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Wo sich die Pilger gern verlaufen

In der Bautzener Seidau fragen viele Wallfahrer nach dem Weg. Die Betreiber der Hammermühle brachte das auf eine Idee.

© Uwe Soeder

Von Marleen Hollenbach

Bautzen. Die Pilger kommen aus der Bautzener Innenstadt. Frisch gestärkt verlassen sie ihr Quartier, beginnen ihre Tagestour. Doch schon bald müssen sie das erste Mal anhalten. An einer Brücke in der Seidau nahe der Hammermühle bleiben viele notgedrungen stehen. Es ist die Stelle in Bautzen, an der sich viele Wallfahrer verlaufen.

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Nur wer genau hinsieht, kann an einer Laterne einen alten Aufkleber mit einer Muschel erkennen. Ein Symbol für den Sächsischen Jakobsweg, der genau wie die Via Regia durch die Seidau führt. Doch wenn die Pilger diesen Aufkleber übersehen, fragen sie im Mühlenladen nach dem Weg. „Das geht schon seit vielen Jahren so“, erklärt Denise Hierl von der Hammermühle, die schon unzähligen Reisenden geholfen hat. Dass die Pilger in der Seidau einen kleinen Stopp einlegen, brachte sie jetzt auf eine Idee. Die Wallfahrer sind mit einem Heft unterwegs, holen sich in Bautzen einen Stempel ab. „Es wäre doch toll, wenn sie auch bei uns einen Stempel bekommen könnten“, erklärt sie. Mit dem Vorschlag ging die junge Frau zum Bautzener Rathaus. Und tatsächlich genehmigte die Stadt in diesem Jahr den Stempel. Sogar das Turmlogo durfte Denise Hierl dafür verwenden. Eigentlich wollte sie noch eine schmale Linie hinzufügen, ein Zeichen für die Spree, die sich durch den Ort schlängelt. Doch weil das komisch aussah, verzichtete sie darauf. Den Stempel ließ die Bautzenerin selbst anfertigen, verstaute ihn in der Schublade. Im Juli war das. Gerade einmal einen Tag lag er dort, da kam bereits eine Familie mit Stempelheft vorbei. An diesen Besuch kann sie sich noch gut erinnern. Sie hat ein Foto von der Familie gemacht, ihnen ein Glas Senf geschenkt.

Würden sie jeden fotografieren, der sich einen Stempel in der Hammermühle abholt, hätte sie schon ein großes Album zusammen. Das Angebot hat sich inzwischen herumgesprochen. Pro Tag kommt mindestens ein Pilger, der von ihr einen Stempel haben möchte. Nur das Problem mit der schlechten Beschilderung konnte Denise Hierl noch nicht lösen. Die Bautzenerin träumt von einer Informationstafel, die auf den Wallfahrtsweg aufmerksam macht, aber auch die Sehenswürdigkeiten der Seidau hervorhebt. Und noch etwas hat sich die Bautzenerin überlegt. Vielleicht können die Reisenden bei ihr bald eine kleine Pilgermahlzeit mitnehmen.