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Wo Wohnen wenig kostet

Mieter in Bautzen zahlen fast drei Euro pro Quadratmeter weniger als in Dresden. Pendler ziehen trotzdem nicht um.

© Uwe Soeder

Von Marleen Hollenbach

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Bautzen. Eine schöne Wohnung mit Balkon, zentral gelegen, in ruhiger Umgebung und möglichst günstig soll es auch noch sein: Was in Dresden kaum noch zu haben ist, hat der Bautzener Wohnungsmarkt durchaus noch im Angebot. Das geht aus den Berichten mehrerer Immobilienplattformen wie Immowelt oder Wohnung.com hervor.

Ab 4,70 Euro pro Quadratmeter: Zentral gelegen sind die Wohnungen an der Steinstraße. Wer hier wohnt, ist schnell in der Bautzener Altstadt.
Ab 4,70 Euro pro Quadratmeter: Zentral gelegen sind die Wohnungen an der Steinstraße. Wer hier wohnt, ist schnell in der Bautzener Altstadt. © Uwe Soeder
Ab 5,20 Euro pro Quadratmeter: Eine Schule ist in der Nähe, ein Supermarkt auch – an der Friederich-Wolf-Straße in Bautzen ist eine Wohnung frei.
Ab 5,20 Euro pro Quadratmeter: Eine Schule ist in der Nähe, ein Supermarkt auch – an der Friederich-Wolf-Straße in Bautzen ist eine Wohnung frei. © Uwe Soeder

Nicht die tatsächlich gezahlten Mieten werden dort erfasst, sondern die Angebote, mit denen Wohnungen über das Internet vermittelt werden sollen. Doch auch daraus lässt sich ein eindeutiger Trend ableiten: Obwohl die Mieten in Dresden in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind, bleiben die Preise in Bautzen eher konstant. Die Schere geht also weiter auseinander.

Laut dem Internetportal Immowelt müssen die Dresdner bei Neuvermietungen inzwischen durchschnittlich acht Euro pro Quadratmeter zahlen. Bautzen liegt mit 5,52 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete deutlich dahinter. Zwar betrug der Durchschnittspreis 2015 noch 5,10 Euro. Von einer Aufholjagd kann jedoch nicht die Rede sein. Dass sich die Preise angleichen, ist auch nicht zu erwarten, so Kirsten Schönherr, Chefin der Bautzener Wohnungsbaugesellschaft (BWB). Schon allein deshalb, weil Bautzen von Dresden zu weit entfernt liegt und nicht, wie zum Beispiel Radeberg, von der Lage im Speckgürtel profitiert. Doch das ist längst nicht der einzige Grund. „Die Mietstagnation ist auch ein Zeichen dafür, dass in Bautzen im Grunde nicht nennenswert neu gebaut wird“, erklärt Schönherr. Neubaumieten müssten bei den derzeitigen Baupreisen und einer angemessenen Rendite bei 10 Euro pro Quadratmeter liegen, so die BWB-Chefin. Familien mit Kindern, die eine größere Wohnung suchen, könnten bei der derzeitigen Einkommenssituation in Bautzen den Betrag für eine solche Wohnung aber nicht zahlen.

In Dresden ist das anders. Weil es dort mehr gut verdienende Haushalte gibt, werden mehr Häuser neu gebaut, was wiederum den Durchschnittspreis nach oben treibt. Die BWB betreut 3 700 Wohnungen. Nur 300 davon werden jedes Jahr neu vermietet. „Davon wiederum ist der Anteil an Wohnungen, die dann zu einem höheren Preis als bisher vermietet wird, nicht hoch“, so Schönherr. Nur komplett sanierte und modernisierte Wohnungen sind teurer als der Durchschnitt. Der beträgt bei der BWB pro Quadratmeter 4,80 Euro. Die Differenz der Mietpreise ist gar nicht so groß, meint Immobilienfachmann Jan Hornig.

Schließlich betrachten die Internetportale nur das, was neu auf den Markt kommt und nicht die vorhandenen Bestandsmieten. Der Experte ist sich sicher: Schaut man sich die Preise der Mieter an, die in Dresden schon seit Jahren wohnen, dann ist der Unterschied zu den Preisen in der Stadt Bautzen viel geringer. Und noch etwas beobachtet der Experte. Es gibt in Bautzen Menschen, die für ihre Wohnung tiefer in den Geldbeutel greifen. Auch wenn es sich nur um eine kleine Gruppe handelt. Ist die Ausstattung toll, stimmt die Lage und gibt es einen Stellplatz fürs Auto, zahlen auch Bautzener Mieter mehr.

Lebensqualität entscheidet

Eines ist klar: Jene, die in Dresden leben und arbeiten, ziehen nicht aufgrund der geringen Mieten nach Bautzen. Doch was ist mit den 18 000 Pendlern, die für die Arbeit in die Stadt an der Spree kommen? Nicht wenige reisen täglich aus Dresden an. Ziehen diese Menschen aufgrund der Preisentwicklung um? Jan Hornig kann das nicht beobachten. Und auch bei der BWB fragen nur selten Pendler aus der Landeshauptstadt nach einer Wohnung. „Bei einem Umzug sind ja neben dem Preis noch viele andere Bedürfnisse ausschlaggebend“, sagt Kirsten Schönherr. Zum Beispiel Freizeitmöglichkeiten, und ein geselliges Leben mit Kunst und Kultur.

Anders sieht die Lage aus, wenn es um Eigentumswohnungen oder gar um Eigenheime geht. Häuslebauer schauen sich längst nicht nur im Randgebiet von Dresden nach Grundstücken um. Die Nachfrage reicht inzwischen bis nach Bautzen. Die Stadt habe in diesem Bereich großes Potenzial, meint Jan Hornig. Vorausgesetzt, sie schafft neue Baugebiete. Dass sich der Markt für Eigenheime vom Mietwohnungsmarkt unterschiedet, führt Hornig auf das Angebot zurück. Freie Wohnungen sind in Dresden noch deutlich leichter zu finden als Baugrundstücke.

Dabei gibt es bereits eine Stadt im Landkreis Bautzen, die von den hohen Mieten in Dresden profitiert – Kamenz. Einer der größten Vermieter dort ist die Städtische Wohnungsgesellschaft (SWG). „Wir bemerken in letzter Zeit einen Zuzug von Menschen, die aus dem Dresdener Raum kommen und im Kreis Bautzen arbeiten, sagt SWG-Chef Wulf-Dietrich Schomber. Einige haben in Dresden nichts Passendes gefunden, andere wollen nicht mehr pendeln. „Ich denke, es liegt auch daran, dass wir uns mit unseren Kitas und Schulen nicht verstecken müssen“, erklärt Wulf-Dietrich Schomber. Seine Mieter zahlen zwischen 4,90 Euro und 5 Euro pro Quadratmeter.