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Wölfe reißen Schaf in Wehrsdorf

Einem Tierhalter bietet sich ein grausiges Bild. Entschädigung erhält er micht.

© privat

Von Katja Schäfer

Zuerst denkt sich Maik Wagner nichts Schlimmes, als an einem Morgen Anfang dieser Woche nur noch eins seiner beiden Schafe auf der Wiese hinterm Haus steht. „Wenn eins weg ist, ist es meist beim Nachbarn“, erzählt der Wehrsdorfer. Doch diesmal ist das Tier dort nicht zu finden. Und auch nirgends in unmittelbarer Umgebung. Stattdessen sieht der Mann, der in Nähe des Skilifts, aber nicht abgelegen, sondern neben anderen Häusern wohnt, Schleifspuren auf dem vom Regen aufgeweichten Feld. „Denen bin ich nachgelaufen bis zum Wald hoch“, berichtet er. Als Maik Wagner Fellstücke und Blutspuren entdeckt, ahnte er Schlimmes. Wenig später, etwa 600 Meter vom Haus entfernt, findet er dann die Reste seines Schafes. Den Kopf, etwas Haut mit Fell, ein paar Rippen, ein Bein. Das Fleisch ist komplett weg.

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Schutz ist vorgeschrieben

Der Wehrsdorfer vermutete sofort, dass ein Wolf das Tier gerissen hat. Nach einer Telefon-Odyssee über Gemeindeverwaltung, Jagdpächter und Jagdbehörde landete er schließlich an der richtigen Stelle – beim Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz. Gegen Mittag waren Fachleute vor Ort, begutachteten die Spuren und die Reste des Schafes und bestätigten Wagners Verdacht: Sein Tier war von Wölfen getötet und gefressen worden. „Es waren mindestens zwei Wölfe, vermutlich vom Hohwald-Rudel“, gibt Gernot Schweitzer von der Pressestelle des Bautzener Landratsamtes Auskunft.

Anspruch auf Entschädigung hat Maik Wagner nicht. Denn seine Schafe waren mit Ketten angepflockt. Und dafür zahlt der Freistaat Sachsen keinen finanziellen Ausgleich. Den gibt es nur, wenn die Mindestanforderungen an die Schafhaltung im Wolfsgebiet eingehalten werden. Welche das sind, ist genau definiert: Als Mindestschutz gelten 90 Zentimeter hohe stromführende Elektrozäune oder mindestens 1,20 Meter hohe feste Koppeln aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material mit festem Bodenabschluss, die ein Durchschlüpfen von Wölfen verhindern. Diese und zusätzliche Kriterien sind unter anderem auf der Internetseite der Wolfsregion Lausitz nachzulesen. Und in Infomaterial zum Thema „Wie schütze ich mein Schaf vor dem Wolf“, wie es Maik Wagner übergeben bekam.

„Mir wurde gesagt, dass ich meine Tiere besser schützen soll und dass man sich daran gewöhnen müsse, dass Wölfe nachts durch Ortschaften laufen“, erzählt der Wehrsdorfer empört und fügt sarkastisch an: „Das ist doch irre, oder?“ Das ihm verbliebene Schaf will er jetzt über Nacht immer einsperren. – In diesem Jahr sind bisher in Saschen 23 Fälle registriert worden, bei denen insgesamt 42 Nutztiere getötet oder vermisst und drei verletzt wurden; vorwiegend Schafe, aber auch Ziegen und Kälber. Siebenmal wurden eindeutig Wölfe als Verursacher festgestellt; achtmal zumindest nicht ausgeschlossen.

In den anderen Fällen ist die Todesursache unklar. Wie das Landratsamt bestätigt, ist der Vorfall bei Maik Wagner in Wehrsdorf der erste in der Sohlander Gegend. Derzeit leben vierzehn Wolfsfamilien oder -paare in der Lausitz.

Schäden an Nutztieren, bei denen ein Wolf als Verursacher vermutet wird, sollten die Halter innerhalb von 24 Stunden an eine dieser Stellen melden: Landratsamt Bautzen, 03591 52510; Wildbiologisches Büro Lupus, 035772 46762; Wolfsbeauftragter André Klingenberger, 035932 36531. An Wochenenden und Feiertagen gibt es einen Bereitschaftsdienst. Kontakt über Notruf 112 oder den Wolfsbeauftragten unter 0172 3757602.

www.wolfsregion-lausitz.de