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Wo war noch mal draußen?

Sächsische.de-Reporter Thomas Möckel schildert wöchentlich den Alltag zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung.

Sächsische.de-Reporter Thomas Möckel: Arbeiten im Wohnzimmer.
Sächsische.de-Reporter Thomas Möckel: Arbeiten im Wohnzimmer. © Daniel Schäfer

Ich gebe zu, die sich ständig überholenden Ereignisse in dieser Woche trafen mich recht unvorbereitet. Gerade erst hatte ich mich nach siebenwöchiger Eingewöhnungsphase im eingeschränkten Leben eingerichtet, hatte meine Gewohnheiten an den veränderten Rhythmus angepasst. 

Aber nun sollte sich schon wieder so vieles ändern. Woher soll ich verdammt noch mal diese Flexibilität hernehmen? Freilich, meinem Heimbüro bleibe ich noch eine Weile verbunden, sicher ist sicher. 

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Doch auf einmal wurden Verbote und Beschränkungen gelockert, wir haben wieder mehr Freiheiten, dürfen wieder mehr raus. Aber wo war gleich noch mal draußen? Ist das jener Ort, den man erreicht, wenn man aus der Haustür tritt? Ich erinnerte mich dunkel daran, dass ich früher schon einmal dort gewesen sein muss. Aber wie komme ich auf diesem unbekannten Terrain wieder zurecht?

Beim Einkaufen fehlt der Kick

Mich hat ja schon der wöchentliche Einkauf überfordert. Auf einmal gibt es wieder alles, keine Mangelware, keine leeren Regale. Kein Hinweis bei Klopapier und Küchenrollen, wie viel man nehmen darf. Da fehlt doch jetzt irgendwie der Kick, die Überraschung, was es heute wohl wieder nicht geben wird. Dahin ist auch die Freude, etwas Rares erstanden zu haben. Nur die Maske erinnert mich daran, dass ja da noch irgendwas Außergewöhnliches sein muss.

Die Kinder werden wiederum immer professioneller. Kind eins hat sich jetzt einen Stundenplan erarbeitet und ausgedruckt, alles in verschiedenen Farben, Fächer und Aufgaben werden penibel danach abgearbeitet. 

Ihr Wochenpensum haben die beiden bislang stets geschafft, darauf bin ich stolz, obwohl ich manches Mal die Widerspenstigen zähmen musste. Stolz bin ich vor allem deshalb, weil die Kinder sich so selbstständig kümmern, da ich an Arbeitstagen nach wie vor kaum Zeit dafür habe, mit ihnen gemeinsam Hausaufgaben zu erledigen. Auf Dauer ist das allerdings kein tragbarer Zustand. 

Für Kind zwei ist das Schuljahr mehr oder weniger abgehakt, zumindest im Kopf. "Ich glaube nicht, dass ich meine Schule in diesem Schuljahr noch mal sehe", erklärte es mit einer Mischung aus Freude und Trauer. 

Ich aber hoffe inständig, dass eine Rückkehr zur Schule bald möglich sein wird. Aber mir graut auch davor, sie wieder an den normalen Schulrhythmus zu gewöhnen, obwohl wir es bisher vermieden haben, dass allzu sehr der Schlendrian einzieht. 

Mit Maske am FKK-Strand?

Unser Lichtblick in dieser Woche: Möglicherweise können wir im Sommer doch an die Ostsee fahren, die Zeichen stehen gut, Mecklenburg-Vorpommern will sich ja mit dem Rest der Republik wiedervereinigen. Es war in letzter Zeit eine der größten Sorgen der Kinder, ob wir diese Reise antreten können. 

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