es an den Bächen derzeit mindestens fünf Biberreviere – ganz problemlos ist das in der Kulturlandschaft nicht immer. Denn Meister Bockert – wie er in der Fabelsprache heißt – ist ein großer Wasserbaumeister. Scheu vor dem Menschen kennt er kaum.

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Der kleinere Damm im Biberrevier an der Zschepplitzer Straße wird weggeräumt. Das ist nur in Handarbeit möglich. Technik lässt sich im Bibersumpf nicht einsetzen.
Der kleinere Damm im Biberrevier an der Zschepplitzer Straße wird weggeräumt. Das ist nur in Handarbeit möglich. Technik lässt sich im Bibersumpf nicht einsetzen. © André Braun
Zwischen Mulde und Oberranschütz hat sich der Biber am Bielbach angesiedelt und das kleine Gewässer mit mehreren Dämmen angestaut.
Zwischen Mulde und Oberranschütz hat sich der Biber am Bielbach angesiedelt und das kleine Gewässer mit mehreren Dämmen angestaut. © Jens Hoyer

In Stockhausen hat sich der Biber direkt im Ort in einem Teich niedergelassen. Auf einer Insel hat er eine respektable Burg errichtet. Dieter Anders, der in Sichtweite zum Biberrevier wohnt, hat manchen Abend mit seinen Enkeln am Wasser gesessen und die Tiere beobachtet. „Die Biber sind seit drei, vier Jahren da. Im vorigen Jahr habe ich einen großen und einen kleinen gesehen“, erzählt er. Erst hatten sie den Forchheimer Bach angestaut und sich dann im Teich niedergelassen. Ganz konfliktfrei ist dieses Zusammenleben nicht. Von den Apfelbäumen der nahen Streuobstwiese hat der Biber schon einige umgelegt. Auch solche, die erst neu gepflanzt wurden, erzählt Anders. „Die müssten mal mit Maschendraht umwickelt werden, um sie zu schützen.“ Ein anderes Problem: Wenn die abgenagten Äste bei höherem Wasserstand im Bach weggeschwemmt werden, können sie den Durchlass an der Mühle verstopfen, sagte Anders.

Er hat ein Gartengrundstück direkt neben dem Teich und muss dessen Abfluss ständig freihalten, damit es nicht versumpft. Wo es plätschert, versucht der Biber, die vermeintliche Lücke zu verschließen. „Nachts schiebt er den Abfluss mit Schlamm zu“, sagte Anders.

Biber stört nicht

Meister Bockert hat es in Stockhausen aber auch schon geschafft, sich selbst das Wasser abzulassen. Er hat sich durch den Damm gewühlt, der den Teich vom Forchheimer Bach abtrennt. Erst im vergangenen Monat hatten die Mitglieder des Hobby-Anglervereins beim Arbeitseinsatz das Leck abgedichtet. „Wir haben mit Steinen das Loch verschlossen, damit er es nicht wieder aufwühlt“, sagte Achim Bachmann, Vorsitzender des Vereins. Die Mitglieder betreuen den Teich in Stockhausen, der vom Anglerverband Leipzig von der Stadt gepachtet wurde. „Wir machen das für den Naturschutz. Zum Angeln ist er eigentlich zu klein“, meint Bachmann. „Uns stört der Biber nicht.“ Respekt haben die Angler aber vor den bis zu 30 Kilo schweren Tieren. „Wir wollen die Weiden auf der Insel stutzen. Da müssen wir aufpassen, die Tiere sind wehrhaft.“

Auch am Stockhausener Bach haben sich die Tiere vor einigen Jahren niedergelassen und respektable Dämme errichtet, sagte Anders. Diese kleinen Bäche sind für die Tiere anziehend, wenn es an den Flüssen zu eng wird. Auch den Bielbach unterhalb von Oberranschütz haben Biber inzwischen besiedelt. Mit mehreren Dämmen stauen sie das Wasser im Bachbett, um größere Strecken schwimmend zurücklegen zu können.

In Großbauchlitz gibt es am Gärtitzbach inzwischen zwei Biberreviere in unmittelbarer Nachbarschaft. Bei dem an der Zschepplitzer Straße will die Stadt jetzt eingreifen. Der Biber hat einen großen Teich angestaut, der den Abwassersammler zu überschwemmen droht (DA berichtete). Eine Schwierigkeit hat die Stadtverwaltung überwunden: „Wir haben von allen drei Eigentümer die Genehmigung, das Grundstück zu betreten“, sagte Jürgen Aurich. Chef des Baubetriebsamtes. Ein niedriger Damm, der gewaltige Ausmaße angenommen hat, soll abgetragen werden, sodass sich der Bach nicht mehr über seine Ufer ausbreitet. „Den Hauptdamm lassen wir in Ruhe“, sagte Aurich. Rohre im Damm, die schon vor einiger Zeit zur Regulierung des Wasserstandes installiert wurden, soll wieder freigemacht werden.

Der Aufwand, dem Biber etwas Wasser abzulassen, ist enorm. Aurich rechnet mit mehreren Monaten, weil das sumpfige Gelände nur schwer zu erreichen ist – und mit Technik schon gar nicht. „Wir werden den Damm erst einmal einen Meter öffnen, damit das Wasser ablaufen kann. Wenn das Gelände abgetrocknet ist, räumen wir das Material des Dammes weg. Das geht nur in Handarbeit“, so Aurich. Zwischendurch seien immer wieder Kontrollen nötig, damit der Biber den Damm nicht repariert. Für die Eingriffe in das Refugium des streng geschützten Nagers hatte die Verwaltung Absprachen mit dem Landratsamt getroffen. In den anderen Biberrevieren seien solche Eingriffe derzeit nicht nötig, sagte Aurich.