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Wohnen auf dem Wasapark-Gelände

Die Bürogebäude sollen verschwinden. Die Stadt hat schon Vorstellungen, wie neue Wohnhäuser dort in Zukunft aussehen könnten.

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© Norbert Millauer

Von Nina Schirmer

Radebeul. Wer hier einmal hinzieht, wohnt definitiv zentral. Der Bahnhof Ost und die Geschäfte an Haupt- und Sidonienstraße sind nur einen Kilometer entfernt. Die Straßenbahn fährt vor der Haustür ab. Ein Supermarkt steht schräg gegenüber. Bis zu den Landesbühnen kann man auch laufen. Das Wasapark-Areal an der Meißner Straße scheint kein schlechter Standort für Wohnungen zu sein. Der Stadtrat hat deshalb in seiner letzten Sitzung im März beschlossen, einen Bebauungsplan für das Quartier aufzustellen.

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„Damit wollen wir zeigen, in welche Richtung eine zukünftige Bebauung gehen soll“, sagt Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos). Auf der einen Seite will die Stadt mit dem Bebauungsplan ein Signal an potenzielle Investoren senden, dass auf dem Areal etwas passieren soll. Gleichzeitig hat der Bebauungsplan aber auch eine Schutzfunktion. Durch ihn will man verhindern, dass Investoren sich austoben und Dinge gebaut werden, die man an dieser Stelle nicht haben möchte. „Wir wollen Investoren auch signalisieren, dass sie nicht alles machen können“, sagt Wendsche.

Was anstelle der Bürohäuser nicht entstehen soll, darüber ist man sich schon im Klaren. „Ein großer Supermarkt zum Beispiel oder ein Baumarkt ist dort nicht gewollt“, so der Oberbürgermeister. Auch noch ein Seniorenwohnheim, wie es auf dem Glasinvestareal entstehen soll, möchte die Stadt an diesem Ort nicht.

Stattdessen sollen Wohnhäuser gebaut werden. Allerdings deutlich Kleinere als die jetzigen Bürogebäude. Die sind rund 88 Meter lang, 21 Meter hoch und „ignorieren die umgebende kleinteilige städtebauliche Struktur und sind ein deutlicher Fremdkörper im Stadtgefüge“, heißt es von der Verwaltung. Wenn auf dem Gelände Wohnhäuser gebaut werden, dann sollen diese nur noch drei Geschosse haben. Bis zum Baustart wird es aber noch dauern. Einen Termin lässt sich noch gar nicht nennen. Denn die Bürogebäude aus den 70er-Jahren haben Bestandsschutz, solange sie genutzt werden. Das heißt: Die Stadt kann Bürobetreiber nicht rausschmeißen.

Nur für etwas anderes als Büros dürfen die Räume nicht mehr genutzt werden. So will die Stadt verhindern, dass sich der städtebauliche Strukturbruch noch über viele Jahre weiter verfestigt. Aktuell stehe ein Teil der Nutzflächen in den Gebäuden leer. Zuletzt ist das DDR-Museum im letzten Jahr aus dem blauen Gebäudeteil direkt an der Meißner Straße ausgezogen.

Wenn die Gebäude irgendwann keiner mehr als Büros nutzt – sie also abgerissen werden können – soll es auch Veränderungen an der Riesestraße geben. Noch endet sie als Sackgasse am Wasapark-Gelände. Zukünftig soll die Straße bis zur Meißner Straße durchführen. Auch ein Parkplatz für Autos und Busse ist auf dem Areal geplant.

Viele gute Ideen also für eine der größten Reserveflächen in der Stadt. Doch nach wie vor gehören die Flächen und Gebäude privaten Besitzern. Ein Dresdner Unternehmer, der auch zu den Mitbegründern des DDR-Museums gehörte, hat die Immobilien inzwischen an eine Gesellschaft verkauft, die in Spanien ihren Hauptsitz hat.

Für die Spanier sind deutsche Immobilien lukrativ, weil bei ihnen und im meisten übrigen Westeuropa die Preise schon deutlich höher sind. Und genau das könnte die Lust wecken, mit dem großflächigen Areal zu spekulieren, es gar noch mehr zu verdichten. Weshalb die Stadt jetzt eine deutliche Ansage mit dem Bauplan macht.

Doch noch ist ein gehöriger Teil der Häuser belegt. Im Haus 1 wurden Investitionen für über eine Million Euro getätigt. Dort ist auch das Stadtarchiv eingezogen. Und: Nach Aussagen des Verwalters gibt es auch Interessenten für das Haus vom ehemaligen DDR-Museum.