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Wo Naschen zum Job gehört

Die Lausitzer Früchteverarbeitung Sohland erweitert ihr Labor, in dem Neuheiten entwickelt werden. Derzeit gibt es dabei drei Trends.

© Uwe Soeder

Von Katja Schäfer

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Sohland. Naschen als Arbeitsaufgabe. Manch einer wünscht sich das. Für diejenigen Mitarbeiter, die beim Unternehmen Lausitzer Früchteverarbeitung im Entwicklungslabor – das gerade neue Räume bezogen hat – beschäftigt sind, ist es Realität. Doch ihr Job ist kein Zuckerschlecken, sondern harte Arbeit. Immerhin entwickelt die Sohlander Firma pro Jahr zwischen 300 und 400 Neuheiten, wie Seniorchef Werner Deharde berichtet. Diese hohe Zahl kommt zustande, weil der Betrieb nicht nur neue Säfte, Marmeladen oder Sauerkonserven auf den Markt bringt, sondern auch viele, viele Fruchtzubereitungen für die Lebensmittelindustrie. Besonders bei der Joghurtherstellung sind immer neue Geschmacksrichtungen gefragt. Im Entwicklungslabor werden die Wünsche der Hersteller in Rezepte umgesetzt. Die Produkte gehen dann oft auf weite Reisen, unter anderem nach Griechenland und Moskau.

Weniger Zucker
„Zurzeit ist es gerade sehr beliebt, Obst und Gemüse zu kombinieren oder in Fruchtzubereitungen Kräuter hineinzubringen“, berichtet Christoph Saupe. Der Dresdner, der in der Landeshauptstadt Lebensmittelchemie studiert hat, pendelt seit dreieinhalb Jahren zur Arbeit nach Sohland. Derzeit tüftelt er im Entwicklungslabor der Lausitzer Früchteverarbeitung unter anderem an Fruchtzubereitungen in den Kombinationen Orange und Kürbis sowie Heidelbeere und Lavendel. Dabei heißt es für den schlanken Mann immer wieder kosten, kosten, kosten, bis er mit Geschmack und Konsistenz zufrieden ist. Seine Kollegin Michaela Ballerstein aus Bautzen, die einen Fachhochschulabschluss als Lebensmitteltechnologin hat und seit 16 Jahren zum Team des Sohlander Betriebes gehört, entwickelt derweil Grundstoffe für neue Limonaden, so zum Beispiel für die Sorte Orange-Maracuja.

Bei manchen Produkten geben die Entwickler Aromen und Farbstoffe zu. Andere wiederum müssen ohne jegliche Zusätze auskommen. Ein weiterer großer Trend sei es, möglichst wenig Zucker zu verwenden, berichtet Christoph Saupe. Teilweise dienen verschiedene Süßungsmittel als Ersatz, teilweise die als Honigkraut bezeichnete Stevia-Pflanze. „Da wird noch viel ausprobiert“, sagt der Lebensmittelchemiker. Seit dieser Woche arbeiten Christoph Saupe, Michaela Ballerstein und ihre beiden Kollegen in neuen größeren Räumen. „Wir haben dafür einen Teil eines alten Gebäudes saniert“, berichtet Werner Deharde. Die Arbeiten wurden gerade rechtzeitig fertig, bevor Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) am Montag die Lausitzer Früchteverarbeitung besuchte. Gut zwei Stunden nahm er sich für seine Visite Zeit. Anlass dafür war, dass Werner Deharde und sein Sohn Maximilian Deharde, die den Sohlander Betrieb führen, 2017 als Sachsens Unternehmer des Jahres ausgezeichnet worden sind. Martin Dulig besucht aber nicht nur den Wettbewerbsieger, sondern nach und nach alle Finalisten.

Die Lausitzer Früchteverarbeitung hat rund 160 Beschäftigte. Die meisten davon arbeiten in Sohland, etwa 25 in Ellefeld nahe Plauen, wo Dehardes vor anderthalb Jahren die Firma Ackermanns Haus übernommen und damit die Babysaftmarke Kinella gerettet haben. Die Produktpalette ist sehr breit, reicht von Säften und Marmeladen über Gewürzgurken bis hin zu Fruchtzubereitungen. Gegründet wurde das Unternehmen 1901 als Lausitzer Konservenfabrik „Hugo Paul“. 1992 übernahm die Deharde Holding Gesellschaft den Betrieb und den Oberlausitzer Fruchthof von der Treuhand. Seitdem firmiert das Unternehmen als Lausitzer Früchteverarbeitung. Über 30 Millionen Euro haben die Eigentümer bisher investiert. Jüngstes Projekt war das neue Entwicklungslabor. Jetzt wird die Sanierung eines Lagers vorbereitet.

Mehr Mitarbeiter
Nach einem einstündigen Gespräch mit Werner Deharde und einem etwa genauso langen Betriebsrundgang zeigte sich Wirtschaftsminister Dulig beeindruckt von „der Vielfalt der Produkte“ und davon, dass das Unternehmen „einerseits Tradition fortsetzt, andererseits aber sehr innovativ ist, denn nur so kann man sich am Markt behaupten“. – Tradition neben Innovation – das trifft auch auf die Produktpalette von Lausitzer zu. Neben dem Apfelmus, den Kirschen im Glas und etlichen anderen Produkten, die seit vielen Jahren bei den Kunden sehr beliebt sind, findet auch Neues einen guten Absatz, zum Beispiel Saftschorlen. Entwickelt wurde ein Teil der Neuheiten bisher in Stuttgart, was damit zusammenhängt, dass Werner Deharde lange Zeit auch dort beruflich zu tun hatte. „Jetzt holen wir dieses Labor auch nach Sohland“, kündigt er an. In den gerade fertiggestellten hellen Räumen werden statt bisher vier künftig sechs bis sieben Beschäftigte an neuen Produkten tüfteln. Die Bedingungen dafür sind gut. Auf langen Tischen, an denen von beiden Seiten gearbeitet werden kann, stehen Mixer, Kochplatten, Wasserkocher und andere Küchengeräte. Auch Löffel gibt es reichlich. Denn Naschen gehört hier zur täglichen Arbeit.