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Wo Sparer trotz Zinstief noch etwas holen können

Die EZB hat den Leitzins auf das niedrigste Niveau aller Zeiten gesenkt. Kritiker sagen: Den Krisenstaaten nützt es nichts und deutsche Verbraucher haben Nachteile. Die wichtigsten Fragen und Antworten für Sparer.

Im Kampf gegen die Mini-Inflation und holprige Konjunkturentwicklung hat die Europäische Zentralbank am Donnerstag überraschend die Zinsen im Euroraum fast auf null (0,25 Prozent) gesenkt. Der Schritt stößt in Deutschland auf viel Kritik. Und verunsichert Sparer und Anleger.

Löst die Geldschwemme überhaupt die Probleme in Europa?

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„Ich wundere mich, dass man den Zins im Augenblick als wirksames Instrument sieht. Wir sehen in den Problemländern im Süden eine Störung des Kreditkreislaufs. Dort ist in der Tat ein Kreditklemmen-Phänomen zu beobachten“, sagt der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) Michael Hüther. Das sei aber nicht durch Zinssenkungen zu lösen, „denn das Problem liegt in den Bilanzen der dortigen Banken, die immer noch viel Müll da drin haben.“ Und man muss deshalb die Bilanzen bereinigen. Solange man nicht wirklich bereit ist, über eine Bad-Bank-Lösung dieses Problem gezielt anzugehen, ist alles andere wirkungslos, so Hüther.

Heißt das, die deutschen Sparer zahlen die Zeche?

„Was wir erleben, ist eine finanzielle Repression“, so IW-Direktor Hüther. Die Verzinsung liegt unterhalb der Inflationsrate oder knapp dabei, das heißt, die Sparer werden in erhebliche Probleme gebracht. Diejenigen, die für das Alter vorsorgen, müssen nachschießen, um das Sicherungsniveau zu erreichen.

Man kann vorübergehend solche Zinsniveaus akzeptieren, aber jetzt wird deutlich, dass es noch ein länger währendes Phänomen ist, dass wir im Grunde gar nicht erkennen, wann die Korrektur eingeleitet wird. Und nach allem, was wir jetzt sehen, wird sie mit Sicherheit nicht im nächsten Jahr eingeleitet, sagt Hüther. Das ist für alle, die vor Anlageentscheidungen stehen, problematisch. Insofern gibt es eine Art Anlagenotstand.

Gibt es noch Geldanlagen, die Zinsen über der Inflationsrate versprechen?

Ja, sagt Niels Nauhauser, Anlageexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. Zum Beispiel langfristig laufende Festgeld-Anlagen können die Inflationsrate von 1,5 schlagen. So gibt es für fünf Jahre Laufzeit bis zu 2,5 Prozent pro Jahr und bei zehn Jahren Laufzeit drei Prozent. Wer Geld übrig hat und auch in naher Zukunft nicht darauf zurückgreifen muss, kann es längerfristig anlegen und schützt es damit vor Inflationsverlusten.

Was bedeutet die Zinssenkung für Kapital-Lebensversicherungen?

„Hier waren viele Versicherer der Meinung, Garantien auf zukünftige Zinsen geben zu können“, kritisiert Nauhauser. „Diese heile Welt funktioniert aber nur dann, wenn die Prognose auch eintritt.“ Das sei in den vergangenen Jahren aber nicht immer der Fall gewesen. Versicherer, die auf stetig steigende hohe Zinsen spekulierten, machten einen klassischen Planungsfehler, für den Versicherungsnehmer nicht geradestehen sollten.

Hinzu komme, dass diese nicht angemessen an den Erträgen von Lebensversicherungen beteiligt würden, kritisiert Nauhauser. Er rät jedenfalls davon ab, eine Lebensversicherung als Kapitalanlage oder Altersvorsorge abzuschließen.

Was bedeutet die Zinssenkung für Immobilien?

Der Trend, Geld in Immobilie zu investieren, hält weiter an, da andere Anlageformen immer weniger Rendite abwerfen. „Immobilen schützen Anleger aber nicht sicher vor Inflation“, warnt Nauhauser. Auch dürfe man Kosten, zum Beispiel für Instandhaltung oder Steuern, dabei nicht vergessen. Und auch auf dem Immobiliensektor können die Preise fallen. Wer dann zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkaufen müsse, könne sogar Geld verlieren.

Soll man jetzt Geld in Goldb und Edelmetalle anlegen?

Auf Geld, das in Gold gesteckt wird, gibt es keine Zinsen. Der Goldpreis kann außerdem plötzlich sinken, wie sich gerade in jüngerer Vergangenheit gezeigt hat. Gold könne aber in Zeiten der Bankenkrise vor Verlusten schützen, sagt Nauhauser. Sämtliches Geld, das man investieren möchte, in Gold anzulegen, ist allerdings in jedem Fall die falsche Strategie. Sein Kapital sollte man immer auf mehrere Anlageformen verteilen, sagt Nauhauser. Dazu gehöre auch eine Goldreserve.

Wie hoch müsste der Leitzins für Deutschland sein?

Wenn man den Wachstumstrend als grobe Indikation nimmt, der bei 1,5 Prozent real in den nächsten drei bis vier Jahren liegt, plus Inflationstrend, dann beträgt der Zins eher drei bis 3,5 als 0,25 Prozent, so Ökonom Hüther aus Köln. „Insofern ist das derzeitige Zinsniveau für Mitteleuropa fehljustiert. Und das ist das, was so schmerzt: Es löst die Probleme im Süden nicht – und verursacht hier Probleme.“ (dpa)