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Wohin und womit?

In keiner Stadt wird der Verkehr bereits so lange systematisch untersucht wie in Dresden. Jetzt folgt der nächste Schritt.

© DVB/Jürgen Herrmann

Von Christoph Springer

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Was hilft am besten gegen künftige Staus? Breitere Straßen für die Autos? Mehr Radwege, damit in Zukunft mehr Menschen Fahrrad fahren? Oder tun es auch mehr Straßenbahnen? Solche Fragen beschäftigen die Verwaltung und den Stadtrat immer dann, wenn Straßen saniert und Brücken erneuert werden müssen. Wissenschaftliche Grundlage für die Diskussion über den Verkehr der Zukunft ist in Dresden seit 1972 eine Umfrage, die etwa alle fünf Jahre stattfindet. Es ist die älteste Datenreihe dieser Art in ganz Deutschland. 129 Städte und Gemeinden haben dieses System inzwischen übernommen, darunter Berlin, Leipzig, Düsseldorf und Frankfurt am Main.

... im Auto, ...
... im Auto, ... © Sven Ellger
... auf dem Fahrrad ...
... auf dem Fahrrad ... © Colourbox
... oder per pedes ans Ziel? Das wollen die Wissenschaftler wissen.
... oder per pedes ans Ziel? Das wollen die Wissenschaftler wissen. © Sven Ellger

Jetzt steht eine neue Befragung bevor. Zum elften Mal sollen dabei Dresdner darüber Auskunft geben, welche Wege sie an einem bestimmten Tag zurückgelegt haben, ob sie gelaufen oder gefahren sind und welche Verkehrsmittel sie benutzt haben. Dazu werden im Auftrag der Technischen Universität 3 200 Familien und Singles per Zufall aus dem Melderegister der Stadt ausgewählt und angerufen oder angeschrieben. Außerdem sollen 6 500 Menschen aus dem Umland darüber Auskunft geben, welche Wege sie zurückgelegt haben. Aus diesen Antworten ermitteln die Wissenschaftler dann Daten zum aktuellen Verkehr in Dresden und Umgebung. Die Ergebnisse sollen im Herbst 2019 vorliegen.

Matthias Mohaupt, Verkehrsplaner im Rathaus, erklärt: „So erfahren wir, wie der Verkehr heute funktioniert und wie er in Zukunft aussehen kann.“ Das Ergebnis helfe, Trends zu erkennen, sie zu unterstützen und die Entwicklung zum Nutzen der Stadt zu steuern. Die zehn Befragungen seit 1972 haben zum Beispiel gezeigt, dass der Anteil des Autoverkehrs in Dresden bis 1998 stetig zugenommen hat. Anfangs betrug er 22 Prozent, vor zehn Jahren waren es dann 44 Prozent. Zuletzt ist sein Anteil wieder zurückgegangen, bei der letzten Befragung vor fünf Jahren betrug er 39 Prozent.

„Das ist eine einheitliche und akzeptierte Grundlage“, sagt Mirko Rüde, Marktforscher bei den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB), über die Umfrage. Daraus leite das Unternehmen neue Angebote ab. Ergebnis solcher Überlegungen war unter anderem die Entscheidung, neue Straßenbahnverbindungen zwischen Strehlen und Löbtau sowie zwischen Plauen und der Johannstadt zu bauen.

Der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) erwartet, dass die Umfrageergebnisse den Nutzen des neuen, dichteren S-Bahn-Takts zwischen Meißen und Dresden belegen. Dazu müssten bei der Umfrage mehr Menschen als zuvor berichten, dass sie für ihre Wege zwischen der Kreisstadt und der Landeshauptstadt die S1 nutzen und dafür vielleicht das eigene Auto stehen lassen.

Die Umfrage kostet die Stadt rund 40 000 Euro. Der erste Schritt: Per Zufall werden die 3 200 Dresdner ausgewählt, die befragt werden sollen. Stehen sie im Telefonbuch, bekommen sie zwei Mal Post: Zuerst werden sie darüber informiert, dass sie für die Befragung ausgewählt wurden. Dann erfahren sie, an welchem Tag sie befragt werden sollen. Am Stichtag selbst ruft schließlich ein Mitarbeiter der Leipziger Firma Omnitrend an und stellt die vorab festgelegten Fragen. Der TU-Wissenschaftler Frank Ließke leitet die Erhebung. „Das dauert bei einem Singlehaushalt bis zu 20 Minuten, bei einer Familie etwa eine halbe Stunde“, erklärt er den Zeitaufwand. Dresdner, die nicht im Telefonbuch stehen, bekommen zuerst Post mit der Bitte, eine Telefonnummer oder eine Mailadresse für die Verkehrsbefragung anzugeben. Antworten sie, schickt die TU ihnen ein zweites Schreiben mit dem Stichtag für die Verkehrsbefragung. Erst danach werden auch sie von den Umfragefachleuten angerufen.