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Wo soll die neue Grundschule stehen?

Die Bautzener Rathausspitze bevorzugt das Haus an der Löbauer Straße. Doch fast alle Stadträte wünschen sich eine andere Variante.

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© Uwe Soeder

Von Marleen Hollenbach

Bautzen. Die Suche nach einem Standort für Bautzens neue Grundschule geht in die letzte Runde. Wie Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) erklärt, hat die Stadt in den vergangenen Monaten zwölf Flächen geprüft. Zwei Varianten stehen jetzt noch zur Auswahl. Bautzen muss sich entscheiden zwischen der Sanierung der ehemaligen Berufsschule an der Löbauer Straße und einem Neubau auf der Perfecta-Brache nahe dem Bautzener Bahnhof.

Der Wunsch der Stadträte: Die Perfecta-Brache an der Dr.-Peter-Jordan-Straße ist zentral gelegen und damit der perfekte Standort für eine neue Grundschule, sagen die Stadträte. Der Oberbürgermeister würde dort lieber etwas anderes bauen.
Der Wunsch der Stadträte: Die Perfecta-Brache an der Dr.-Peter-Jordan-Straße ist zentral gelegen und damit der perfekte Standort für eine neue Grundschule, sagen die Stadträte. Der Oberbürgermeister würde dort lieber etwas anderes bauen. © Uwe Soeder

Wenn es nach der Stadtspitze geht, dann ist diese Frage einfach zu beantworten. Schon seit Monaten wirbt Finanzbürgermeister Robert Böhmer für das Haus an der Löbauer Straße, das derzeit noch dem Landkreis gehört. Dieses Gebäude, so meint er, könnte man kostengünstig und vor allem sehr schnell sanieren. Einen Einzug der Grundschüler im Sommer 2019 hält Böhmer durchaus für möglich.

Auch der Bautzener Oberbürgermeister ist von dieser Variante überzeugt. Vor allem deshalb, weil er für die Perfecta-Brache andere Pläne hat. „Das ist eigentlich ein Grundstück, das prädestiniert ist für hochwertigen Wohnungsbau. Diese Wohnungen würde man uns aus den Händen reißen“, erklärte der Oberbürgermeister schon im Dezember in einem SZ-Interview.

Stadträte reden bei Standortsuche mit

Also ist die Entscheidung schon gefallen? Nein, denn auch die Stadträte dürfen bei der Standortsuche mitreden. Und die sind von dem alten Gebäude im Osten der Stadt nicht wirklich überzeugt. Nur das Bautzener Bürgerbündnis bevorzugt die ehemalige Berufsschule. Alle anderen Fraktionen sprechen sich für die Perfecta-Brache aus.

Für CDU-Stadtrat Karsten Vogt ist bei der Frage des Standortes der Sicherheitsaspekt entscheidend. Auf der Perfecta-Brache könne die Stadt die Schule so bauen, dass sie von den großen Verkehrsstraßen abgeschirmt ist. Das Haus an der Löbauer Straße befinde sich hingegen direkt an der Bundesstraße und damit an einer Hauptachse für Autos und Laster. Entscheidend ist für den CDU-Stadtrat zudem, wo die Kinder wohnen. „Bautzen hat im gesamten Bereich der Südvorstadt keine Grundschule. Ein Neubau an der Perfecta-Brache würde diese Lücke schließen“, erklärt Vogt.

Auch für FDP-Stadtrat Mike Hauschild, ist dieser Aspekt bei der Wahl des Grundschulstandorts wichtig. „Leider hat uns die Stadtverwaltung trotz Aufforderung keine Daten dazu gegeben, wo die Ein- bis Sechsjährigen leben“, erklärt er. Dabei seien diese Angaben für die Entscheidung wichtiger als etwa Informationen zu den Kosten. Hauschild zweifelt daran, dass am Stadtrand großer Bedarf besteht. „Im Umkreis der Löbauer Straße wohnen nicht einmal genug Kinder, um die dort vorhandene Militzer-Grundschule zu füllen. Die Anmeldezahlen für das nächste Schuljahr von etwas über 30 Kindern sprechen eine deutliche Sprache“, sagt er.

Kooperation mit Kita denkbar

Nicht ganz so kritisch sieht Steffen Grundmann (Linke) den von der Stadt favorisierten Standort. Damit könne er sich anfreunden, beteuert er. Allerdings sei ein Neubau auf der Perfecta-Brache besser, da sich in der Nähe ein Kindergarten befindet. „Mit der Kita könnte die neue Schule eine Kooperation eingehen“, erklärt er.

In diese Richtung gehen auch die Überlegungen von SPD-Stadtrat Roland Fleischer. „Die Fläche ist umrahmt von sozialen Einrichtungen. Außerdem wird das Areal nach dem Bahnhofsumbau noch besser mit Bus und Bahn vernetzt sein“, so Fleischer. Zwar sei der Standort an der Löbauer Straße wirtschaftlich für die Stadt tatsächlich günstiger. Mit einem gut durchdachten und modernen Neubau könne man das aber nicht vergleichen. „Nach derzeitigen Kenntnissen über die Haushaltslage und den zu erwartenden Fördermitteln müsste dies finanziell durchaus zu stemmen sein“, erklärt Fleischer.

Beim Thema Geld hat die Stadt schon vorgesorgt. Eine Million Euro stehen bereits im aktuellen Haushaltsplan.