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Wo sind die K.-o.-Tropfen?

Ein 47-Jähriger soll zwei Frauen betäubt haben, um sie zu vergewaltigen. Sein Verteidiger kritisiert fehlende Beweise.

© dpa

Von Alexander Schneider

Gesund und Fit

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Jens H. ist ganz offensichtlich einer von der hartnäckigen Sorte. Seit einer Woche sitzt der 47-Jährige aus Plauen mal wieder in Untersuchungshaft. Er soll einer jungen Frau in Dresden K.-o.-Tropfen verabreicht haben, um sie gefügig zu machen. Jens H. hatte sie am vorvergangenen Wochenende in Dresden besucht, war mit ihr shoppen. Abends soll es den mutmaßlichen sexuellen Übergriff gegeben haben. Anzeige – Durchsuchung – Festnahme – Vernehmung – ab Mittwoch U-Haft. Zack.

Kaum eine Woche später bringen Wachtmeister Jens H. also in Handschellen zu seinem Prozess am Landgericht Dresden. H. soll eine Frau in Dresden vergewaltigt haben – nachdem er sie mit K.-o.-Tropfen willenlos gemacht habe. Nein, nicht vor eineinhalb Wochen. Der angeklagte Tatvorwurf liegt schon Jahre zurück – ein Mittwochnachmittag im September 2011.

Verteidiger Reinhard Schöbel kritisiert die plötzliche Verhaftung. Er habe sich nicht mit seinem Mandanten auf den Prozess vorbereiten können. Erschwerend käme H.s Garderobe hinzu, er hätte sich für den Prozess gerne etwas Ordentliches angezogen. So sitzt der Angeklagte – kahlgeschorener Schädel, Brille, heller Vollbart – in Jeans und einem grau-blauen Kapuzen-Irgendwas neben Schöbel. Der fordert, den Prozess auszusetzen, doch die Vorsitzende Richterin Michaela Kessler winkt ab.

Die Staatsanwältin wirft H. Vergewaltigung vor. Der Angeklagte habe sich einer damals 20-jährigen Frau als Mitarbeiter einer Escort-Agentur ausgegeben, es ginge darum, männlichen Prominenten einen schönen Abend zu machen. Sex nicht ausgeschlossen. In einem mexikanischen Restaurant in der Louisenstraße habe er der Frau heimlich Gamma-Hydroxy-Buttersäure ins Glas gemischt, oder ein Mittel mit einer ähnlichen Wirkung. Anschließend habe er mit der Frau die Herrentoilette einer Tankstelle in der Königsbrücker Straße aufgesucht, wo es zum Geschlechtsverkehr kam. Aufgrund der K.-o.-Tropfen sei sie nicht in der Lage gewesen, sich zu wehren.

In einem zweiten Fall soll H. bereits im Mai 2010 eine Frau in Plauen bedrängt haben. Er habe sie zu Hause besucht und vorgegeben, er suche Frauen für eine Event-Agentur. Wieder habe er ihr heimlich Tropfen ins Getränk gemixt. Die Frau habe sich übergeben und sei bewusstlos gewesen. H. habe sie begrapscht und sich an ihr gerieben. So sehr, dass Sperma-Spuren des Angeklagten an ihrem Slip gefunden wurden – strafrechtlich sei dies eine sexuelle Nötigung und gefährliche Körperverletzung.

Jens H., ein gelernter Textilfacharbeiter, ist mehrfach einschlägig vorbestraft und hat schon einige Jahre gesessen. Seit Kurzem gehört er zu den Reichsbürgern. Seine Zugehörigkeit zur Bundesrepublik Deutschland habe er „nach geschichtlichen Studien“ abgemeldet. Dass er mit den Frauen intim war, hat H. in seinen Vernehmungen nicht bestritten. Er habe jedoch nie K.-o.-Tropfen eingesetzt. Vor Gericht macht der Angeklagte keine Angaben.

Ein Polizist sagte, er überwache den Sexualstraftäter, der unter Führungsaufsicht stehe, seit 2010. H.s Masche sei, Frauen vorzugaukeln, er suche sie zur Begleitung für Prominente. Annäherungen nicht ausgeschlossen. Der Angeklagte sehe sich jedoch als Opfer der Frauen.

Das sieht auch Verteidiger Schöbel so. Frauen zeigten ihn an, um einen Grund zu haben, warum sie mit H. intim waren. Das Indiz dafür sei, dass bei ihm nie K.-o.-Tropfen gefunden worden seien. Selbst im aktuellen Dresdner Fall von vorletzter Woche nicht, schimpft Schöbel nach der Verhandlung. Der Prozess wird fortgesetzt.

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