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Wo ist die Elbe hin?

Der Fluss führt Niedrigwasser. Eine Welle aus Tschechien brachte Entspannung, wird aber eine einmalige Aktion bleiben.

© Norbert Millauer

Von Mareike Huisinga und Steffen Neumann

Die Elbe übt sich gerade in vornehmer Zurückhaltung. Hitze und ausbleibender Regen lassen die Wassermengen im Fluss seit Tagen schrumpfen, der Strom zieht sich langsam in die Mitte zurück und droht bei weiter anhaltender Trockenheit zu einem Rinnsal zu verkommen. In Schöna beispielsweise sank der Wasserstand am vergangenen Wochenende auf 72 Zentimeter. Am Mittwoch lag er dank eines Wassergeschenks aus Tschechien wieder bei 1,34 Metern, doch das wässrige Vergnügen wird nur von kurzer Dauer sein. Die SZ fasst zusammen, wie sich das Niedrigwasser auswirkt.

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Eine Welle der Entlastung schwappt aus Tschechien herüber

So viel Wasser gab es seit Tagen nicht in der Elbe. Das Stauwerk Strekov im tschechischen Usti nad Labem hatte gestern zwei Uhr nachts für zwölf Stunden die Schleusen geöffnet. Der Wasserstand stieg von den derzeit mickrigen 1,25 Metern unterhalb der Staumauer auf über 1,80 Meter. Ein Einsatzschiff des Moldau-Wasserbetriebs war für Messungen und kleine Reparaturen an die untere Elbe gekommen und brauchte nun wieder Wasser für die Rückreise ins Moldau-Einzugsgebiet. Entsprechend verzögert kam das Wasser auch bei uns an.

Doch am Donnerstag wird es mit dem Wassergeschenk aus Tschechien leider schon wieder vorbei sein. Und Jiri Petr, Chefdispatcher des Elbe-Betriebs, dämpft die Hoffnung auf baldige Wiederholung: „So eine gewaltige Welle wird es so schnell nicht wieder geben und erst recht nicht jede Woche“, stellt er klar. Dafür sei die Lage zu angespannt. Zwar seien die Talsperren im Elbe-Einzugsgebiet gut gefüllt. „Aber die sind viel zu klein und haben genauso wie das Stauwerk Strekov keinen Einfluss auf eine Verbesserung des Wasserstands der Elbe“, erklärt Petr, der die Situation in den Flüssen mit der vor einem Jahr gleichsetzt. Entscheidend seien die Moldaukaskaden, jene riesigen Talsperren, welche den Nationalfluss Tschechiens südlich von Prag in mehrere große Stauseen verwandelt haben. Von dort kam auch das Wasser für die aktuelle Welle. „Aber selbst dort wird kein Tropfen zu viel abgegeben“, schränkt der oberste Herr über die tschechische Elbe-Welle ein. Ob und wann in den nächsten Wochen noch eine Welle geschickt wird, hängt von den Bedürfnissen der Güterschifffahrt ab. Die dürfen die Welle nämlich kostenlos bestellen. Aber wo kein Wasser, dort auch keine Schiffe. Die nötige Tauchtiefe für eine ökonomisch sinnvolle Schifffahrt wurde schon seit Monaten nicht erreicht.

Das Stauwerk Strekov selbst hat keine Möglichkeit, bei Trockenheit zu helfen. Es dient der Schiffbarkeit oberhalb des Stauwerks, als Schleuse, der Energiegewinnung und einer eher kurzfristigen Pegelverbesserung unterhalb der Staustufe.

Elbfähren haben noch

genug Wasser unterm Kiel

Entwarnung gibt die Oberelbische Verkehrsgesellschaft Pirna-Sebnitz (OVPS). Noch fahren alle zehn Elbfähren nach Fahrplan. „Es kommt derzeit wegen des Niedrigwassers nicht zu Einschränkungen“, erklärt Einsatzleiter Uwe Wiesner. Erst wenn der Pegel um weitere 20 Zentimeter sinke, werde es kritisch. Das gelte besonders für die Anlegestellen in Krippen, Postelwitz und Königstein. Auch die Gierseilfähre in Rathen fährt uneingeschränkt. „Eine Fahrgastbegrenzung, wie bei dem extremen Niedrigwasser im vergangenen Sommer, ist derzeit nicht notwendig“, sagt Thomas Richter (parteilos). Er ist Bürgermeister von Kurort Rathen, die Gemeinde betreibt die Gierseilfähre.

