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Wo kann man noch einkaufen, wenn der letzte Laden geschlossen hat?

In Klingenberg ist ein neues Projekt gestartet, das die Bürger enger zusammenbringen will. So soll die Gemeinde lebenswerter werden.

© Frank Baldauf

Von Anja Ehrhartsmann

Klingenberg. Der Begegnungsverein Hilda aus Colmnitz hat ein neues Projekt: „Mobiles Klingenberg – Netzwerke(n) in der Gemeinde“ oder kurz: Mobikling. Petra Richter koordiniert das Vorhaben, das im Juni angelaufen ist. Derzeit werden noch zwei Gemeinderatsmitglieder gesucht, die das Ganze zusammen mit der 57-Jährigen und Bürgermeister Torsten Schreckenbach (BfK) in einer Steuerungsgruppe lenken. Auch die Bürger können sich einbringen. Mobikling läuft bis 2020 und wird zu 100 Prozent über das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert. Worum geht es?

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Ausgangssituation: Infrastruktur dünnt aus

Die demografischen Veränderungen machen auch vor der Gemeinde Klingenberg nicht Halt. Die Bevölkerung wird immer älter, und es gibt weniger Jüngere, die zudem oftmals in die Städte ziehen. Die Auswirkungen sind in verschiedenen Bereichen spürbar. „Das Angebot von Bus und Bahn ist sehr ausgedünnt in den vergangenen Jahren“, sagt Petra Richter. Während der Schulzeit fahren ab Colmnitz noch mehr Busse, aber in den Ferien ist es ohne Auto schwieriger, von A nach B zu kommen. „An Wochenenden und Feiertagen fährt gar kein Bus“, sagt Petra Richter, die selbst in Colmnitz wohnt. „Früher gab es hier sieben Bäcker, heute gibt es noch eine Zweigstelle.“ Auch die Lebensmittelgeschäfte haben mittlerweile alle zugemacht. „Ob Bank oder Post, das ist alles weg.“ Doch Colmnitz ist da kein Einzelfall.

Lösungsansatz: Netzwerk bilden und Information zur Verfügung stellen

„Wenn Senioren nicht mehr selbst Auto fahren können, brauchen sie Hilfe.“ Genau dort will das Projekt ansetzen. Es gibt verschiedene Ideen. „Viele kommen zum Beispiel nicht mit dem Fahrkartenautomaten zurecht oder wissen nicht, dass man hier im Bus schon die Karte nach Dresden lösen kann. Da wollen wir was machen.“ Geplant ist außerdem ein Flyer, der alle mobilen Verkaufswagen mit genauer Uhrzeit und Standort auflistet. „Viele wissen nicht, wann die Händler kommen. Die Leute merken sich das nicht. So können sie einfach in den Flyer reinschauen.“ Auf diese Weise sollen zusätzlich auch noch Versorgungslücken aufgedeckt werden. Auch mit Gesundheitsangeboten wie Pflegediensten, Ärzten, Physiotherapeuten soll es einen Flyer geben – beide Broschüren werden jeweils separat für die Altgemeinden Pretzschendorf und Höckendorf zusammengestellt. Durch das Vernetzen aller Aktiven in der Gemeinde, wie etwa Vereine, Initiativen oder Kirchengemeinden, will Petra Richter ein gutes Zusammenspiel erreichen. „Miteinander erreicht man mehr.“

Ziel: Senioren sollen so lange wie möglich Zuhause leben können

Senioren sollen so lange wie möglich selbstbestimmt in ihren eigenen vier Wänden bleiben können. Um das zu erreichen, werden Versorgungslücken anhand der Händlerauflistung festgestellt und dann auch möglichst geschlossen. Mit den Flyern bekommen Ältere eine Hilfe in die Hand, damit sie wissen, wo sie hingehen müssen, wenn sie etwas brauchen. Petra Richter will außerdem alle Ortsteile besuchen und das Thema Barrierefreiheit unter die Lupe nehmen. „Bestimmt gibt es noch die eine oder andere Bushaltestelle, an der noch etwas gemacht werden kann.“