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Wo ist das schöne Geld?

Eine Buchhalterin veruntreute im Ball- und Brauhaus Watzke fast 50 000 Euro. Angeblich weiß sie nicht, was damit passierte.

© dpa

Von Alexander Schneider

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Eine Frau aus Bad Gottleuba macht die Abrechnungen für mehrere Restaurants des Dresdner Ball- und Brauhauses Watzke, sorgt für ausreichend Geld in den Handkassen und zahlt die überschüssige Barschaft auf der Bank ein. Allerdings landet nicht alles auf den Konten des Gastronomieunternehmens. Die Angestellte hat nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft einen Großteil des schönen Geldes in ihre eigenen Taschen wandern lassen.

Am Dienstag stand Susan S. (41) vor dem Amtsgericht Dresden – wegen Untreue in 46 Fällen. Laut Staatsanwalt Enrico Hofmann soll die gelernte Finanzbuchhalterin von Oktober 2014 bis Juli 2015 insgesamt 49 743,75 Euro erbeutet haben. Das Geld habe sie für sich verwandt. Der Prozess begann mit einer Überraschung. Die Angeklagte sitzt seit August vergangenen Jahres in Haft, weil sie gegen ihre Bewährungsauflagen verstoßen hatte. Das Amtsgericht Pirna hatte Susan S. schon im Herbst 2015 zu einem Jahr Haft verurteilt, weil sie schon 2013 und 2014 als Buchhalterin einer Kunststofffirma in Königstein mehr als 20 000 Euro veruntreut hatte. Sie wurde von Wachtmeistern vorgeführt.

Wegen der Watzke-Sache hat die Angeklagte der Justiz offenbar eine Menge Arbeit zusätzlich gemacht. Beim ersten Prozessversuch Mitte 2017 hatte sie behauptet, sie sei nur für etwa die Hälfte der 46 Taten verantwortlich. Die Verhandlung wurde ausgesetzt, wieder wälzten die Ermittler Kontobücher und Einzahlungsbelege. Auf allen hatte S. unterschrieben, sie habe das Geld zur Bank gebracht – und darüber hinaus sei die Buchhaltung im Ball- und Brauhaus vor und nach der Zeit, in der S. dort angestellt war, makellos gewesen.

Aufgeflogen ist der Schwindel, als ein Steuerberater die Bilanz für 2014 erstellt hatte. S. soll Beträge zwischen wenigen Hundert bis weit über 5 000 Euro eingesteckt haben. Bis heute ist nicht bekannt, was mit dem Geld passierte. „Ich wäre froh, wenn ich es wüsste“, sagte die Angeklagte. Sie vermutete zuletzt sogar, das Geld sei eventuell auf dem Konto einer Namensvetterin gelandet. Das Gericht verurteilte Susan S. zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Das Jahr aus Pirna ist darin enthalten. S. bleibt in Haft.