Kanu Aktiv Tours musste Fahrten

mit Powerbooten absagen

Lange Gesichter gab es hingegen bei einigen Kunden der Kanu Aktiv Tours GmbH in Königstein. Aufgrund des niedrigen Pegels mussten sämtliche Touren mit dem sogenannten Powerboot am 29. und 30. August abgesagt werden, sagt Mitarbeiterin Bettina Scheffler. Bei dem Powerboot handelt es sich um ein Schlauchboot mit besonders starkem Motor. Folglich hat das Boot größeren Tiefgang als beispielsweise ein Kanu. Die meisten Kunden hätten jedoch Verständnis für die Absage gehabt. „Schließlich geht es ja auch um die Sicherheit“, erläutert Scheffler. Da der Pegel jedoch seit 31. August wieder etwas angestiegen ist, finden ab sofort sämtliche Touren mit Floß, Paddel- und Powerboot statt.

Freizeitsport ist wegen Niedrigwasser nur eingeschränkt möglich

Die Ausfahrten der Abteilung Segeln vom Pirnaer Sportverein Fortschritt fallen derzeit komplett ins Niedrigwasser. „Unsere Boote liegen im Postaer Hafen. Wir kommen gar nicht raus, weil nicht genug Wasser da ist“, erklärt Stegwart Volkmar Klockow. Ohnehin hätte man immer schon das Problem mit Verschlammung in dem Hafen gehabt. „Jetzt geht gar nichts mehr. Wir sind quasi von der Elbe abgekoppelt“, ärgert sich der Fachmann. Besser sieht es für die Mitglieder vom Pirnaer Ruderverein 1872 aus. „Wir tragen unsere Boote zu Wasser und müssen nur den Steg etwas weiter ins Wasser rausschieben und ein paar Meter mehr laufen“, sagt Regionaltrainerin Grit Husseck. Das Training findet also statt.

Niedrigwasser zwingt Weiße Flotte

zum Schrumpfkurs

Wegen der Dürre in der Fahrrinne müssen bei der Sächsischen Dampfschifffahrt einige Schiffe am Anleger bleiben – sie haben zu viel Tiefgang. In Dresden sind nur noch die historischen Dampfer „Leipzig“ und „Diesbar“ unterwegs. Trotz der abgespeckten Touren finden am 1. September aber weiterhin Dampferfahrten in die Sächsischen Schweiz statt. Los geht es 9.30 in Pirna, Ankunft ist 12.30 in Bad Schandau. Retour geht es 13 Uhr, das Schiff erreicht 14.50 Uhr Pirna. Und auch die Gegentour sticht in See: sie beginnt 9.30 in Bad Schandau und kommt 11.20 in Pirna an. Zurück geht es 12.40, Ankunft ist 15.45 in Bad Schandau.

Güterverkehr auf der Elbe

ruht schon seit drei Wochen

Das anhaltende Niedrigwasser bremst die Schifffahrt auf der Elbe mächtig aus. Seit mittlerweile drei Wochen sei die Berufsschifffahrt eingestellt, sagt Frank Thiele von der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe GmbH (SBO). Die Frachtkähne pausieren zwangsweise. Betroffen von dem geschrumpften Pegel sind unter anderem die Elbe-Projekt-Linie sowie die Elbe-Container-Linie, die von Sachsen nach Hamburg fährt. Vereinzelt gebe es Engpässe beim Transport von Schrott oder Flussspat, der nur zum Teil auf die Schiene verlegt werden könne. Am Pegel Dresden wurde am Dienstag ein Wasserstand von 61 Zentimetern gemessen, normal sind zwei Meter. Zum SBO gehören die Häfen in Dresden, Riesa und Torgau, Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt und Mühlberg in Brandenburg sowie die tschechischen Häfen in Decin und Lovosice. (mit SZ/mö, pa)