merken

Wohin mit den Büchern?

Die Bibliothek soll dem Hort weichen, weil die Räume gebraucht werden. Nicht jeder findet das gut.

© Jan Woitas/dpa

Von Jörg Richter

Lampertswalde. Eigentlich gibt es keine schönere Nachricht: Die Gemeinde Lampertswalde verjüngt sich. Es gibt immer mehr Kinder. Junge Familien siedeln sich hier an, empfinden die hiesigen Dörfer als lebenswerte Orte. Bestes Beispiel ist Brockwitz, wo in die einst brach liegende Eigenheimsiedlung nun endlich Leben reinkommt. Es habe erste Verkaufsverträge für die dortigen Grundstücke gegeben, konnte Bürgermeister Wolfgang Hoffmann auf der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend froh verkünden.

Bauen und Wohnen
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Die gute Laune störten allerdings vier junge Mütter. Sie beklagen, dass die Bibliothek aus ihrer altangestammten Umgebung verlagert wird. Bisher befand sie sich im ersten Obergeschoss des Hortgebäudes. Doch sie soll nun dem Hort weichen. Bürgermeister Hoffmann verteidigt diese Entscheidung. Denn dass die Gemeinde Lampertswalde erfreulicherweise mehr Kinder hat, habe u. a. auch zur Folge, dass es mehr Hortkinder gibt. Wenn die neuen Abc-Schützen im August eingeschult werden, würde die Anzahl der Hortkinder auf 146 ansteigen, so Hoffmann. Bisher gibt es aber nur Platz für maximal 140. Deshalb muss die Bibliothek raus aus dem Gebäude. „Wir sind dadurch in der Lage, neue Hortplätze zu schaffen“, sagt der Bürgermeister und weiß die übergroße Mehrheit seiner Gemeinderäte hinter sich.

Die Bibliothek setzt sich aus einer Erwachsenenbibliothek und einer Kinderbibliothek zusammen. Während die Erwachsenenbibliothek ab 1. Mai im ehemaligen Lampertswalder Gemeindeamt unterkommt, ist bisher noch unklar, was mit der Kinderbibliothek geschehen soll. Bürgermeister Wolfgang Hoffmann favorisiert die Variante, dass die Kinderbücher altersgerecht auf die Kita und die Grundschule verteilt werden.

Das sei das Ende des Bücherausleihens in Lampertswalde und aller dazugehörigen ehrenamtlichen Aktivitäten wie Buchlesungen für Kinder, kritisieren die Mütter. „Es ist aber existenziell, dass Kinder ab drei Jahren Bücher in die Hand bekommen“, sagt Manja Wenzel.

Die Unterbringung der Hortkinder sei wichtiger, entgegnen mehrere Gemeinderatsmitglieder. Einige wollen beobachtet haben, dass das Ausleihen von Büchern in der hiesigen Bibliothek ohnehin abgenommen habe.

Peter Sodann freut sich

„Das ist nicht verwunderlich“, sagt Nicole Hausdorf. Die Öffnungszeiten seien immer mehr gekürzt worden. Sie kann anhand von Dokumenten beweisen, dass bis April 2016 jeden Monat durchschnittlich 90 Kinder und Erwachsene Bücher und andere Medien ausliehen. Nicole Hausdorf und die anderen Mütter kritisieren, dass die Gemeindeverwaltung nicht wirklich ein Interesse hätte, die Bibliothek zu erhalten.

„Kein Buch wird weggeworfen“, versichert Bürgermeister Hoffmann. Allein in der Erwachsenenbibliothek haben sich knapp 6 000 Exemplare angesammelt. „Da sind echte Raritäten darunter“, sagt Gemeinderätin Martina Höllerl. Die gelernte Bibliothekarin hat sich der Sache angenommen. Allerdings könnten auch einige Bücher aussortiert werden. „Ich habe Bücher entdeckt, die zum letzten Mal 1987 ausgeliehen wurden“, berichtet sie. Solche Exemplare, vor allem aus der sozialistischen Literatur, seien heutzutage kaum nachgefragt. Martina Höllerl hat Bücher ehemaliger DDR-Verlage herausgefiltert und in sechs Bananenkisten in die Privatbibliothek von Peter Sodann nach Stauchitz geschafft. Der Schauspieler hat es sich dort zur Lebensaufgabe gemacht, DDR-Literatur zu bewahren, da sie ein Teil deutscher Geschichte ist.

Weiterführende Artikel

Offenheit ist der bessere Weg

Offenheit ist der bessere Weg

Die Bibliothek soll dem Hort weichen, weil die Räume gebraucht werden. Nicht jeder findet das gut – Jörg Richter über Lampertswaldes Öffentlichkeitsarbeit.

Auch Martina Höllerl findet das Verteilen der Kinderbücher auf hiesige Kinder- und Bildungseinrichtungen eine akzeptable Variante. „Vielleicht kann man auch ein paar Jugendbücher in die Erwachsenenbibliothek integrieren“, sagt sie. Die Gemeinderätin wirbt dafür, mit den besorgten Müttern im Gespräch zu bleiben.

Diese weisen zurecht darauf hin, dass Bibliotheken auf dem Lande immer mehr aussterben. Manja Wenzel fragt: „Aber muss man das so hinnehmen?“