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Wo Weißflog flog

Die Handballer des HC Elbflorenz lernen die Jugend-Schanze des Olympiasiegers kennen, allerdings auf unbequeme Art.

© Verein

Von Alexander Hiller

Die Atempause ist hochverdient. Die Mannschaft des Handball-Zweitligisten HC Elbflorenz bewältigte 16 Trainingseinheiten in fünf Tagen. Jetzt ist zumindest bis Sonnabendnachmittag Pause. Der immense Aufwand ist freilich in der Vorbereitung auf eine lange Saison nicht ungewöhnlich. Dennoch wird das Trainingslager auf dem Rabenberg im Erzgebirge dem einen oder anderen Profi in lebhafter Erinnerung bleiben – auch deshalb, weil Trainer Christian Pöhler seinen Schützlingen außer der Anstrengung auch Zeit für Erholung und Abwechslung gönnte.

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Auch Treppensprünge gehören zum Trainings-Repertoire der Handballer.
Auch Treppensprünge gehören zum Trainings-Repertoire der Handballer. © Verein
Unter Tage staunt auch Trainer Christian Pöhler (vorn), „was wirklich schwere körperliche Arbeit bedeutet“.
Unter Tage staunt auch Trainer Christian Pöhler (vorn), „was wirklich schwere körperliche Arbeit bedeutet“. © Verein

Nach zwei Tagen Training fuhren die Handball-Profis am Dienstag beispielsweise ins Besucherbergwerk St. Christoph in Breitenbrunn ein. Bis 1945 wurden dort Magneteisenerz, Zinnstein und Sulfide abgebaut. Seit 2000 ist der riesige Stollen für Besucher zugänglich, und das Pöhler-Team staunte nicht schlecht. „Einerseits waren einige nach zwei kompletten Belastungstagen physisch förmlich im Keller. Andererseits wollten wir den Spielern auch etwas Beschäftigung für den Kopf bieten – was wirklich schwere körperliche Arbeit bedeutet. Denn richtig schwer“, sagt Pöhler, „wird die zweite Saison in der 2. Bundesliga für uns auch.“

Nicht zuletzt deshalb zog der 37-Jährige die Zügel am Tag darauf schon wieder straffer. Aber auch die Einheiten am Mittwoch hatten durchaus außergewöhnlichen Charakter. Mit dem Fahrrad ließ er seine Mannschaft die 17-Kilometer-Strecke von Rabenberg nach Pöhla zurücklegen. Dort schmiegt sich die Pöhlbachschanze an die Hügel. Auf der 1948 erbauten Anlage, zu der drei weitere kleinere Schanzen gehören, hat einst Jens Weißflog seine ersten Sprünge gewagt. Doch in den Skispringerspuren des dreifachen Olympiasiegers wollten die Handballer eher nicht wandeln. Pöhler hatte sich vielmehr Konditionseinheiten der etwas anderen Art ausgedacht. Berganläufe: zuerst die Treppen, später den steilen Aufsprunghang hinauf. „Neben dem Trainingseffekt verspreche ich mir davon auch mentale und psychologische Entwicklungen. Schließlich geht es an der Schanze ja auch steil nach oben“, sagt Pöhler. So offensiv hat der junge Handballlehrer seine Hoffnungen auf die nähere sportliche Zukunft noch nie formuliert.

Gute Stimmung im Team

Vielleicht kommt das ja noch. Zumindest ist der Cheftrainer des Zweitligisten hoch zufrieden mit dem Verlauf des Trainingslagers. „Die Stimmung im Team war richtig gut. Wir konnten in puncto Maximalkraft deutlich intensiver trainieren als vor der vergangenen Saison. Auch unsere Rekonvaleszenten haben deutliche Fortschritte gemacht“, erklärt Pöhler. Das bezieht sich speziell auf den einzigen Neuzugang Marc Pechstein. Nils Gugisch konnte aufgrund einer Zerrung nur eingeschränkt trainieren. Gabor Pulay plagen ein paar Rückenprobleme.

Allerdings ist der Ungar wohl am Sonntag einsatzfähig, wenn den HC Elbflorenz seine erste spielerische Herausforderung vor der neuen Saison erwartet. Beim Sachsen-Cup in Hoyerwerda stehen außer Gastgeber LHV aus der Sachsenliga Erstligist SC DHfK Leipzig und Zweitliga-Rivale Dessau aus Sachsen-Anhalt auf der Gästeliste. „Voriges Jahr haben wir den Sachsen-Cup in Altenburg ausgespielt“, erinnert sich Pöhler schmunzelnd an den Auftritt in Thüringen. Offenbar nehmen es die Handballer in der Vorbereitung mit territorialen Einschränkungen nicht so genau. Wichtig ist ja, dass sich die jeweilige Form entwickelt. Da käme ein mögliches Final-Duell gegen Leipzig gerade recht. „Die Männer freuen sich auf den Wettkampf“, betont Pöhler – nach der Atempause sowieso.