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Wohnblocks als Bordelle – Zwangsprostitution bleibt oft unentdeckt

Vor allem in sächsischen Großstädten bieten Prostituierte ihre Dienste an – manche allerdings nicht freiwillig.

Dresden. Sie kommen aus Rumänien, Bulgarien, der Ukraine oder auch aus Nigeria: Frauen, die nach Sachsen verschleppt und zum Sex gezwungen werden. „Wir hatten sogar schon eine Chinesin, die auf dem Landweg eingeschleust wurde“, berichtet Annett Scheibe von der sächsischen Beratungsstelle für Opfer von Menschenhandel, Kobranet. Die Frauen aus dem Kreislauf von Ausbeutung und Abhängigkeit zu befreien ist schwer. „In Sachsen fehlt eine Ausstiegsberatung, die den Frauen andere Möglichkeiten und Perspektiven aufzeigt“, erklärt Scheibe mit Blick auf den heutigen internationalen Hurentag.

Oft stünden die Frauen unter großem persönlichem oder finanziellem Druck. „Deswegen sind wir dabei, in Sachsen ein Beratungsnetz aufzubauen und eine Lobby zu finden“, erklärt Scheibe. Bis 2002 wurde käuflicher Sex in Deutschland als sittenwidrig eingestuft. Seither gilt eines der liberalsten Prostitutionsgesetze weltweit. Grundsätzlich ist „Sexarbeit“ legal. Prostituierte, die in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, haben sogar Anspruch auf bezahlten Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Zuhälterei und sexuelle Ausbeutung sind nach wie vor verboten.

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Nach Einschätzung von Kobranet hat die Prostitution in Sachsen nicht unbedingt zugenommen. Es sei aber schwieriger, Frauen als Opfer von Menschenhandel zu identifizieren. „Das ist das große Problem“, so Scheibe. Zu erkennen, wer in einem Bordell freiwillig arbeitet oder gezwungen wird, sei schwer. In der Kriminalstatistik tauchen daher nur wenige Fälle auf: Für 2013 weist sie in Sachsen 43 Fälle verbotener Prostitution und 30 Fälle von Zuhälterei aus. Zweimal wurden Prostituierte ausgebeutet, in acht Fällen sexuelle Handlungen Minderjähriger gefördert. Außerdem wurden 25 Fälle von Menschenhandel zum Zwecke der Prostitution registriert. (dpa)