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Wölfe unter uns

Zwischen Königshain und Reichenbach gibt es Hinweise auf ein Rudel. Noch ist unklar, wie weit sein Gebiet reicht.

© Bernd Wüstneck/dpa

Von Anja Gail

Reichenbach. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die Untersuchung eines toten Wolfswelpen, der im Juni 2015 in den Königshainer Bergen gefunden worden war, hat die Vermutung gestützt, dass dort nicht nur Wölfe jagen, deren Kerngebiet weiter im Norden oder Westen liegt. In den Wäldern hat sich ein eigenes Rudel gebildet. Die Wurfhöhle muss sich in den Königshainer Bergen befunden haben.

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Das Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ hat ein eigenes Rudel vor wenigen Tagen mit der Auswertung von aktuellen Daten noch einmal bestätigt. Zuvor waren die Wolfsexperten davon ausgegangen, dass die Königshainer Berge zu klein sind für eine Wolfsfamilie, die in der Regel aus fünf bis zehn Tieren besteht. Das Rudel wird von hier aus auch ein größeres Territorium für sich in Beschlag nehmen, erklärt Jana Endel aus dem Kontaktbüro in Rietschen. Ob das Areal der Königshainer Wölfe weiter nach Süden oder Westen reicht, ist bislang nicht geklärt. Das Wolfsbüro ist auf die Mitarbeit aus der Bevölkerung angewiesen.

Dort gibt es schon seit Längerem verschiedene Beobachtungen. Der Hegering für das Muffelwild in den Königshainer Bergen hatte bereits im Jagdjahr 2011/2012 einen „Einbruch“ bei den Stückzahlen der Muffel durch die Wölfe festgestellt. Das belegen auch die Zahlen in der nebenstehenden Tabelle. Inzwischen würde es nur noch einzelne Wildschafe und kleine Gruppen dieser Tierart geben, die vor etwa 50 Jahren in den Königshainer Bergen angesiedelt worden war. Ingo Weber, Vorsitzender des Hegerings, schätzt die aktuelle Zahl pro Jahr auf 30 Mufflons von einstmals 500. Der Bestand sei damit zu klein, um sich zu reproduzieren.

Gesichtet werden Wölfe von den Jägern vor Ort regelmäßig, auch bei Treibjagden. Es werden Spuren, Losungen und Risse gefunden. Mittlerweile falle auf, so Ingo Weber, dass Risse beim Rehwild durch die Wölfe zugenommen hätten. An Schwarzwild würden sich die Tiere eher weniger heran trauen.

Aber von all dem wird nur ein Bruchteil an die Wolfsforscher weitergemeldet. Die Funkstille aufseiten vieler Jäger hat vor allem damit zu tun, dass sie sich mit ihren Interessen zu einseitig abgestempelt und nicht wahrgenommen fühlen. Ihre Vorstöße, den Schutzstatus des Wolfes zu ändern, haben bisher keine Lösung gebracht. So stehen weiter Vorbehalte im Raum. Es herrscht Schweigen im Wald.

Dass das Heulen der Wölfe in den Königshainer Bergen von einem eigenen Rudel stammt, hat sich durch Beobachtungen in den vergangenen Monaten immer mehr verdichtet. So hatten Stefanie und Toni Schmidt aus Königshain schon im vorigen Frühjahr auf den Kämpferbergen in einer Entfernung von etwa 800 Metern mehrere Wölfe unterschiedlichen Alters gesichtet. Im Sommer entdeckte Gärtner Stefan Jung auf einem Feld bei Meuselwitz zwei Wölfe am helllichten Tag. Rund um Dittmannsdorf, Meuselwitz und Borda wurden mehrfach Wölfe von Anwohnern gesehen. Oftmals hätten eigene Nutztiere durch die Nähe der Wölfe auch sehr unruhig reagiert.

Dadurch sind private Tierhalter und Landwirte auch besorgt. Martin Bauz aus Dittmannsdorf erzählt, dass der Aufwand, seine Nutztiere zu schützen, teils sehr hoch sei. Das fange beim Freihalten der Umzäunungen an. In die geforderten Netzzäune wachse von unten schnell das Gras hinein, erklärt er.

Für solche Schutzmaßnahmen zahlt der Freistaat auf Antrag der Tierhalter zwar Zuschüsse. 80 Prozent sind das zurzeit. Über 350000 Euro wurden im vergangenen Jahr in Sachsen dafür ausgegeben. Geld, das an anderen Stellen fehlt.

Aus Sicht der Tierhalter gibt es noch eine weitere Sorge. Auf die Nähe von Wildtieren wie dem Wolf würden Pferde und Kühe auf den Weiden unruhig reagieren. Es hat schon Fälle gegeben, wo die Tiere die Zäune der Koppel daraufhin durchbrochen haben, erzählt Margrit Henkel aus Niederreichenbach. Was, wenn die Tiere auf eine Straße laufen und etwas passiert? Wer kommt für solche Schäden auf? Der Landwirtin gehen solche Fragen schon durch den Kopf. Sie habe selbst vor Kurzem typische Wolfsspuren im Schnee entdeckt. Wenn Wölfe im geschnürten Trab laufen und dabei die Hinterpfoten in die Abdrücke der Vorderpfoten setzen, sieht das aus wie auf eine Kette gefädelt.

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Selbst solche Spuren sind für die Wolfsforscher interessant, sagt Jana Endel. Das Kontaktbüro ist inzwischen auch auf die Stadtverwaltung in Reichenbach zugegangen und hat angeboten, die Bürger zu informieren. So eine Veranstaltung werde nun für März geplant, sagt Bürgermeisterin Carina Dittrich. Dort können Bürger, Jäger und Tierhalter auch von ihren Erfahrungen berichten und ihre Sorgen hervorbringen. (mit cj)

Hinweise an: Lupus-Institut für Wolfsmonitoring und –forschung unter 035727 57762 oder an das Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ unter 03577246762