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Wohnen im Barockpark

Gleich nach der Wende ist hier der letzte Mieter ausgezogen. Jetzt wird die Alte Mühle zum Wohnhaus im Park umgebaut.

© Andreas Weihs

Von Birgit Ulbricht

Zabeltitz. Aus den Augen, aus dem Sinn. Von der Alten Mühle in Zabeltitz gibt es aus DDR-Zeiten lediglich zwei Fotos. Jeweils von der Kirche aus aufgenommen und eher aus der Ferne. Das wundert Unternehmer Timmy Held bis heute am meisten. Denn weil sich niemand mehr mit der Ruine neben dem Palais beschäftigte, das älteste Gebäude des Ortes nicht einmal mehr eines Fotos für würdig befand – deshalb geriet die Schlossmühle ins Vergessen. Mitten im Ort. Es gibt weitaus mehr Berichte und Bilder vom Mühlencafé, einst Sägewerk und dann als DRK-Station und doch nur ein nachträglicher Anbau.

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Blick in das künftige Treppenhaus der Mühle. Der Rohbau nimmt Gestalt an.
Blick in das künftige Treppenhaus der Mühle. Der Rohbau nimmt Gestalt an. © Andreas Weihs
Wie auf einem Gemälde: Blick aus einem Fenster im Erdgeschoss.
Wie auf einem Gemälde: Blick aus einem Fenster im Erdgeschoss. © Andreas Weihs

Damit ist jetzt Schluss. Fast jeden Tag schaut jemand bei Timmy Held auf der Baustelle „Schlossmühle“ vorbei. Mancher gibt gern zu, dass er den Jungen anfangs für verrückt gehalten hat, sich diesen baufälligen Kasten aufzuhalsen. „Meine Frau hat das auch gesagt“, gibt Timmy Held unumwunden zu. Was kein Wunder ist. Nicht einmal die Zabeltitzer hätten geglaubt, dass sich jemand an diese Großruine traut.

Laut Bohrergebnissen in den Balkenkernen durch die Landesdenkmalpflege ist die Mühle aus dem Jahr 1532 und damit älter als die Kirche und sogar älter als das Wasserschloss, das noch vor dem heutigen Palais am Barockgarten stand. Timmy Held hatte sich in das Objekt verliebt und sich ganz behutsam genähert. Denn zunächst hat der Metallbauer mit dem Faible für Wasserkraft die alte Turbine und das Wehr wieder hergestellt. Da haben schon viele den Kopf geschüttelt.

Denn das Ganze hat nicht nur Geld gekostet, sondern bedeutet jede Menge Genehmigungen einholen, Behördengänge, Widersprüche und Gesprächsrunden. Wenn Timmy Held im Frühjahr 2020 mit dem Umbau der Alten Mühle fertig ist, kann er seinen Mietern allerdings eigenen Strom aus Wasserkraft anbieten. Die Spitzen fängt ein kleines Blockheizkraftwerk ab, das mit Gas betrieben wird. Acht Wohnungen entstehen, von 40 bis 140 Quadratmetern, jede individuell in Zuschnitt, Lichtspiel und Aussicht. Die Wohnungen im Erdgeschoss sind barrierefrei. Oben entstehen Maisonette-Wohnungen, eher für junge Leute und Familien.

In sechs der acht Wohnungen wird ein Kamin stehen. Wohnen im Barockpark – wo wird dieser Traum heute noch wahr? Die einen werden auf die Kirche schauen, wenn sie aus dem Fenster sehen, andere auf die Riesenkinder im Park. Und wer eine Wohnung unterm Dach nimmt, hat ohnehin einen wunderschönen Ausblick. Terrassen und Balkone kommen – ebenso individuell schmiegen sie sich in das Ensemble aus Parkmauer und historischer Mühle. Der kleine Garagenanbau aus DDR-Zeit zum Palais hin verschwindet im Herbst, hat die Stadt zugesichert. Die Bauhof-Mitarbeiter bekommen ihr neues Sozialgebäude und der Komplex aus Palais, Mühle und Brücke nähert sich ein Stück weit seinem historischen Ursprung. Dazu trägt auch bei, dass Held der Stadt einen Rasenstreifen gegeben hat. Irgendwann wird der Weg in seiner ursprünglichen Sichtachse hergestellt.

Da wird sich einiges Tun die kommenden Monate. Augenfällig am Dach und der Fassade, wo Dachdecker und Putzer die nächsten Wochen alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen dürften. Und natürlich, wenn eine neue Brücke über die Röder gezogen wird, gleich am Mühlencafé. Denn der Haupteingang wird wie in den historischen Vorlagen von der Röderseite her angebracht.

Damit ergibt das Gesamtensemble Mühle, Wehr und Mühlencafé baulich und unternehmerisch einen Sinn. Schon jetzt dürfte die „Schlossmühle Zabeltitz“ öfter fotografiert worden sein, als während der gesamten DDR-Epoche. Verdient hat das vor allem der Bauherr. Der Schriftzug soll auch zum Schluss an der Fassaden stehen.